Über 100 Jahre altes Haus

Aldi schließt diese besondere Filiale - für den Grund gibt es Kritik

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So sieht das Essener Stammhaus von Aldi heute aus.

Ein historischer Standort von Aldi in Essen soll dichtmachen. Die Unternehmerfamilie hängt emotional an dem Haus - doch das Management hat andere Pläne.

Essen - Aldi hat hierzulande große Marktmacht, gehört zu den erfolgreichsten Discountern mit unzähligen Standorten. Dort, wo vor etwa 100 Jahren alles begann, steht bis heute die älteste Aldi-Filiale der Welt. Doch das Essener Stammhaus des Konzerns soll nun geschlossen werden - und das hat einen bestimmten Grund.

Aldi in Essen: Stammhaus mit 100-jähriger Geschichte

Die Unternehmerfamilie Albrecht startete im Jahr 1913 mit einem Backwarenhandel im Essener Stadtteil Schonnebeck. Im Jahr 1919 - also genau vor 100 Jahren - eröffnete die Gründerfamilie ein Haus weiter das „Kaufhaus für Lebensmittel Karl Albrecht“. In der Huetstraße 87 stand die älteste Filiale des Konzerns bis heute, war „über 30 Jahre der Dreh- und Angelpunkt des Firmengeschehens“, wie es in der Firmengeschichte von Aldi Nord heißt. Doch das Geschäft mit der Ladennummer 1 wird nun geschlossen.

Aldi zieht aus Essener Stammhaus aus.

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Älteste Aldi-Filiale in Essen wird es bald nicht mehr geben

Der Grund: Für das wachsende Sortiment des Lebensmittelhändlers ist das 1909 errichtete Haus nun endgültig zu klein. Lange haben Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht an dem Haus, in dem sie geboren wurden, festgehalten. 

Doch das heutige Management hat laut Handelsanalyst Matthias Queck weit mehr Freiheiten. „Das ist schon eine Abnabelung von den manchmal übermächtigen Übervätern des Discounts, Karl und Theo Albrecht.“ In manchen Punkten sei es eine „konzeptionelle Befreiung“, erklärt der Analyst. 

Das ehemalige Aldi-Stammhaus soll zukünftig anderweitig genutzt werden, das Essener Unternehmen befindet sich bereits im Gespräch mit Interessenten. Die Gründerfamilie habe sich hingegen dafür ausgesprochen, die alte Filiale in der Unternehmensgruppe zu behalten. 

So sieht das Essener Stammhaus von Aldi heute aus.

Essen - Neubau von Aldi soll in der Nähe entstehen

Auf die Schließung folgt selbstverständlich auch ein Neubau ganz in der Nähe der Huestraße. Eine mehr als doppelt so große Filiale soll entstehen, die Aldi-Kunden Ende 2020 eine rund 1300 Quadratmeter große Fläche zum Einkaufen bieten soll. 

Das Ausweiten des Sortiments ist für einen Discounter allerdings immer auch mit Kostenrisiken verbunden. Der Trend geht aber auch im Billigsegment zu immer mehr Ware und größeren Verkaufsflächen, berichtet das EHI Retail Institute. Laut den Daten des wissenschaftlichen Instituts ist bei Aldi Nord die durchschnittliche Verkaufsfläche pro Filiale allein von 2010 bis 2018 um 10 Prozent auf 848 Quadratmeter geklettert.

Kritik an Aldi-Management für Kursänderung

Diese Vergrößerung stößt allerdings auch auf Kritik. Der Discount-Experte und frühere Aldi-Manager Dieter Brandes stellt gravierende Veränderungen fest: „Aldi ist nicht mehr der, der er war. Auch nicht in den Ergebnissen.“ Früher gab es strikte Mengenbegrenzungen im Sortiment, die Gründer verfolgten ein puristisches Konzept. Heute gibt es ein Vielfaches an Ware - und das kostet auch Geld. „Aldi ist jetzt ein halber Rewe“, erklärt der Branchenkenner. Nur die Frischetheke würde im Vergleich zum herkömmlichen Supermarkt noch fehlen.

Auch in anderen Ländern ist Aldi heute aktiv und hat ein großes Filialnetz. Zu den Standorten außerhalb Deutschlands gehört zum Beispiel Österreich - doch dort tragen Aldis den Namen Hofer. Immer wieder zieht der Discounter Kritik für Änderungen auf sich. Die Geschäftsstrategie beruht vor allem auf Schnelligkeit, um Personalkosten zu sparen. Davon können auch Aldi-Kunden profitieren

Profitieren wird Aldi hingegen wohl weniger von einer Aktion des Konkurrenten Lidl. Der hat einen besonders originellen Werbespot produzieren lassen, der im Stile eines Netflix-Trailers daherkommt. Darin wird mit Spitzen gegen Aldi, Edeka und Co. nicht gespart.

dpa

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