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Deutsche Wirtschaft wächst im Sommer stärker als erwartet 

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Von: Thomas Schmidtutz

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Mehrfamilienhäuser im Bau: Die deutsche Wirtschaft zeigt sich trotz starken Gegenwinds im laufenden Jahr unerwartet robust.
Mehrfamilienhäuser im Bau: Die deutsche Wirtschaft zeigt sich trotz starken Gegenwinds im laufenden Jahr unerwartet robust. © Julian Stratenschulte/dpa

Inflation, Ukraine-Krieg, Lieferketten: Die deutsche Wirtschaft hat im laufenden Jahr ordentlich Gegenwind. Doch bislang erweist sich die Konjunktur als unerwartet robust.

Wiesbaden - Die deutsche Wirtschaft ist im Sommer trotz Gegenwinds schneller gewachsen als zunächst erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent zu und damit etwas schneller als zunächst gedacht. Laut einer ersten Schätzung waren die Wiesbadener Statistiker noch von einem Preis-, Kalender und saisonale Effekte bereinigten Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent ausgegangen. Im Vorfeld hatten Ökonomen sogar ein Minus vorhergesagt.

Konjunktur: Privater Konsum trägt Wirtschaft

Getragen wurde das Wachstum im Zeitraum Juli bis September vor allem vom privaten Konsum. Trotz hoher Inflation und der Energiekrise nutzten die Verbraucherinnen und Verbraucher auch im dritten Quartal die Aufhebung fast aller Corona-Beschränkungen, um zum Beispiel für Reisen, wie die Wiesbadener Behörde erläuterte.

Unternehmen investierten deutlich mehr in Ausrüstungen wie Maschinen. Die Bauinvestitionen waren hingegen wie schon im zweiten Quartal rückläufig. Hier spiegeln sich die hohen Baupreise und deutlich gestiegene Hypothekenzinsen wider.

Konjunktur: Ökonomen erwarten frostige Wintermonate

Viele Ökonomen rechnen mit einem frostigen Winterhalbjahr in Europas größter Volkswirtschaft. Sie gehen von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung aus, erwarten aber keinen Konjunkturabsturz wie im Corona-Krisenjahr 2020. Damals war das Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr um mehr als vier Prozent geschrumpft. Auch in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hellt sich die Stimmung wieder auf, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Ifo-Geschäftsklimaindex hervorgeht. 

In den nächsten Monaten seien Einbrüche wie in der Finanz- oder Coronakrise „nur bei einer Gasmangellage wahrscheinlich, und an der dürften wir dank voller Speicher und vor allem erheblicher Sparanstrengungen von Unternehmen und Haushalten vorbeikommen“, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib jüngst. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer verwies auch auf das Entlastungspaket der Bundesregierung. „Ich erwarte unverändert eine Rezession, mehr denn je aber keinen wirtschaftlichen Kollaps.“

Konjunktur: Hohe Inflation bleibt Hauptproblem

Sorge bereitet insbesondere die hartnäckig hohe Inflation, die im Oktober auf 10,4 Prozent stieg. Hohe Teuerungsraten belasten Unternehmen und schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Die Menschen können sich für einen Euro weniger leisten. Das kann den Privatkonsum als wichtige Konjunkturstütze dämpfen. Zugleich dürfte die Abschwächung der Weltkonjunktur Volkswirten zufolge den Export unter Druck setzen.

Die Bundesregierung rechnet dank des Wachstums der vergangenen Quartale für 2022 mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,4 Prozent. Für das kommende Jahr wird des erwartet schwachen Winterhalbjahres ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr vorhergesagt. Die Wirtschaftsweisen gehen von einem Minus von 0,2 Prozent aus. (dpa/utz)

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