Live-Ticker zum Flughafen-Start

BER-Eröffnung skurril: Lange Schlangen am Sonntag - aber nur an einer Stelle

Polizisten stehen hinter Protestplakaten vor dem Terminal 1 des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ (BER).
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Polizisten stehen hinter Protestplakaten vor dem Terminal 1 des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ (BER).

Der BER eröffnet. Party-Stimmung? Fehlanzeige. Andere Flughäfen schließen Terminals, Fluggesellschaft dünnen schon jetzt das Angebot aus, Klima-Proteste folgen: „Die Lage ist ernst.“

  • Fast ein Jahrzehnt länger als erwartet hat es gedauert - am 31. Oktober eröffnet nun der neue Hauptstadtflughafen BER.
  • Party-Stimmung kommt in Berlin allerdings nicht auf. Der Termin fällt mitten in die Corona-Krise und kommt damit zu Unzeit.
  • Fluggesellschaften dünnen schon zum Start ihr Programm aus, Klima-Aktivisten protestieren - und die finanzielle Lage beim BER ist „ernst“.

Update vom 1. November, 16.30 Uhr: Großes Interesse am neuen Hauptstadtflughafen BER am ersten Tag nach der Eröffnung des Hauptterminals - aber nicht dort, wo es sich die Macher eigentlich erhoffen würden: Hunderte Besucher nutzten am Sonntag die Gelegenheit, sich das neue Gebäude von innen anzusehen. Vor allem vor dem Ticketschalter für die Besucherterrasse, von der man einen Blick auf das Vorfeld und Teile der Start- und Landebahnen hat, bildete sich eine lange Schlange. Dort war aufgrund der Corona-Beschränkungen nur Platz für 400 Besucher gleichzeitig.

Im Sicherheitsbereich vor den Gates waren jedoch nur wenige Passagiere anzutreffen. Am frühen Morgen waren die ersten Fluggäste für den ersten offiziellen BER-Flug nach London-Gatwick verabschiedet worden. Insgesamt jeweils 23 Starts und Landungen seien für Sonntag am Hauptterminal angesetzt, sagte eine Flughafensprecherin.

Für die 100 Geschäfte und 11 Gastro-Betriebe im Sicherheitsbereich ist es deshalb ein schleppender Start. Aufgrund der Einschränkungen in der Corona-Krise müssen die Restaurants und Bars dort ihre Sitzgelegenheiten ab Montag absperren. Ausschenken dürfen sie zwar noch, aber nur zum Mitnehmen. Manche von ihnen hatten am Sonntag deshalb noch nicht entschieden, ob sie überhaupt öffnen werden.

BER-Eröffnung mit Hindernissen: Extinction Rebellion protestiert auf dem Rollfeld

Update vom 31. Oktober, 17.18 Uhr: Aus Protest gegen Flugverkehr hat sich die Organisation „Extinction Rebellion“ vor Abflug einer Maschine vom neuen Flughafen BER an das Flugzeug gekettet. „Extinction Rebellion“ will sich mit friedlichen Aktionen gegen eine „Auslöschung“ der Menschheit durch den Klimawandel wehren.

Mit einer Stunde Verspätung konnte das Flugzeug abheben - nachdem die Aktivisten von der Maschine entfernt worden waren. „Das wird teuer“, twitterte die Berliner Polizei.

Eröffnung BER: Lufthansa-Konzernchef sieht München und Frankfurt weiter vor Berlin

Update vom 31. Oktober, 15.47 Uhr: In seiner Reden zur Eröffnungszeremonie sprach der Ministerpräsident von Brandenburg von seinem Wunsch, den Flughafen international noch besser angebunden zu sehen (siehe Update vom 31. Oktober, 14.49 Uhr). Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr gehörte zu den Ernsten, die den neuen BER-Flughafen von einem Flugzeug aus über die Terminalbrücken betreten durften. Er sieht im Flughafen „Willy Brandt“ jedoch kein internationales Drehkreuz wie Frankfurt am Main oder München. „Es gibt historische Gründe, warum in Deutschland der Langstreckenverkehr nicht von den beiden größten Städten aus stattfindet, sondern von den beiden Drehkreuzen München und Frankfurt“, sagt er. „Und ich glaube, daran wird auch der BER in der Tat nichts ändern.“

Der Lufthansa-Konzern mit seinen verschiedenen Fluggesellschaften peilt für die Zeit nach der Corona-Pandemie eine dreistellige Zahl von Flügen nach Berlin an. Die Lufthansa freue sich, dass es dort nun einen Flughafen gebe, der „unserem Land auch gerecht wird“.

