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Fahrgastverband schlägt wegen „versteckter“ Preiserhöhung bei Deutscher Bahn Alarm

Verstecke Preiserhöhung bei der Deutschen Bahn? Ein Fahrgastverband hat die Flexpreise bei der DB untersucht. (Archivbild)
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Verstecke Preiserhöhung bei der Deutschen Bahn? Ein Fahrgastverband hat die Flexpreise bei der DB untersucht. (Archivbild)

Der Flexpreis bei der Deutschen Bahn ändert sich täglich. Viele Faktoren spielen bei der Bildung des Ticketpreises eine Rolle.

Frankfurt – Ganze drei Jahre ist es inzwischen her, dass die Deutsche Bahn den täglich gleichbleibenden Normalpreis durch den „differenzierten Flexpreis“ ersetzt hat. Doch was hatte es mit dieser Veränderung überhaupt auf sich? Hatte die Änderung Auswirkungen auf die Kunden und hat die Bahn damit heimlich für eine Steigerung des Preisniveaus gesorgt? Mit diesen Fragen hat sich der Fahrgastverband Pro Bahn gemeinsam mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) beschäftigt und die Flexpreise der Deutschen Bahn im Zeitraum von November 2020 bis Juni 2021 analysiert. Das Ergebnis dürfte vor allem Stammkunden und Wochenendpendlern nicht gefallen.

Änderungen bei der der Deutschen Bahn gibt es häufig. Nicht alle sind so einschneidend, wie die Einführung des differenzierten Flexpreises. Doch was hatte es damit überhaupt auf sich? Auf ihrer Homepage gibt die DB Auskunft: „Die Reisendenzahlen im Fernverkehr steigen stetig an. Aus diesem Grund ist es notwendig, die Lenkung der Nachfrage zu verstärken und so für unsere Kunden eine komfortable Reise sicherzustellen. Um diese Nachfragelenkung zu optimieren, wurde die preisliche Differenzierung im Flexpreis eingeführt“, erklärt die Bahn. Bedeutet: Der Preis im Fernverkehr der Bahn kann je nach Nachfrage mehr oder weniger stark variieren. „Schwach ausgelastete Tage werden günstiger, stark ausgelastete Tage werden teurer“, so die DB.

Stille Preiserhöhung bei der Deutschen Bahn (DB): Preise variieren je nach Wochentag stark

Wie der Fahrgastverband Pro Bahn und der Verbraucherzentrale Bundesverband bei ihrer Preisanalyse herausgefunden haben, variiert der Flexpreis bei der Deutschen Bahn inzwischen je nach Wochentag stufenweise zwischen minus 14 Prozent und plus 17 Prozent im Vergleich zum Normalpreis. Vor allem freitags und sonntags sind die Ticketpreise bei der DB in der Regel teurer. „Damit werden insbesondere Fern- und Wochenendpendler zur Kasse gebeten“, heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung des Fahrgastverbands Pro Bahn. Günstigere Tickets gibt es dagegen überwiegend samstags.

Eine Fahrt mit dem ICE vom Hauptbahnhof Frankfurt* zum Kölner Hauptbahnhof kostet beispielsweise je nach Tageszeit an einem Frei- oder Sonntag etwa zehn Euro mehr, als zur gleichen Zeit an einem Samstag. Bei längeren Strecken, wie zum Beispiel bei einer ICE-Fahrt von Frankfurt* nach München, kann der Unterschied sogar noch größer sein.

Jahr Normalpreis der DB für eine einfache Fahrt über 101 Kilometer
201521,10 Euro
201621,50 Euro
201723,20 Euro
201823,80 Euro
201924,80 Euro
Quelle: pro-bahn.de

Deutsche Bahn (DB): Fahrgastverband fordert Transparenz

Der Verband fordert daher mehr Transparenz im Hinblick auf die Preisbildung bei der Deutschen Bahn. Denn sowohl die Stufen des Flexpreises als auch die jeweiligen Wochentage, an denen die Preise über oder unter dem Normalpreis liegen seien nur „mit erheblichem Aufwand“ herauszufinden. Kunden erfahren also nicht direkt, an welchen Tagen sie beim Bahnfahren Geld sparen beziehungsweise mehr Geld in die Hand nehmen müssen. Das gilt im Übrigen nicht für die Sparpreise bei der DB. Mit einem Sparpreis-Finder können Fahrgäste direkt nach den günstigsten Spartarifen Ausschau halten. „Fahrgäste wünschen sich eine transparente Preisinformation für die Verkehrsmittelwahl“, so Jörg Bruchertseifer, Tarifexperte des Fahrgastverbands Pro Bahn. „Versteckte und unerwartete Preissprünge verärgern die Fahrgäste unnötig.“

Durch die unübersichtlichen Informationen zu den Preisen und den tagesabhängigen Abweichungen vom Normalpreis könne laut Marion Jungbluth, Leiterin des Teams Mobilität und Reisen beim Verbraucherzentrale Bundesverband von einer „stillen Preiserhöhung“ gesprochen werden. „Die von der Deutschen Bahn immer wieder betonte Steuerungswirkung des ‚differenzierten Flexpreises‘ kann so gar nicht entfaltet werden. Mehrkosten an den Freitagen und Sonntagen seien fast immer höher als die Entlastungen an den Samstagen“, erklärt sie. (Yannick Wenig) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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