Tierwohl kostet extra

Steaks von Aldi, Lidl, Rewe & Co. im Test: Stiftung Warentest findet Bakterien

Steaks von Aldi, Lidl, Rewe und Co. im Test: Stiftung Warentest untersucht Schweinefleisch-Produkte. Die Qualität ist oft gut, doch großer Kritikpunkt sind die Haltungsbedingungen.

  • Steaks im Test: Stiftung Warentest* hat 15 Fleischprodukte von Aldi*, Lidl, Rewe und Co. untersucht.
  • Einige Produkte können überzeugen, einige schneiden schlechter ab.
  • Besonders kritisiert werden die Haltungsbedingungen.

Kassel - Steaks gehören während der Grillsaison zu den beliebtesten Fleischprodukten in Deutschland - ganze 34 Kilo pro Kopf wurden 2019 hierzulande verspeist. Die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest hat jetzt Schweinenackensteaks und -koteletts unter die Lupe genommen. Im Test wurden 15 Produkte verschiedener Preisklassen, Hersteller und Händler wie Aldi*, Lidl, Rewe, Edeka und Co. untersucht.

Getestet wurde die Qualität des Fleischs, aber auch das Engagement für Tiere, Arbeiter und Umwelt. Einige Produkte können in allen Kategorien überzeugen, andere schneiden wesentlich schlechter ab.

Steaks von Aldi, Lidl, Rewe und Co. im Test: Antibiotikaresistente Keime gefunden

Stiftung Warentest hat beim Test nachgewiesen, dass in zehn der 15 Steaks von Aldi, Lidl, Rewe* etc. antibiotikaresistente Keime enthalten sind. Allerdings stellen sie beim Verzehr keine akute Gefahr dar, solange das rohe Fleisch vom Verbraucher richtig gelagert, behandelt und gut durchgebraten wird. Sie bergen dennoch ein geringes Restrisiko.

Zwei Steaks im Test fielen besonders negativ auf. Bei der Handelsmarke „Wilhelm Brandenburg“ von Rewe konnten die Experten erhöhte Werte an Verderbniskeimen (Milchsäurebakterien) feststellen. Auch wenn diese ebenfalls nicht schädlich für den Menschen sind, können sie ein Zeichen mangelnder Hygiene in den Schlachtbetrieben sein.

Steaks von Aldi, Lidl, Rewe und Co. im Test: In vielen Produkten wurden antibiotikaresistente Keime gefunden.

Steaks von Aldi, Lidl, Rewe und Co. im Test: Zwei Produkte fielen durch

Die Koteletts von Norma fielen im Geschmack als sehr trocken und im Vergleich zur Konkurrenz besonders zäh auf. Das sind die Verlierer im Test von Aldi, Lidl, Rewe und Co.:

  • Steak von Wilhelm-Brandenburg („ausreichend“)
  • Schweinekotelett von Norma („ausreichend“)

Steaks von Aldi, Lidl, Rewe und Co. im Test: Dieses Ergebnis überrascht

Dieses Ergebnis überrascht im Test von Steaks bei Aldi, Lidl, Rewe und Co.: Jedes zweite Produkt schneidet mit der Note „gut“ ab, obwohl Verbraucher häufig nicht mehr als 5,99 Euro zahlen müssen. Bio-Fleisch dagegen ist gleich dreimal so teuer. Das sind die Testsieger mit der Note „gut“:

  • Bio-Schweinenackensteak der Pichler Biometzgerei
  • Königshofer Bio-Schweine-Nackensteak natur von Denree
  • Purland Nacken-/Kammkotelett vom Schwein bei Edeka
  • Landjunker Schweinenacken Kotelett von Lidl
  • Purland Nacken-/Kammkotelett vom Schwein bei Kaufland

Steaks von Aldi, Lidl, Rewe und Co. im Test: Viele Betriebe geben Verantwortung ab

Bezüglich der Unternehmensverantwortung konnten die Experten von Stiftung Warentest Einblicke in zwölf Ställe und sieben Schlachthöfe gewinnen. Darunter auch das Hauptwerk von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück, wo täglich 20.000 Schweine geschlachtet werden. Um die Tönnies-Werke gab es erst vor kurzem einen Skandal: Über 1.500 Mitarbeiter wurden mit dem Coronavirus infiziert.

Der Test der Stiftung Warentest von Steaks bei Aldi, Lidl, Rewe und Co. zeigt, dass viele Betriebe die Verantwortung für ihre Mitarbeiter an Subunternehmer abgeben. Viele der meist nicht festangestellten Arbeitskräfte leben in Gemeinschaftsunterkünften, fahren in Sammelbussen zur Arbeit und stehen gemeinsam am Fließband. Das birgt ein hohes Ansteckungsrisiko in Zeiten von Corona.

Steaks von Aldi, Lidl, Rewe und Co. im Test: Ein Lebensmittelhändler verweigert Auskunft

Fast alle Handelsketten legen ihre Lieferanten offen, allerdings weigert sich der Lebensmittelhändler Edeka und deren Tochterunternehmen Netto Auskunft zu geben. Das Urteil von Stiftung Warentest lautet deshalb „mangelhaft“.

Im Test wird deutlich, dass die meisten Mastschweine ein kurzes Leben in geschlossenen Ställen mit kleinen Fenstern verbringen. Viele Anbieter geben sich damit zufrieden, die Lieferanten müssen kaum mehr als den gesetzlichen Standard einhalten. Für ein Schwein bis 110 Kilo reichen 0,75 Quadrat­meter im Stall, Zugang zu Frisch­luft braucht es nicht.

Schweine geschlachtet in Deutschland (2019)55 Millionen
Durchschnittliches Schlachtgewicht95 Kilogramm
Alter beim Schlachten6 Monate
Anzahl der Bioschweine in Deutschland1 Prozent

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Im Netz kursiert derzeit eine angebliche Warnung von Aldi. Auf Corona-Plakaten wird vor dem Verzehr von Fleisch gewarnt. Der Discounter wehrt sich und äußert einen Verdacht. (Karolin Schaefer) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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