BER ist offiziell eröffnet - Flughafen mit „strukturpolitischer Bedeutung“

Update vom 31. Oktober, 15.08 Uhr: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist ebenfalls vor Ort. Der Flughafen habe viele verärgert und bewegt, aber nun dürfe man sich auch freuen. „Die Zeit der Jokes über den BER muss jetzt zu Ende sein“, sagt Scheuer. Der Flughafen habe eine strukturpolitische Bedeutung und besondere Wichtigkeit für den Wirtschaftsstandort vor Ort. Und Scheuer ist wichtig: „Wir reden heute bitte nicht übers Geld, sondern wir reden darüber, dass der Flughafen ein internationales Drehkreuz wird.“ Gemeinsam müsse man den Flughafen und den Standort weiterentwickeln.

Und mit diesen Worten von Andreas Scheuer sind die Reden beendet. Punkt 15 Uhr ist es soweit: BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup, Easyjet-Geschäftsführer Johan Lundgren und Lufthansa-Chef Carsten Spohr drücken die Buzzer. Damit ist der Flughafen BER offiziell eröffnet.

Taufe des BER: Die Feuerwehr schießt Fontänen über die ersten beiden gelandeten Flugzeuge.

Update vom 31. Oktober, 14.58 Uhr: „Es gab Tage in den letzten Jahren, die waren zum Verzweifeln“, sagt Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin. Doch er sei überzeugt davon, dass es „richtig und wichtig“ war, den Flughafen fertig zu bauen. Dieser sei wichtig für die Region, für Ostdeutschland und die europäischen Nachbarländer. „Auch ein Stück Wiedervereinigungs- und Nachwende-Geschichte.“ Müller erwähnte auch den Flughafen Tegel, der demnächst schließen wird. „Ich weiß, dass vielen das Herz blutet.“ Aber der Flughafen sei kein Flughafen der Zukunft mehr, er könne nicht mehr das bieten, was Fluggesellschaften und Passagiere erwarten.

Eröffnungszeremonie des BER-Flughafens in Schönefeld: Grußworte der ersten Gäste

Update vom 31. Oktober, 14.49 Uhr: Auch der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kommt zur Eröffnung zu Wort. Er glaubt, dass wir jetzt das erste Kapitel einer Erfolgsgeschichte des BER schreiben. Doch es werde einige Herausforderungen geben. Dabei spricht er etwa die Demonstranten vor Ort an. Er fordert mehr Klimaneutralität beim Fliegen. Doch eine Antwort auf die Problematik sei zu kurz gegriffen: „Es hilft uns nicht hinzugehen und zu sagen, wir fliegen alle nicht mehr.“ Es brauche gute Verbindungen in die ganze Welt. Der Flughafen müsse noch stärker international angebunden werden - „auf Augenhöhe mit den Flughäfen in Frankfurt am Main und München.“ Zudem werde der Flughafen nur erfolgreich sein, wenn die Menschen in seinem Umfeld ihn akzeptieren.

Update vom 31. Oktober, 14.39 Uhr: BER-Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hieß seine ersten Gäste willkommen. „Endlich können wir unseren Flughafen in Betrieb nehmen, endlich.“ Es sei ein langer Weg gewesen, kein einfacher. „Deshalb feiern wir heute auch keine Party, sondern wir machen einfach auf.“

Ab heute habe Ostdeutschland einen „echten, starken, internationalen Flughafen“. Der Airport sei modern und zeitgemäß, mit einem lichtdurchfluteten Terminal, moderner Technik und ausreichender Kapazität für die nächsten Jahrzehnte. Lernfähigkeit und Teamgeist werden laut Engelbert Lütke Daldrup den BER erfolgreich machen.

BER: Die ersten Flugzeuge sind am neuen Flughafen gelandet

Update vom 31. Oktober 14.25 Uhr: Nach der Taufe halten die Maschinen nun am neuen Terminal, um die ersten Gäste in den Flughafen zu entlassen, die sich dann zur offiziellen Eröffnungszeremonie begeben.

Update vom 31. Oktober, 14.16 Uhr: Auf dem Vorfeld halten die beiden Flugzeuge Nase an Nase mit rund 20 Metern Abstand. Und dort entsteht das Bild, das womöglich in die BER-Geschichte eingehen wird: Die Feuerwehr schießt zwei Fontänen über die Flugzeuge. Die Taufe des Flughafens ist damit geschafft.

