Schöner Shoppen: Läden investieren Milliarden

Auch Aldi will seine Filialen modernisieren.

Düsseldorf - Die Ansprüche der Kunden wachsen. Qualität und Service stehen immer stärker im Fokus. Viele Händler investieren kräftig in die Läden. Auch Discounterkönig Aldi.

Der Handel investiert jedes Jahr Milliarden in den Neu- und Umbau von Geschäften. Dabei rückt das Kauferlebnis stärker in den Blickpunkt der Unternehmen. Schicke Ladenkonzepte versprechen Kunden- und Umsatzzuwächse. Außerdem gilt es, sich von der Konkurrenz um die Ecke oder im Internet abzuheben. Selbst die ansonsten eher schlicht wirkenden Lebensmittel-Discounter möbeln ihre Filialen kräftig auf. Aldi Nord will gleich europaweit das Filialnetz modernisieren. Auch andere Discounter rüsten auf.

Die Renovierungszyklen im deutschen Einzelhandel habe sich nach Erkenntnissen des Kölner Handelsinstitutes EHI spürbar verkürzt. Ein Supermarkt wird demnach im Schnitt alle neun Jahre komplett umgebaut. „Das ist eine erhebliche Beschleunigung“, erläutert die Leiterin des Forschungsbereiches Ladenplanung und Einrichtung, Claudia Horbert. Das sei ein Jahr weniger, wie Händlerbefragungen in den Jahren 2003, 2007 und 2010 zeigten. Auch zwischendurch feilten Händler an der Präsentation der Ware.

Ein Komplettumbau des Ladens sei am häufigsten im Mode-, Schuh- und Sportartikelhandel angesagt - alle sechseinhalb Jahre im Schnitt. Dann gehe es meist auch gleich um ein neues Verkaufskonzept. „Je mehr Lifestyle, desto schneller“, verdeutlicht Horbert das Tempo der Veränderungen. Der Händler wolle die Sinne der Kunden ansprechen, Emotionen wecken. Ein Trend sei, in den Läden mit Schriftzügen zu experimentieren. „Riechen und Schmecken“ stehe dann etwa auf Schildern über der Obst- und Gemüseabteilung. Die Gesamtinvestitionen des Handels in die Geschäfte schätzt das EHI auf fünf bis sechs Milliarden Euro pro Jahr.

Aldi Nord will europaweit seine Filialen „optisch modernisieren“, wie das Essener Unternehmen der dpa bestätigte. In Deutschland sei der Einbau von Backstationen geplant. Zu Einzelheiten und Summen äußert sich Aldi Nord nicht. Nach Informationen der „Lebensmittel Zeitung“ handelt es sich um das größte Investitionsprogramm der Firmengeschichte mit einem hohen dreistelligen Millionenbetrag. Da die Märkte unterschiedliche bauliche Voraussetzungen hätten, würde Aldi Nord teilweise nur einzelne Elemente des Konzeptes umsetzen.

Wann und wo es losgeht, ist unklar. Als Musterfiliale für die Veränderungen bei Aldi Nord gilt ein Markt im belgischen Gent. Dort sollen Bilder die Orientierung zwischen den Warengruppen erleichtern, Beleuchtung setze das Drogeriesortiment in Szene, berichtete die Fachzeitschrift. Für Horbert ist dies keine Überraschung. Neue Kühlgeräte und neue Beleuchtung seien der stärkste Innovationstreiber im Handel. Wer ein Lebensmittelgeschäft umbaue, könne mit modernster Technik gleichzeitig auch die Energiekosten drastisch senken.

Grundnahrungsmittel vom Discounter im "Öko-Test"

Grundnahrungsmittel vom Discounter im "Öko-Test"

Milfina Joghurt 3,5 % Fett erhält das Testurteil "sehr gut". Kritikpunkt waren dennoch niedrige Omega-3-Fettsäuren. Das bedeutet, dass die Kühe selten Gras und meistens Kraftfutter bekommen haben. Doch mit diesem Mangel haben auch die Produkte der Discounter Aldi Süd und Nord, Penny, Lidl, Netto und Norma zu kämpfen. Sie enthalten zusätzlich noch Weichmacher in der Verpackung.

