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Sanktionen treffen russische Wirtschaft mit voller Wucht - „Lage ist katastrophal“

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Von: Patricia Huber

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Russlands Wirtschaft geht es gut – behauptet der Kreml. Doch eine Yale-Studie zeichnet jetzt ein ganz anderes Bild.

New Haven – Den Kreml-Berichten zufolge geht es Russlands Wirtschaft gut. Trotz Sanktionen und dem Rückzug großer westlicher Konzerne wie McDonald‘s oder H&M, soll das Land laut russischer Medien bislang noch einigermaßen glimpflich davon gekommen sein. Doch der Schein trügt, wie Forscher der Universität Yale jetzt berichten.

Kreml veröffentlicht ungünstige Wirtschaftsdaten nicht

In ihrer Studie, mit dem Titel „Rückzug der Unternehmen und Sanktionen lähmen die russische Wirtschaft“, haben sie zusammengefasst, wie es wirklich um den Wohlstand im Land steht. Denn auch an Russland gehen die Folgen des Ukraine-Krieges nicht spurlos vorbei. Zu der Behauptung, dass es der russischen Wirtschaft gut gehe, schreiben die Yale-Autoren: „Das ist schlichtweg nicht wahr.“

Es sei jedoch nicht überraschend, dass das Missverständnis vom russischen Wohlstand immer noch bestehe. „Seit der Invasion werden die Wirtschaftsdaten des Kremls zunehmend selektiv veröffentlicht, wobei ungünstige Daten weggelassen werden“, heißt es in der Studie. „Diese von Putin ausgewählten Statistiken werden dann achtlos in den Medien verbreitet und von einer Vielzahl wohlmeinender, aber unvorsichtiger Experten für die Erstellung von Prognosen verwendet, die […] unrealistisch günstig für den Kreml sind.“

Russlands Wirtschaft: Import und Export kollabiert – Verbraucher verunsichert

Das Yale-Expertenteam hat sich nicht auf diese unzuverlässigen Prognosen verlassen und anhand einer Vielzahl von Daten eine eigene Analyse zu den wirtschaftlichen Aussichten Russlands erstellt – mit einem klaren Ergebnis. Der Rückzug der westlichen Unternehmen und die Sanktionen lähmten die russische Wirtschaft „in katastrophaler Weise“. Besonders als großer Rohstoffexporteur hat Russland an Macht und Bedeutung verloren. Immer mehr Länder wenden sich von russischem Gas und Öl ab, möchten unabhängiger werden und suchen nach Alternativen.

Eine geschlossene Zara-Filiale in Russland.
Etliche Unternehmen haben sich aus Russland zurückgezogen. Das schadet auch der Wirtschaft. © IMAGO/Sergei Karpukhin

Aber auch bei den Importen sieht es schlecht aus. Die Handelspartner sind zögerlicher geworden. Etliche wichtige Produkte und Bauteile fehlen, was zu „weit verbreiteten Versorgungsengpässen in der heimischen Wirtschaft führt.“ Weiter heißt es: „Trotz Putins Wahnvorstellungen von Autarkie und Importsubstitution ist die russische Inlandsproduktion völlig zum Erliegen gekommen, da es keine Kapazitäten gibt, um verlorene Unternehmen, Produkte und Talente zu ersetzen.“ Das wiederum führt dazu, dass die Preise im Land steigen, was schließlich die Verbraucher verunsichert.

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Yale-Experten sehen für Russland keinen Ausweg

Um die missliche Lage zu verbessern, greift Putin laut den Yale-Experten zu „unhaltbaren“ monetären Investitionen. Doch das führte dazu, dass der russische Staatshaushalt zum ersten Mal seit langem ins Defizit geraten ist. „Die Finanzen des Kremls befinden sich in einer viel, viel schlimmeren Notlage als gemeinhin angenommen“, heißt es in der Studie.

Aber gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma? Den Experten zufolge nicht. Zumindest „solange die verbündeten Länder geschlossen den Sanktionsdruck gegen Russland aufrechterhalten und verstärken.“

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