Update vom 31. Oktober, 14.07 Uhr: 14 Jahre nach dem ersten Spatenstich ist es endlich geschafft: Kurz nach 14 Uhr landete zuerst ein Flugzeug von Easyjet, kurz danach folgte eine Lufthansa-Maschine mit der Aufschrift „Hauptstadtflieger“ am Flughafen BER. Eigentlich sollten sie zur gleichen Zeit parallel landen, doch der Nebel über Berlin kippte den Plan.

Video: Wissenswertes zum neuen Berliner Flughafen BER

Kurz vor der Eröffnung des BER: Proteste von Klimaaktivisten, Anwohnern und Taxi-Fahrern

Update vom 31. Oktober, 13.42 Uhr: Es kommt Leben rein in den Flughafen BER in Schönefeld. Gäste, Mitarbeiter, aber auch Protestierende füllen die Gänge und Plätze unter Corona-Bedingungen. Banner mit den Aufschriften „Grenzen verbrennen, nicht Kerosin“ oder „Flieger stoppen statt Klima schrotten“ haben Aktivisten in den letzten Stunden auf dem Flughafengelände ausgerollt. Kurz vor der offiziellen Eröffnung bestimmten Protestaktionen unterschiedlicher Gruppen das Bild (siehe Update vom 31. Oktober, 10.47 Uhr). Einige Personen mit Pinguin-Masken oder Pinguin-Anzügen kletterten auf das Dach des Gebäudes. Gegen vier Personen wird nun wegen Hausfriedensbruch Anzeige erstattet, schreibt die Polizei Brandenburg auf Twitter.

Außerdem zog eine Gruppe Protestierender vom Willy-Brandt-Platz bis zum Eingang des neuen Terminal 1 und skandierten laut dpa „Was wollen wir? Klimagerechtigkeit! Wann wollen wir sie? Jetzt!“ Direkt vor dem Eingang bildeten sie mit großen, würfelförmigen Luftballons die Buchstabenreihe „#NO BER“.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr spricht währenddessen von einem „historischer Tag“. „Ich kann‘s noch gar nicht ganz glauben“, scherzt er laut dpa. Er sitzt in diesen Minuten an Bord einer Lufthansa-Maschine, die gegen 14 Uhr am BER mit einer Easyjet-Maschine landen soll. Auch der BER-Großkunde Easyjet hat sich erleichtert über die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens gezeigt. „Berlin ist eine unserer wichtigsten Basen und verdient einen Flughafen dieser Statur“, sagte Vorstandschef Johan Lundgren der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Klima-Aktivist hängt mit einem Transparent an einer Fassade vom Terminal 1 des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ (BER).

BER in Schönefeld: Protestaktionen zur Eröffnung des neuen Flughafens

Update vom 31. Oktober, 10.47 Uhr: Die Protestaktionen am neuen BER-Flughafen in Schönefeld gehen los. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, haben sich unter anderem mehrere Dutzend Mitglieder der Gruppe „Am Boden bleiben“, die sich für die Verringerung des weltweiten Flugverkehrs engagiert, versammelt. „Unser Ziel ist, den Flughafen lahmzulegen und die Eröffnung massiv zu stören“, sagte Lena Tucnak, eine der Sprecherinnen, am Samstagvormittag. „Es kann nicht sein, dass in Zeiten der Klimakrise ein neuer Riesenflughafen eröffnet wird.“ Es brauche eine gesellschaftliche Diskussion darüber, welche Flüge noch nötig seien und welche nicht.

Auch die Gruppe „Flight free 2020“ möchte am Eröffnungstag dafür werben, deutlich weniger zu fliegen und stattdessen mehr Bus und Bahn zu nutzen. „Fridays for Future“ und „Extinction Rebellion“ haben ebenfalls Protestaktionen angekündigt. Die Polizei will mit einem Großaufgebot die Sicherheit aller gewährleisten.

Eröffnung des BER: Wegen Corona keine große Eröffnungsfeier geplant

Update vom 31. Oktober, 9.18 Uhr: Es sollte ein ganz besonderer Flughafen für Deutschlands Hauptstadtregion werden - doch schnell wurde das Großbauprojekt zur Lachnummer im Land. Das Wort „Pannenflughafen“ verbinden viele gern mit dem BER. An diesem Samstag soll nun nach neun Jahren Verspätung und etwa dreimal so hohen Kosten die Eröffnung tatsächlich stattfinden.

Für 13.45 Uhr sind Grußworte von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD*) und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU*) geplant. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) ist dabei. Gegen 14 Uhr landen dann die ersten beiden Maschinen von Lufthansa und Easyjet. Durch die Corona-Krise wird die Auslastung in der Startphase des Flughafens deutlich geringer ausfallen als ursprünglich geplant und erhofft. Genug Raum und Zeit also, um final in Fahrt zu kommen. Den Ernstfall hat der Flughafen kurz vor der Eröffnung schon mal getestet.

