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Gas-Knappheit droht in Deutschland: Regierung rät zu Kauf von Notstromaggregaten

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Von: Sophia Lother

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Gas Heizung
In Deutschland wird durch den Krieg in der Ukraine das Gas knapp. © Christian Ohde/Imago

Bald könnte das Gas in Deutschland knapp werden. Der Bundesnetzagenur-Chef nennt Details dazu, wer von Rationierungen betroffen sein könnte und gibt Spartipps.

Update von Sonntag, 3. Juli, 11.25 Uhr: Angesichts der drohenden Gas-Knappheit in Deutschland hat die Bundesregierung Unternehmen empfohlen, sich mit Notstromaggregaten einzudecken. Wie die Bild-Zeitung unter Berufung auf eine Antwort von Wirtschaftsstaatssekretär Patrick Graichen (Grüne) an den CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Pilsinger berichtete, sollen die Aggregate mögliche Stromausfälle kompensieren.

„Empfehlenswert ist die Ausstattung mit Notstromaggregaten insbesondere für Betreiber von kritischer Infrastruktur“, schreibt Graichen demnach. Grund sei, dass es im Krisenfall keine „Abschaltreihenfolge“ gebe. „Im Falle einer Mangellage bei Gas oder Strom“ übernehme die Bundesnetzagentur die Funktion des Bundeslastverteilers. „Ihr obliegt dann in enger Abstimmung mit den Netzbetreibern die Verteilung von Gas oder Strom“, heißt es weiter in der Regierungsantwort. Graichen empfiehlt demnach, dass die Notstromaggregate eine Überbrückungszeit von 72 Stunden haben sollen.

Drohender Gas-Mangel in Deutschland: Netzagentur-Chef warnt vor ungleicher Versorgung

In Anbetracht dessen hat nun der Chef der Bundesnetzagentur erneut deutliche Worte im Hinblick auf eine ungleiche Versorgung mit Gas gewählt: „In dem Moment, in dem der Druck im Gasnetz in einer Region unter ein gewisses Mindestmaß fallen würde, würde auf einen Schlag in Hunderttausenden Gasthermen die Sicherung einspringen“, sagte Klaus Müller den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

„Die müsste händisch von geschulten Fachkräften wieder freigeschaltet werden, wenn wieder Gas in der Region verfügbar wäre.“ Ein solches Szenario könne niemand wollen, „weil es sehr lange dauern würde, die Gasversorgung wiederherzustellen. Also wird es immer das Ziel der Bundesnetzagentur sein, notfalls Reduzierungen beim industriellen Verbrauch anzuordnen, damit dieses Szenario nicht eintritt.“

Gas-Knappheit droht in Deutschland: Netz-Agenturchef wird deutlich - und gibt Spartipps

Erstmeldung von Samstag, 2. Juli: Bonn – Ist die Gas-Versorgung in Deutschland angesichts des Ukraine-Konflikts gesichert? Die Bundesnetzagentur fürchtet einen Totalausfall der russischen Gaslieferungen und ruft zu größeren Anstrengungen beim Energiesparen auf. Die Frage sei, ob aus der bevorstehenden regulären Wartung der Gaspipeline Nord Stream 1 „eine länger andauernde politische Wartung wird“, sagte Netzagentur-Chef Klaus Müller den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Wenn der Gasfluss aus Russland „politisch motiviert länger anhaltend abgesenkt wird, müssen wir ernsthafter über Einsparungen reden“. Doch was können Verbraucherinnen und Verbraucher tun? Der Chef der Bundesnetzagentur gibt Tipps:

Gas-Knappheit in Deutschland droht: Bundesnetzagentur-Chef wird deutlich

Die zwölf Wochen bis zum Beginn der Heizsaison müssten genutzt werden, um Vorbereitungen zu treffen, mahnte Müller. Er appellierte an alle Haus- und Wohnungsbesitzer, ihre Gasbrennwertkessel und Heizkörper rasch zu überprüfen und effizient einstellen zu lassen. „Eine Wartung kann den Gasverbrauch um zehn bis 15 Prozent senken“, sagte Behördenchef. „Das muss jetzt passieren und nicht erst im Herbst.“

Um Engpässe bei den Handwerkerterminen zu überwinden, rief Müller alle Handwerker dazu auf, sich auf Heizung und Warmwasserversorgung zu konzentrieren. Zugleich warnte Müller vor falschen Akzenten beim Energiesparen. „Die Krisensituation bezieht sich auf Gas – und nicht auf Strom“, sagte er. Deutschland stehe nicht vor einer Stromlücke. „Wir haben auch keine Mangellage bei Benzin und Öl. Das ist alles verfügbar. Ich werbe dafür, den Blick auf Gas zu fokussieren.“ Die Tipps des Netzagentur-Chefs im Überblick:

Gas in Deutschland droht knapp zu werden: Wen würde eine Rationierung treffen?

Gegenüber den Funke-Zeitungen führte Netzagentur-Chef Müller aus, wen mögliche Gas-Rationierungen treffen könnten. In einer Gasnotlage „können wir nicht jeden Betrieb als systemrelevant einstufen“, sagte er. „In kritischen Bereichen wie Teilen der Lebensmittel- und Pharmabranche müssen wir sehr vorsichtig sein. Dagegen wären Produkte und Angebote, die in den Freizeit- und Wohlfühlbereich fallen, eher nachrangig. Schwimmbäder gehören wohl nicht zum kritischen Bereich, genauso wie die Produktion von Schokoladenkeksen.“

Müller betonte zugleich, die Netzagentur sehe „kein Szenario, in dem gar kein Gas mehr nach Deutschland kommt“. Deutschland könne unter anderem aus Norwegen und aus den Niederlanden versorgt werden.

Gas-Spartipps für Küche, Bad und den Rest der Wohnung: Ein Überblick, wo Sie ansetzen können.

Notfallplan Gas in Deutschland: Gaspreise sind explodiert

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte am 23. Juni die zweite Krisenstufe im Notfallplan Gas, die sogenannte Alarmstufe, ausgerufen. Das ist die zweite Stufe des dreistufigen Notfallplans. Russland hat die Gas-Lieferungen für Deutschland in der Menge stark eingeschränkt – die Preise am Gas-Markt explodierten.

Notfallplan Gas: Drastische Preisanstiege – Verbraucherzentrale Bundesverband warnt

Inzwischen warnte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) davor, die drastischen Preisanstiege bei Gas unmittelbar an die Verbraucher weiterzugeben, und forderte Gesetzesänderungen. „Die Preissteigerungen sind für viele Menschen kaum noch zu schultern“, sagte der Leiter des Teams Energie und Bauen beim vzbv, Thomas Engelke, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ vom Samstag.

Der Paragraf 24 des Energiesicherheitsgesetzes müsse dringend von der Bundesregierung überarbeitet werden. „Denn ohne Änderungen könnten die Energieanbieter bei Ausrufung der Gasmangellage durch die Bundesnetzagentur die teuren Börsengaspreise 1:1 an die privaten Haushalte durchreichen. Der extrem hohe Gaspreis überfordert Millionen Haushalte“, warnt der Bundesverband. (slo/dpa)

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