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Mandant soll Prozesskosten bezahlen - über 23 Millionen Euro: „Da fällt man doch vom Hocker“

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Von: Lisa Mayerhofer

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Richter mit Hammer im Gericht
Nach einem Prozess gegen Audi und VW hat ein Kölner Anwalt eine Rechnung über 23 Millionen Euro Prozesskosten in seinem Briefkasten gefunden.  © Christin Klose/dpa-tmn

Nach einem Verfahren gegen Audi und VW hat der Kölner Anwalt Oguz Korumtas eine Rechnung für die Prozesskosten in seinem Briefkasten gefunden - über 23 Millionen Euro.

Köln - Auch wenn Anwälte Briefe vom Gericht gewohnt sind* - eine ganz besondere Post des Landgerichts Bonn hat den Anwalt Oguz Korumtas dann doch aus der Fassung gebracht. Der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht aus Köln fand im Postkasten seiner Kanzlei einen Prozesskostenbescheid über 23.032.021 Euro. Der Brief liegt der Kölner Zeitung Express vor.

23 Millionen Euro Gerichtskosten

In dem Prozesskostenbescheid ging es um eine Klage gegen die Automobilkonzerne Audi und VW. Der Anwalt kontaktierte sofort das Bonner Landgericht - und konnte für Klarstellung sorgen. Laut Express habe es sich um einen Übertragungsfehler gehandelt. Der Betrag lag demnach bei 2.300 Euro - und nicht 23 Millionen.

Für diese Kosten muss Korumtas Mandant aufkommen. Hätte er aber das Gericht nicht innerhalb der Frist von zwei Wochen wegen des Fehlers kontaktiert, hätten Audi und VW theoretisch den Betrag von über 23 Millionen vollstrecken können, so der Anwalt. Dann hätten Anwalt und Mandant ein aufwändiges Verfahren anstrengen müssen, um den Bescheid zu berichtigen. „Zum Glück ist es nicht dazu gekommen. Sowas habe ich noch nie erlebt“, sagte Korumtas dem Express. 

Anwalt Korumtas: „Da fällt man vom Hocker“

Der Anwalt sei auch froh, seinen Mandanten nicht unnötig beunruhigt zu haben, bevor er die Angelegenheit regeln konnte: „Der hätte sicher einen Schock bekommen. Stellen Sie sich mal vor, Sie bekommen vom Gericht Post und sollen 23 Millionen Euro zahlen. Da fällt man doch vom Hocker.“

Bei den Prozesskosten entscheidet das Gericht in seinem Urteil, wer diese übernehmen muss. Dabei kommt es darauf an, vor welchem Gericht und in welcher Sache verhandelt wird. In der Regel muss der Verlierer im Zivilrecht für die Gerichtskosten, die eigenen Auslagen (zum Beispiel Anwaltskosten) sowie die Auslagen der anderen Partei aufkommen. In manchen Fällen müssen die Parteien aber auch die eigenen Kosten selbst übernehmen - wie etwa in der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht*. Bei einem Vergleich werden die Kosten, die dann meist niedriger ausfallen, in der Regel gleichmäßig aufgeteilt.

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