Eine übermäßige Eröffnungsfete wird es wegen der Corona-Pandemie jedoch nicht geben.  Für Sonntag sind die ersten Abflüge geplant, am Mittwoch soll der Flughafen „Willy Brandt“ dann komplett in Betrieb genommen werden.

Doch seit Jahren gibt es auch Gegner des Großprojekts. Deshalb finden am Eröffnungstag auch Demonstration der Bürgerinitiativen und Bündnisse gegen Fluglärm und von einem Bündnis aus der Klimabewegung statt.

Brandenburg, Schönefeld: Beleuchtung des Terminal 1 vom Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg «Willy Brandt» (BER) am frühen Morgen.

Ausgerechnet während der Corona-Krise: BER-Eröffnung mit neun Jahren Verspätung

Erstmeldung vom 30. Oktober, 12.02 Uhr: Berlin - Am Samstag (31. Oktober) soll tatsächlich das lange Zeit Unvorstellbare passieren: Der neue Hauptstadtflughafen BER nimmt den Betrieb auf - mit neun Jahren Verspätung. Unter anderem das „Monster“, die Entrauchungsanlage des Airports, ist mittlerweile bezwungen. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch der Bau des Airports hat so lange gedauert, dass seine Eröffnung nun zur Unzeit kommt.

Nicht nur, dass Klima- und Umweltaktivisten bereits Proteste angekündigt haben: Die Corona-Pandemie macht der Luftverkehrswirtschaft heftig zu schaffen. Anderenorts werden Terminals stillgelegt, auch in Berlin werden nun nicht gerade viele Passagiere erwartet. Und die Finanzlage beim BER ist bereits jetzt prekär.

BER-Eröffnung in der Corona-Krise: „Die Lage ist ernst“, sagt der Aufsichtsratschef - Hofreiter sieht „Klotz am Bein“

„Die Lage ist sehr ernst“, betonte der Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg, Rainer Bretschneider im RBB Inforadio. „Die Finanzlage und das Eigenkapital insbesondere sind nicht so, dass wir zukunftsorientiert aufgestellt sind.“ Man stehe deshalb im kontinuierlichen Austausch mit den Gesellschaftern und habe bereits um finanzielle Unterstützung für das Jahr 2021 gebeten. Bretschneider wäre schon jetzt offen für den Einstieg privater Investoren.

Auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag etwa, Anton Hofreiter, sieht den neuen Berliner Flughafen „in großen ökonomischen Schwierigkeiten“. Es dürfe nicht vergessen werden, dass der Flughafen viel teurer geworden sei, sagte Hofreiter Tage vor der Eröffnung dem selben Sender. „Er war kalkuliert mit 2,5 Milliarden Euro und hat gekostet 6 Milliarden Euro.“ Damit sei der Flughafen doppelt so teuer geworden und werde „ein Klotz am Bein“ und „ein Zuschussbetrieb bleiben“. Den Schulden aufgrund der hohen Baukosten stünden geringere Einnahmen durch Corona entgegen, die die Kosten nicht decken könnten. „Es braucht ein Entschuldungskonzept und das muss ehrlich auf den Tisch.“

Der Bund und die beiden beteiligten Länder Berlin und Brandenburg unterstützen die Flughafengesellschaft in diesem Jahr mit 300 Millionen Euro. Für kommendes Jahr ist ein Darlehen von rund 550 Millionen Euro zugesagt.

Corona-Eröffnung für den Hauptstadtflughafen: Berlins Bürgermeister hofft auf bessere Zeiten

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller geht hingegen davon aus, dass der BER kein Zuschussgeschäft bleibt - wenn auch erst in einer etwas ferneren Zukunft. „Wir haben mit Tegel und Schönefeld gesehen, dass ein Flughafen Geld verdient“, sagte der SPD-Politiker der dpa. „Wir haben eine Sondersituation mit dem BER, weil die Baukosten wieder reinkommen müssen.“ Und das ganze System müsse erst anfangen zu laufen, auch das jenseits des Flugverkehrs.

