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„Werden viele Vereine dran zu knabbern haben“ - Fußball-Verband sieht Energiekrise mit großer Sorge 

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Von: Thomas Schmidtutz

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Amateure beim Flutlicht-Training: Wegen der drastisch steigenden Energiepreise drohen auch vielen Fussball-Vereinen satte Tarif-Erhöhungen.
Amateure beim Training unter Flutlicht: Wegen der drastisch steigenden Energiepreise drohen auch vielen Fussball-Vereinen satte Tarif-Erhöhungen. (Archiv-Foto) © Imago

Die stark steigenden Preise für Strom und Gas dürften auch für Amateursport-Vereine zum Problem werden. Der Bayerische Fussball-Verband hofft auf Rückendeckung durch die Staatsregierung.

München – Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) sieht die drastisch steigenden Energiekosten mit großer Sorge. Zwar sei die Situation wegen der sommerlichen Jahreszeit bei vielen Vereinen derzeit noch ruhig. „Doch wenn nach dem Jahreswechsel die Nachzahlungen für Strom und Gas reinflattern, könnte es für viele Vereine ein böses Erwachen geben. Da werden viele Clubs dran zu knabbern haben“, sagte BFV-Sprecher Frühwirth am Freitag gegenüber Merkur.de.

Im Freistaat gibt es rund 4500 Fußball-Vereine und -Abteilungen. Zwei Drittel von ihnen haben Flutlichtanlagen und sind beim Training in der kalten Jahreszeit auf Beleuchtung angewiesen. Zuletzt sind die Strompreise jedoch drastisch gestiegen. So kostete die Megawattstunde Strom an der Leipziger Strombörse im Juni 218 Euro. Das waren knapp 200 Prozent mehr als noch vor Jahresfrist.

Energiekrise: Satte Preisanhebungen auf breiter Front

Alleine in der ersten Jahreshälfte haben bundesweit rund 1300 Versorger ihre Tarife angehoben, im Schnitt um gut ein Viertel. Weitere 300 Stadtwerke und andere Energie-Anbieter wollen im Sommer nachziehen.

Dazu kommen die galoppierenden Gaspreise. Vereine, die bei ihren Umkleiden und Duschen auf Gas angewiesen sind, stehen damit auch den Gastarifen vor weiteren Preisanstiegen. Spätestens zum Jahreswechsel könnte es richtig teuer werden. Denn Stadtwerke kaufen Strom oder Gas in der Regel mit einem bis zwei Jahren Vorlauf bei den Branchenriesen wie E.On, RWE oder Uniper ein. Wenn die Verträge auslaufen, passen die Versorger ihre Tarife an. Dann drohen saftige Aufschläge.

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Energiekrise: Auch Volley- und Basketball-Vereine vor deutlich steigenden Abschlagszahlungen

Die Gefahr steigender Betriebskosten trifft längst nicht nur die Fußball-Vereine. Bei Sportarten wie Volleyball oder Basketball kommen zu den Strom- auch noch die Heizkosten für die teils riesigen Sport- und Mehrzweckhallen. Zwar gibt es Kommunen, die ihren Clubs bei den Betriebskosten für Flutlicht oder Heizung und Gebäude unter die Arme greifen. Doch die meisten Vereine müssen zumindest einen Teil der Kosten für Strom, Gas und Wasser selbst tragen. 

Angesichts dieser Ausgangslage drängt der BFV gemeinsam mit dem Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) nun auf Unterstützung durch die Politik. Denkbar seien etwa Hilfen bei den Energiekosten wie Zuschüsse oder die vollständige Erstattung durch die Kommunen, den Freistaat oder auch den Bund, sagte BFV-Sprecher Frühwirth. Außerdem würden auch Steuererleichterungen helfen, etwa bei der Umsatzsteuer für die Stadion-Bratwurst.

Energiekrise: Sportverbände hoffen auf die Politik

Man stehe dazu bereits im Kontakt mit Innen- und Sportminister Joachim Herrmann (CSU), sagte der Verbandssprecher. Um den Spielbetrieb müsse sich aber niemand Sorgen machen, versicherte er. Abgesehen von Großstädten wie München, wo der Spieltag mitunter bereits am Freitagabend beginnt, würden die Liga-Spiele an den Samstagen und Sonntag in aller Regel im Tagesverlauf ausgetragen. Das gehe auch ganz ohne Flutlicht. (utz)

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