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Obi kehrt Russland den Rücken und verschenkt alle Filialen im Land

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Obi hat seine 27 Filialen in Russland an einen russischen Investor übertragen - umsonst. Schon im März war es bei der Schließung der Filialen zu Konflikten gekommen.

Wermelskirchen - Die Marke Obi ist auf dem russischen Markt Geschichte: Alle juristischen Einheiten in Russland seien „ohne Kaufpreiszahlung an einen Investor übertragen“ worden, teilte die Baumarktkette am Mittwoch mit. Damit bestätigte Obi russische Medienberichte vom Dienstag, allerdings war da von einem Verkauf die Rede, nicht von einer Abgabe der Filialen ohne jeden Kaufpreis. Der Name des Investors wurde nicht genannt.

Ukraine-Krieg: Obi verlässt Russland endgültig

Obi habe „den letzten Schritt vollzogen, um den russischen Markt endgültig zu verlassen“, teilte die Kette nun in Wermelskirchen mit. Schon Mitte März waren alle Märkte in Russland wegen des Ukraine-Kriegs* geschlossen worden, nun sei die Obi-Gruppe nach der jüngsten Transaktion „weder direkt noch indirekt in Russland tätig“.

Der Abgabe der Märkte müssen noch die zuständigen Behörden zustimmen, sie steht zudem unter der Bedingung, dass die Marke künftig in Russland nicht mehr verwendet wird.

Ukraine-Krieg: Konflikte bei Obi nach Schließungen in Russland

Die Tengelmann-Gruppe rechnete schon im März einem Bericht zufolge damit, russische Filialen der Baumarkttochter Obi abschreiben zu müssen. Inhaber Christian Haub verwies im Manager Magazin auf ein russisches Gesetz, wonach der Staat das Recht auf Enteignung jener Firmen erhält, deren Heimatländer sich an den Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs beteiligen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass es so weit kommt.“

Nach dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine hatte sich die Baumarktkette aus dem Land zurückgezogen. Die russische Zeitung Wedomosti berichtete dabei von einem „schweren Konflikt zwischen der russischen Obi-Führung und dem deutschen Mehrheitsaktionär“. Demnach waren die Geschäfte in Russland nach der verkündeten Schließung noch mehr als eine Woche lang geöffnet geblieben.

Obi gehörte zu den größten Baumarktbetreibern in Russland

Haub verteidigte in der Zeitung die Entscheidung, Russland zu verlassen. „Ich konnte mir einfach aus moralischen Gründen nicht vorstellen, weiterhin Geschäfte in Russland zu betreiben und damit indirekt das dortige Regime finanziell zu unterstützen“, sagte er der Zeitschrift.

Obi betrieb demnach noch bis Mitte März 27 Baumärkte in Russland und gehörte mit zu den größten Baumarktbetreibern in dem Land. Nach Haubs Angaben stand das Russland-Geschäft für weniger als fünf Prozent des Umsatzes und es sei bereits seit der Krim-Krise immer schwieriger, geworden, dort erfolgreich zu sein. „Ich bin nun froh, dass damit das Kapitel für uns beendet ist.“ (lma/dpa/AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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