„Wo zur Hölle sollte ich hin?“

Wie sich Sebastian Vettel bei Ferrari selbst abgeschossen hat - eine Bilanz der Verfehlungen

Sebastian Vettel muss bei Ferrari gehen - wohl auch, weil sich der viermalige Weltmeister in der Formel 1 zuletzt so manchen Eklat leistete. Und die gesteckten Ziele der Scuderia stets verpasste. Eine Analyse.

  • Formel 1: Sebastian Vettel und Ferrari * gehen nach dieser Saison getrennte Wege.
  • Im Schatten von Michael Schumacher: Der viermalige Weltmeister bemühte sich bei der Scuderia im Wettkampf mit Mercedes (bislang) vergeblich um einen WM-Titel - und verpasste die meisten gesteckten Ziele.
  • Stattdessen leistete sich Vettel wiederholt Verfehlungen - auch gegenüber Konkurrenten und Teamkollegen. Eine Analyse.

München/Maranello - Es hätte alles ganz anders werden sollen. Diesmal. Endlich. Sebastian Vettel* hatte vor der Saison 2020 große Pläne mit Ferrari. Die Fahrer-WM sollte es sein, im sechsten Anlauf. Doch dann kam Corona. Und schließlich gab die Scuderia bekannt, dass der 32-jährige Deutsche ab 2021 nicht mehr bei den Italienern im Cockpit sitzt - sondern durch den Spanier Carlos Sainz ersetzt wird. 

„Es wird mein sechstes Jahr bei Ferrari, natürlich hoffe ich, dass dieses Jahr der Knoten platzt und dass wir von Anfang bis Ende vorne dabei sein können und am Ende auch ganz oben stehen. Das ist unser großes Ziel, darauf arbeiten wir hin“, hatte Vettel Anfang des Jahres bei Sport1 gesagt.

Sebastian Vettel bei Ferrari: Ein uneingelöstes Versprechen nach Michael Schumacher

Doch ob, wann und wie die Formel 1 wegen der Coronavirus-Pandemie* 2020 wirklich an den Start gehen kann, ist weiter völlig unklar. Dasselbe gilt für die Zukunft des viermaligen Weltmeisters Vettel. Bei Ferrari ist der 32-Jährige schon jetzt ein nicht eingelöstes Versprechen.

Spätestens in der Saison 2019 kam zu mangelnden sportlichen Erfolgen hinzu, dass der Heppenheimer im und neben dem Cockpit wiederholt negativ, weil dünnhäutig auffiel - eine Bilanz der Verfehlungen und verpassten Ziele:

  • Formel-1-Saison 2016: Nach dem passablen dritten Platz in der Premieren-Saison für Ferrari, soll diesmal die Weltmeisterschaft her. Nach einem ordentlichen Saisonstart reicht es in den letzten 13 Rennen aber gerade mal zu einem einzigen dritten Platz (!). Um Siege fährt Ferrari bei der Machtdemonstration von Mercedes* (19 von 21 Siege) nicht mit.

Sebastian Vettel bei Ferrari: Formel-1-Pilot lässt Frust freien Lauf

  • Formel-1-Saison 2016: Der sichtlich gefrustete Vettel lässt seinem Ärger freien Lauf. „Warum habt ihr Kimi nicht informiert, dass er mich vorbeilassen soll?“, motzt er sein Team in Österreich über den Boxenfunk an. Und in Monaco wettert er: „Jungs, das Auto wird immer schlechter.“ Es ist von Differenzen zwischen dem Piloten und seiner Werkstatt die Rede.
  • Formel 1 2015 bis 2018: Ferrari träumt vergeblich vom ersten WM-Titel seit 2007 (Kimi Räikkönen). Vettel hat bis zum Ende der Saison in vier Jahren insgesamt 13 Siege eingefahren. Zum Vergleich: Michael Schumacher* schaffte das bei seinem letzten WM-Titel für die Scuderia 2004 in nur einer Saison. Ferrari bekommt immer wiederkehrende technische Defekte nicht in den Griff - und offenbar auch nicht den Unmut seines deutschen Piloten.
  • Formel-1-Saison 2019 - der Eklat von Kanada: Auch dieses Jahr ist für die ruhmreiche Scuderia ein Desaster. Nach einem zweiten Platz in Monaco und Pole Position hofft Ferrari in Montreal auf den ersten Sieg - doch Vettel verpasst diesen wegen einer Fünf-Sekunden-Zeitstrafe.
    In der 48. Runde hatte er den WM-Führenden Lewis Hamilton (Mercedes) wegen eines Fahrfehlers beinahe in die Bande gedrängt. Über den Boxenfunk schießt er gegen die Jury: „Sie stehlen uns das Rennen. Nein, nein, mir gefällt das nicht. Wo zur Hölle sollte ich denn hin? Das war nicht fair.“ Ein fairer Verlierer ist er hinterher nicht - Vettel vertauscht in der Boxengasse die Platzierungsschilder vor seinem Auto und dem Boliden Hamiltons.

Ferrari in der Formel 1: Sebastian Vettel schießt Charles Leclerc ab

  • Formel-1-Saison 2019 - der Zoff von Singapur:  Vettel klaut dem Anfang Zwanzigjährigen und viel jüngeren Teamkollegen Charles Leclerc den Sieg. Der Monegasse führte das Rennen 19 Runden lang souverän an, doch dann spült Ferrari Vettel mittels einer polarisierenden Boxenstrategie auf den ersten Platz - diesmal tobt Leclerc am Boxenfunk: „Was zur Hölle. Ich verstehe Sebastians Undercut nicht. Ich werde nichts Dummes anstellen. Ich will den Doppelsieg. Aber es ist einfach nicht fair.“
Bedient: Sebastian Vettel nach seinem Crash mit Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc beim Großen Preis von Brasilien 2019.
  • Formel-1-Saison 2019 - das Desaster von Brasilien: Im vorletzten Rennen folgt das endgültige Fiasko. Beide Ferrari sind aussichtsreich auf der Strecke unterwegs, doch dann schießt Vettel Leclerc ab und beide Boliden landen im Kies. Am Ende eines enttäuschenden Jahres steht nur ein einziger Sieg - der umstrittene in Singapur.

pm

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Rubriklistenbild: © dpa / Tom Boland

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