„Ein Flughafen verdient heutzutage Geld mit dem Angebot drum herum: mit den Gewerbeflächen, den Shoppingarealen und nicht vorrangig mit Start- und Landegebühren“, sagte Müller. „Aber jetzt erleben wir eine Pandemie. Wir haben weniger Passagiere und weniger Unternehmen, die das ganze Umfeld in Tegel und Schönefeld nutzen. Wenn wir die Krise überwunden haben, wird man mit dem neuen Flughafen Geld verdienen, genauso wie mit dem alten.“

Flughäfen in der Krise: BER eröffnet - Düsseldorf und Frankfurt verzichten vorerst auf Terminals

Dass das vorerst schwer wird, beweisen zahlreiche aktuelle Beispiele aus Deutschland. Der Düsseldorfer Flughafen zum Beispiel reagiert auf den drastisch gesunkenen Flugverkehr und schließt vom 3. November an das Terminal B. Der Frankfurter Flughafen nimmt sein drittes Passagier-Terminal frühestens im Jahr 2025 in Betrieb. Wegen der Corona-Krise bestehe seitens der Kunden keine frühere Nachfrage, sagte ein Sprecher des Betreibers Fraport am Donnerstag. Die Bauarbeiten für das rund vier Milliarden Euro teure Projekt werden zwar fortgesetzt, könnten aber teilweise aus Kostengründen gestreckt werden. Auch vom Flughafen München kamen in der Pandemie „Horror-Bilanzen“*.

In einem skurrilen Problem steckte zuletzt die Lufthansa: Sechs ihrer ausgemusterten Boeing-Jumbos vom Typ 747-400 dürfen erst nach längerem Hickhack für ihren Flug zum Schrottplatz den niederländischen Kleinflughafen Twente verlassen. Zunächst hatte sich die dortige Luftverkehrs- und Umweltaufsicht gegen die Starts von dem Zwischenparkplatz gesperrt.

Eröffnung für Hauptstadtflughafen BER: Easyjet und Ryanair reduzieren schon jetzt

Am BER stellen sich die Fluggesellschaften schon zur Eröffnung mit einem verringerten Angebot auf die Corona-Lage ein. Der bislang größte Anbieter in Berlin etwa, das britische Luftfahrtunternehmen Easyjet, hat sich mit den Gewerkschaften darauf geeinigt, die in Berlin im vergangenen Jahr stationierte Flotte von 34 Flugzeugen auf 18 zu reduzieren.

Die krisengebeutelte Lufthansa hat keine eigenen Flugzeuge am BER stationiert. Sie nutzt den Flughafen vor allem als Ausgangspunkt für Langstreckenflüge mit einmaligem Umstieg an den Drehkreuzen Frankfurt oder München*. Für den Start am BER plant die größte deutsche Fluggesellschaft mit lediglich 30 Flügen täglich - etwa halb so viele wie vor der Krise. Auch die Billigfluggesellschaft Ryanair wird ihre Kapazitäten am BER für den Winterflugplan reduzieren, auf 40 Prozent des Vorjahres, wie das irische Unternehmen auf Anfrage mitteilte. Rund 27 internationale Strecken will Ryanair dann noch bedienen.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hatte zuletzt mit insgesamt rund 5000 Fluggästen am Eröffnungstag des Flughafens am Hauptterminal T1 gerechnet. Mit der Tegel-Schließung eine Woche später würden am T1 dann rund 16.000 Passagiere abgefertigt. Weitere 8000 Fluggäste würden dann über den Flughafen Schönefeld reisen, der als Terminal 5 des BER dient. Das bereits fertiggestellte Terminal 2 wird angesichts dieser niedrigen Zahlen zunächst nicht gebraucht und soll deshalb erst im Frühjahr eröffnet werden. Immerhin: Die Bundesregierung fliegt schon jetzt vom Hauptstadtflughafen los.

BER eröffnet - ohne große Party: „Nach dieser Bauzeit können wir nicht ...“

Angesichts all dieser Probleme soll auch die Party zum Flughafen-Start klein ausfallen. Eine große Feier zur BER-Eröffnung am 31. Oktober wäre aus Müllers Sicht nicht angemessen: „Da waren Flughafenchef Lütke Daldrup, Brandenburgs Ministerpräsident Woidke und ich uns sehr schnell einig. Natürlich muss man einen Flughafen feierlich eröffnen, aber wir können nicht nach dieser Bauzeit eine Party zelebrieren“, sagte er.

Immerhin eine Institution zeigte sich erfreut: Die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens mitten in der Luftfahrtkrise ist aus Branchensicht „ein Zeichen der Zuversicht“. „Das Bedürfnis, länder- und kontinentüberschreitend zu reisen, wird bleiben“, teilte die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen mit. Die Seuche sei eine schwere Zäsur. Umso wichtiger sei es, dass der
neue Flughafen ans Netz gehe. (dpa/fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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