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Stiftung Warentest testet Kosmetik – und deckt miese Versprechen auf

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Von: Malin Annika Miechowski

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Bei Kosmetik-Artikeln geben die Hersteller oft große Versprechen. Doch dabei ist Vorsicht geboten.

Deutschland - Von morgens bis abends begleiten Kosmetik-Artikel den Alltag. Dabei hören sich manche Werbeaussagen bei Zahnpasta, Cremes und Make-up oft vielversprechender an als sie tatsächlich sind. Das hat die Stiftung Warentest herausgefunden. RUHR24* kennt die Details zum entlarvten Schwindel.

VerbraucherorganisationStiftung Warentest
Gründung4. Dezember 1964, Berlin
HauptsitzBerlin
RechtsformSelbständige rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts

Kosmetik bei Stiftung Warentest – Experten kritisieren schwammige Werbeversprechen

Kaum zu durchblicken sind als Kunde die Inhaltsstoffe auf der Rückseite der Verpackungen von Kosmetik-Artikeln. Dafür werden meist Fremdwörter verwendet und bestimmte Aussagen auf der Vorderseite führen dann zu Fehlinterpretationen. Denn in Wahrheit stecken nicht selten bedenkliche Stoffe im Produkt, wie auch ein Rückruf von Cremes* und eine aktuelle Überprüfung von Gesichtscremes durch Öko-Test zeigen.

Dort haben die Tester beispielsweise bedenkliche UV-Filter entdeckt sowie sogenannte aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), bei denen der Verdacht besteht, dass sie krebserregend sind. Und das ist kein Einzelfall, wie eine aktuelle Untersuchung von Stiftung Warentest zeigt.

Ein großer Kritikpunkt sind dort die unklar formulierten Werbeaussagen. Dabei gibt es sogar eine in der EU geltende Claims-Verordnung. Diese legt fest, dass die Versprechen „für den durch­schnitt­lichen Endverbraucher klar und verständlich sein“ sollen. Bei Lebensmitteln ist dies noch strenger, denn bei den Produkten müssen Hersteller ihre Aussagen bezüglich der Produkte wissenschaftlich belegen.

Kosmetik ohne Tierversuche: Stiftung Warentest bemängelt überflüssige Angabe

Ein besonders dreister Trick ist nach Angaben von Stiftung Warentest das Versprechen, dass der Kosmetik-Artikel zu 99 Prozent aus natürlichen Inhaltsstoffen besteht. Das Problem: Der Hauptbestandteil ist oftmals normales Wasser, das auf den meisten Verpackungen als „Aqua“ aufgelistet ist.

Wie groß der Anteil an „natürlichem Wasser“ ist, erkennen Verbraucher daran, an welcher Stelle es in der Liste der Inhaltsstoffe steht. Je weiter vorne die Zutat gelistet ist, desto mehr ist davon enthalten. Eine ebenso falsche Fährte legen die Hersteller mit der Aussage, das Produkt sei „ohne Tierversuche“ hergestellt.

Was sich zunächst als vielversprechende Aussage liest, ist in Wahrheit allerdings eher unnötig. Die Experten von Stiftung Warentest gehen sogar noch einen Schritt weiter und ziehen in ihren Überprüfungen Punkte ab, wenn sie diesen Slogan lesen. Denn dass für die Herstellung keine Tiere in Mitleidenschaft gezogen werden, ist heutzutage selbstverständlich (weitere Testberichte* bei RUHR24).

Gefahr für Haut und Augen: Stiftung Warentest warnt vor Mascara

Seit 2013 gibt es in der EU ein Verbot von Tierversuchen, das sowohl „zur Herstellung von Kosmetika für fertige Produkte“ als auch für einzelne Zutaten gilt, schreibt Stiftung Warentest. Erfüllt ein Kosmetikartikel diesen Standard nicht, darf er innerhalb der EU nicht zum Verkauf angeboten werden.

Aber: Es gibt eine Ausnahme. Denn das Gesetz schließt Stoffe nicht mit ein, die vor 2013 an Tieren erprobt wurden. Auch für andere Produkte, wie Arzneimittel oder Chemikalien, wie Wandfarbe, gilt das Gesetz ist.

Frau trägt Mascara auf
Stiftung Warentest rügt „tierversuchsfreie“ Kosmetik, wie Mascara (Symbolbild). © Bernd Thissen/dpa

Vorsichtig sollten Verbraucher auch bei Produkten sein, die augenärztlich getestet wurden. Dazu zählen beispielsweise Mascara, die unerwünschte Nebenwirkungen haben können. Da es keine gesetzlichen Vorgaben zu den Untersuchungen durch Augenärzte gibt, kann jeder Hersteller selbst bestimmen, welche Anforderungen die Wimperntusche im Test* erfüllen soll.

„Wasserfeste“ Sonnencreme: Stiftung Warentest mahnt vor falscher Sicherheit

Das kann für Personen mit empfindlichen Augen oder empfindlicher Haut zum Problem werden. Denn auch Mascara und Cremes, die von Augenärzten geprüft wurden, können Symptome wie Rötungen und Juckreiz auslösen.

Ebenfalls schädlich für die Haut können verschiedene Arten von Sonnenschutzmittel* sein. Auf der Packung liest der Verbraucher oftmals, diese Produkte seien wasserfest, doch die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass sich Verbraucher auf diese Angaben nicht verlassen sollen.

Das liegt daran, dass Hersteller diese Bezeichnung schon verwenden dürfen, „wenn diese nach zweimal 20 Minuten Baden nur noch die Hälfte ihres ursprüng­lich gemessenen Schutzes bieten“, erklären die Experten.

Stiftung Warentest untersucht Zahnpasta und räumt mit Vorurteil auf

Weniger Grund zur Sorge gibt es hingegen bei der Verwendung von Zahnpasta mit enthaltenem Fluorid. Kritiker meinen zwar, dass der Inhaltsstoff krebserregend sein könnte. Doch sei nach Angaben von Stiftung Warentest aber nie wissenschaftlich nachgewiesen worden - im Gegenteil. Fluorid soll einen positiven Effekt auf das Gebiss haben. So soll der Stoff den Zahnschmelz stärken und die Zähne vor Karies bewahren. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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