Pennys Lindenhof Gouda schneidet im Test auch "sehr gut" ab - trotz niedriger Omega-3-Fettäurewerten. Doch auch alle gestesten Gouda anderer Discounter weisen diesen Mangel auf.

Das Mineralwasser "Saskia" (Medium) von Lidl schafft nur die Marke "befriedigend". Sein Mangel laut "Öko-Test": PET-Einweg. Damit befindet sich das Wasser, das ebenso wie alle anderen von seinen Inhaltsstoffen einwandfrei ist, in guter Gesellschaft mit den Marken der genannten Discounter.

Jodsalz von Norma ist "sehr gut" und ohne Mangel. Ebenso wie alle anderen getesteten Billigprodukte von Penny, Lidl, Aldi Nord und Süd und Netto.

Beim Sonnenblumenöl droht allseits Ungemach: Das Premium Sonnenblumenöl von Netto wurde mit der Auszeichnung "ausreichend" versehen, weil die Ölqualität zu gering ist und der Wert der Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) vergleichsweise hoch. PAKs können krebserregend und erbgutschädigend sein. Allerdings lagen die Messwerte hier immer noch deutlich unter den zugelassenen Höchstmengen.

Auch bei den anderen Sonnenblumenölen war die Ölqualität nicht immer gut und Inhalststoffe und Kennzeichnung nicht immer zufriedenstellend. Norma beispielsweise zeichnet sein Öl mit dem Vermerk "cholesterinfrei" aus.

Die Spaghetti im Test waren alle "sehr gut" und wiesen wie Lidls Combino Spaghetti keinerlei Mängel auf.

Der Spinat jedoch hat seinen Ruf nicht umsonst, er schwächelt bei den Inhaltsstoffen. Der Vorwurf: Nitrat und Cadmium liegen über 50 Prozent der täglich empfohlenen Dosis. Deshalb erhält das Gartenkrone-Produkt von Aldi Süd auch nur das Zertifikat "ausreichend". Auch bei Norma, Penny, Aldi Nord und Netto liegt das Cadmium im Spinat darüber, bei Lidl ist es der Nitrat-Wert.

Das Puda-Weizenmehl von Penny erhält nur die Auszeichnung "befriedigend", weil es erhöhte Schimmelpilzgifte enthält. Auch in Aldi Nords Goldähren-Weizenmehl stecken zu viele davon, deshalb ist es auch nur "befriedigend". Alle anderen Discount-Mehle erringen das Urteil "sehr gut".

Die passierten Tomaten von Aldi Süd schneiden "sehr gut" ab. Ebenso die Tomaten aller anderen Discounter. Nichts daran auszusetzen.

Der Bellarom Gold Kaffee von Lidl teilt sich die Auszeichnung "sehr gut" mit den Eigenmarken von Penny, Norma, Netto sowie Aldi Nord und Süd. Eine glatte 1 für alle.

Aldi Nord ist nach Ansicht von Wolfgang Adlwarth unter Zugzwang. Über viele Jahre sei man puristisch gewesen. „Die Filialen mussten nicht schön aussehen, die Ware muss sehr günstig sein“, meint der GfK-Marktforscher. In den vergangenen Jahren hätten die Supermärkte aber ihr Preisimage mit eigenen Marken in der unteren Preislage und Markenartikel im Sonderangebot verbessert. Sie machten Boden gut, gewönnen Marktanteile. Das Schwesterunternehmen Aldi Süd habe gezeigt, dass auch ein Discounter „helle, freundliche Läden mit gewissem Ambiente“ bieten könne. Dort gebe es schon Backstationen.

Auch andere Discounter wollen ihre Filialen verschönern. Penny Deutschland feilt ebenfalls an einem neuen Konzept, dem „Dürener Modell“. Die Waren sollen besser und hochwertiger präsentiert werden, ohne das Discounter-Image zu verlieren. Laut „Lebensmittel Zeitung“ sollen rund 150 Millionen Euro in diesem Jahr für die aufwendige Modernisierung und Restrukturierung bei Penny aufgebracht werden. Die Edeka-Tochter Netto Marken-Discount setzt nach der Expansion mit 220 neuen Standorten 2011 in den kommenden Jahren ihren Schwerpunkt auf den Umbau von bestehenden Flächen. So ist für das laufende Netto-Geschäftsjahr die Modernisierung von 300 Filialen geplant.

dpa

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