"Tiger, wir lieben Dich!"

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Tiger Woods wurde begeistert empfangen

Augusta - Die meisten Fans haben Tiger Woods schon vor seinem ersten Abschlag in Augusta an diesem Donnerstag verziehen, und sichtlich gerührt hat er sein sportliches Ziel beim 76. Golf-Masters klar formuliert.

“Nichts hat sich geändert. Ich will hier gewinnen“, tönte der 34 Jahre alte US- Amerikaner vor seinem 15. Auftritt auf dem Par 72-Kurs im Azaleenmeer von Georgia. Die deutschen Profis Martin Kaymer und der zweimalige Masterssieger Bernhard Langer (“Wir wollen den Cut schaffen, dann sehen wir weiter“) zählen mehr oder weniger nur zur Entourage des immer noch Weltranglisten-Ersten.

“Tiger, wir lieben Dich“, “Schön, dass Du wieder da bist“, “Du bist immer noch der Größte“ - überall entlang der Fairways im exklusivsten Club der Welt wurde Woods in Großbuchstaben gefeiert. Die Fangefühle nach dem tiefen Fall des Superstars simd überraschend warm und freundlich. Kein Zweifel: Der Tiger ist zurück in seinem “Wohnzimmer“ an der legendären Magnolia Lane. Nach selbstgewählter fünfmonatiger Abstinenz setzt der Brachenprimus zum Sprung auf seinen fünften Masters-Titel an. Am 15. November 2009 war er bisher das letzte Mal seiner Profession nachgegangen und dabei Turniersieger in Australien geworden.

Auch ohne Wettkampfpraxis hat Woods nach seiner Sexsucht-Therapie der Konkurrenz wieder den Kampf angesagt. “Warum, glaubt ihr, ist er hier? Bestimmt nicht für seine Gesundheit und oder irgendetwas anderes. Er macht einen großen Schritt, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen“, beschreibt sein größter Widersacher, der 70 Jahre alte Jack Nicklaus, die wahren Motive des wohl besten Golfspielers der Geschichte. Woods (14 Majors) will den Grand Slam-Rekord des “Golden Bear“ (18) Nicklaus unbedingt knacken.

Beichte, Sühne und Bekenntnisse des über 45 Tage therapierten Ehesünders Woods waren gestern. Golf, Glanz und Glamour stehen wie von selbst schon wieder ganz ober auf der Prioritätenliste, wenn der Quotenbringer an diesem Donnerstag um 19.42 Uhr MEZ (live bei Sky) mit dem Südkoreaner K.J. Choi und seinem US-Landsmann Matt Kuchar im vorletzten Flight am Tee Nummer 1 steht. Das Medienaufkommen wird mit dem Hype beim Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama verglichen. Die Zahl der Journalisten ist auf rund 500 limitiert, Handybenutzung oder ein Rennen über den Platz sind strikt verboten und führen zum Platzverweis - manchmal für immer.

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“Ich habe mich schon lange nicht mehr so auf den ersten Abschlag gefreut. Aber es geht nicht darum, Titel zu gewinnen. Es geht darum, wie man sein Leben lebt. In Zukunft muss ich ein besserer Mensch werden“, teilte Woods der Welt mit. Die Konkurrenz drückt der Werbeikone und dem erstem Sportmilliardär die Daumen. Allein seine Rückkehr lässt die TV Einschaltquoten um bis zu 60 Prozent in die Höhe schnellen. Auch Turnierdotierungen werden entsprechend erhöht.

Es liegt am Weltranglisten-Neunten Kaymer und dem 52 Jahre alten Altmeister Langer selbst, ob sich der TV-Fokus auch auf die beiden einzigen Deutschen unter den 96 Startern richtet. Wer vorne mitspielt, rückt ins Rampenlicht. “Ich habe bisher zweimal den Cut verpasst. Nach meinen letzten Top-Platzierungen in den USA habe ich gemerkt, dass ich hier durchaus mithalten kann“, sagte Kaymer. Der 25-jährige steigt 33 Minuten nach Langer um 14.56 Uhr zu seinem dritten Versuch ein: “Mittelfristig will ich unter die Top-15. Mein großes Ziel in diesem Jahr aber ist der Ryder Cup.“

Langer hat durch seine Masters-Triumphe 1985 und 1993 lebenslanges Spielrecht in Augusta erworben und fühlt sich immer noch fit genug. Aber in den letzten beiden Jahren hat er den Cut verpasst und spürt, dass seine Qualitäten auf dem für den Präzisionsspieler aus Anhausen zu langen Platz nicht mehr zum Tragen kommen. “Ich gehöre nicht mehr zum Favoritenkreis. Meine Chancen sind relativ gering“, gab Langer zu, aber auf Woods freut er sich auch.

dpa

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