Doch (noch) kein Geld für Kunden

VW-Einigung im Diesel-Skandal: Hunderttausende Kunden betroffen - so viel Geld bekommen sie

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VW zeigt sich bereit für eine "faire und praktikable Lösung" zugunsten der betrogenen Dieselkunden.

Wann gibt es Geld für die vom Dieselskandal betroffenen VW-Kunden? Ein hunderte Millionen Euro schwerer Deal ist nun offenbar doch noch zustande gekommen.

  • VW hat weiterhin mit dem Dieselskandal zu kämpfen - eine Musterfeststellungsklage läuft.
  • Nun einigte sich Volkswagen mit den Verbraucherzentralen auf eine Zahlung von 830 Millionen Euro an betroffene Kunden.
  • Doch der Deal scheiterte am Finanziellen, wie VW am 14. Februar mitteilte. Der Verband wehrt sich.

Update 13.10 Uhr: Rund 260.000 VW-Dieselkunden aus der Musterklage sollen je nach Modell und Alter ihres Autos Entschädigungen zwischen 1350 und 6257 Euro erhalten. Volkswagen und der Bundesverband der Verbraucherzentralen hätten sich darauf geeinigt, dass im Schnitt rund 15 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises ausgezahlt werden, teilten die Verbraucherschützer am Freitag in Berlin mit.

Update vom 28. Februar 2020, 10.28 Uhr: Nach ihren zunächst gescheiterten Gesprächen haben Volkswagen und Verbraucherschützer jetzt doch noch einen gemeinsamen Vergleich zur Entschädigung von Dieselkunden erzielt. Bei ihren Güteverhandlungen am Oberlandesgericht Braunschweig einigten sich beide Seiten auf eine „umfassende Vereinbarung“, wie das Gericht am Freitag mitteilte. Einzelheiten sollen um 13.00 Uhr auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben werden.

VW im Diesel-Skandal: Wackelt 830-Millionen-Deal wegen überzogener Anwaltshonorare?

Update 18.43 Uhr: Der Verbraucherverband hat auf die Äußerungen des größten europäischen Autokonzerns im Gerichtsstreit reagiert und die Anschuldigungen zurückgewiesen. So habe Volkswagen selbst die Verhandlungen scheitern lassen, ließ Klaus Müller, der Vorsitzende des vzbv mitteilen. VW sei demnach nicht bereit gewesen, "ein transparentes, vertrauenswürdiges und für Verbraucher sicheres System der Abwicklung zu ermöglichen“, so der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen.

Somit scheinen die Fronten klar: Es dreht sich um die Streitfrage, ob ein pauschal veranschlagter Betrag der vzbv-Anwälte in Höhe von 50 Mio. Euro für die Abwicklung des Dieselskandals für die Volkswagen-Kunden gerechtfertigt ist. Die Meinungen hierüber sind geteilt. Die Rede ist davon, dass VW verlangt habe, Nachweise für die konkrete erbrachte Leistung verlangt habe und dies auf taube Ohren gestoßen sei.

Dieselskandal: Widersprüchliche Angaben bei VW und Verbraucherverband

Die Verbraucherzentrale selbst dementiert, dass VW die Honorarforderung nicht erfüllen wollte und spricht davon, dass der Grund des Scheiterns der mangelnden Einsicht des Autogiganten geschuldet ist:

Müller kündigte an, man werde vor Gericht weiter für eine gute Lösung für die Verbraucher kämpfen und die Vergleichsverhandlungen seien beendet - "die Musterfeststellungsklage aber nicht", wie er ausführte.

Der Verband könne sich auch vorstellen, dass das oberste Zivilgericht, der Bundesgerichtshof in Karlsruhe (BGH), verbraucherfreundlich entscheiden werde, sagte Müller weiter. Zum Vergleichsangebot von VW selbst ließ der vzbv ausrichten, dass man sich "über jeden Euro, den VW in Anerkennung des Dieselskandals Verbrauchern auszahlt" freue. Jedoch ist man "irritiert" vom Vorgehen des Volkswagen-Konzerns - und meint damit allem Anschein nach die eingeforderten 50 Mio. Euro.

Dass der Autobauer sich generell von dem Deal zurückziehen will, geht aus den jüngsten Statements der Niedersachsen nicht hervor: Der Autokonzern betonte am Freitag, er wolle eine "faire und praktikable Lösung für die Kunden". Manfred Döss, VW-Chefjustiziar, plädierte für einen Vergleich und betonte, es würden „weitere Jahre vergehen, bis individuelle rechtskräftige Urteile gesprochen würden.“

VW im Diesel-Skandal: 830-Millionen-Deal platzt - wegen des Anwaltshonorars?

Ursprungsartikel: Die Verhandlungen über einen Vergleich zu Entschädigungen für Hunderttausende VW-Dieselkunden sind nach Angaben von Volkswagen geplatzt. Wie der Konzern am Freitag mitteilte, soll die Höhe der Honorarforderungen der Anwälte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) der Grund sein. 

Zuvor hatte die Funke-Mediengruppe das Scheitern vermeldet. Dem Bericht zufolge hatten sich VW und vzbv auf eine Summe von 830 Millionen Euro für etwa 460.000 im Klageregister vertretene VW-Dieselkunden geeinigt. Der vzbv habe "bis zum Schluss" auf eine Pauschalzahlung von 50 Millionen Euro für die Abwicklung des Vergleichs bestanden. Ein Vertreter des Autobauers sprach von „unangemessenen Forderungen der Prozessanwälte“.

Der Autokonzern erklärte, es hätten keine „ausreichend konkreten Nachweise“ vorgelegen, welche Leistungen der vzbv-Anwälte mit der geforderten Summe abgerechnet werden sollten. „Eine Zahlung ohne einen ausreichend konkreten Leistungsnachweis oder ohne rechtlichen Grund ist für Volkswagen jedoch unmöglich.“ Man bedauere das Scheitern und wolle nun im Vorstand weitere Schritte beraten.

VW: Musterklage zahlreicher Dieselfahrer - „pragmatische Lösung“ jetzt vom Tisch?

Der vzbv vertritt im Verfahren um die Musterfeststellungsklage zahlreiche Dieselfahrer, die Schadenersatz für ihre Fahrzeuge mit zu hohen Abgaswerten verlangen. Der vzbv-Chef Klaus Müller will sich am Mittag (14.00 Uhr) zu den Vergleichsverhandlungen mit VW äußern.

Anfang Januar hatte VW und vzbv erklärt, über einen außergerichtlichen Vergleich zum Musterprozess sprechen zu wollen. Beide Seiten nannten dabei das „gemeinsame Ziel einer pragmatischen Lösung im Sinne der Kunden“. Lange hatte VW dies skeptisch gesehen. Im Oktober hatte der Konzern allerdings eine schmerzhafte Prozessniederlage erlitten.

Im März 2020 kündigt der VW-Konzern seine Produktion vorübergehend einzustellen. Grund ist die massive Ausbreitung des Coronavirus. 

dpa/fn/AFP

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