Experten fordern lebenslange Sperre

„Kann niemals die Werte unseres Unternehmens vertreten“: Fahrer verliert nach Moto2-Skandal zwei Jobs

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Romano Fenati (l.) greift seinem Gegner bei Tempo 217 in die Bremse.

Als wäre ein Motorrad-Rennen bei über 200 km/h nicht schon gefährlich genug: Romano Fenati bringt seinen Rivalen Stefano Manzi mit einer irren Aktion bewusst in Lebensgefahr. Experten fordern eine lebenslange Sperre. Nicht nur sein aktuelles Team greift hart durch.

Update 10.09., 17:45

Auch das zukünftige Team von Übeltäter Romano Fenati hat sich vom Fahrer distanziert. Der Wechsel von Romano Fenati zum Team Forward Racing , für das ausgerechnet Stefano Manzi fährt, war für 2019 eigentlich schon beschlossene Sache. Doch sowohl das Team als auch der italienische Hersteller MV Agusta, der im kommenden Jahr als Partner in die WM zurückkehrt, nahmen nun Abstand von der Verpflichtung.

"In all den Jahren, in denen ich Motorradsport verfolge, habe ich nie ein derart gefährliches Verhalten gesehen", sagte MV-Agusta-Präsident Giovanni Castiglioni: "Ein Fahrer, der sich so verhält, kann niemals die Werte unseres Unternehmens vertreten. Aus diesem Grund möchten wir nicht, dass er der Fahrer ist, mit dem wir in die Weltmeisterschaft zurückkehren."

Update 10.09., 15:56

Misano - Motorrad-Pilot Romano Fenati hat sich für sein skandalöses Verhalten beim Moto2-Rennen in Misano entschuldigt. „Ich entschuldige mich bei der gesamten Sportwelt. An diesem Morgen, mit meinem klaren Kopf, wünschte ich, es könnte nur ein böser Traum gewesen sein“, teilte Fenati auf seiner Homepage mit. „Es ist wahr, leider habe ich einen impulsiven Charakter, aber meine Absicht war sicherlich nicht, einem Mitpiloten Schaden zuzufügen.“

Update 10.09., 14:48

Das Motorrad-Team Marinelli Snipers hat sich nach dem Skandal im Moto2-Rennen in Misano von seinem Piloten Romano Fenati getrennt.

„Mit großem Bedauern müssen wir feststellen, dass seine unverantwortliche Tat das Leben eines anderen Fahrers gefährdet hat und auf keinen Fall entschuldigt werden kann. Der Fahrer wird ab sofort nicht mehr mit dem Marinelli-Snipers-Team an einem Rennen teilnehmen“, heißt es in der Mitteilung vom Montag. Team und Sponsoren entschuldigten sich bei allen WM-Fans.

Und auch der bevorstehende Wechsel 2019 zum Forward Racing Team, für das ausgerechnet Manzi fährt, könnte sich zerschlagen. Forward Racing wird ab der kommenden Saison mit dem italienischen Hersteller MV Agusta zusammenarbeiten, und dessen Präsident Giovanni Castiglioni reagierte mit deutlichen Worten auf Fenatis Aktion. "Das war das Schlimmste und Traurigste, was ich jemals bei einem Motorrad-Rennen gesehen habe", schrieb Castiglioni bei Instagram: "Wäre ich die Dorna (Rechteinhaber der Motorrad-WM, Anm. d. Red.), dann würde ich ihn ausschließen. Mit Blick auf seinen zukünftigen Vertrag als MV-Agusta-Fahrer: Ich werde alles tun, um das zu verhindern. Es wird nicht passieren, er repräsentiert nicht die Werte unseres Unternehmens."

News vom 10.09., 10:42

Riesen-Skandal in der Moto2 beim WM-Lauf der Motorrad-Serie im italienischen Misano. Der Italiener Romano Fenati brachte seinen Landsmann Stefano Manzi am Sonntag in Lebensgefahr, als er bei einem Duell auf der Gegengeraden in dessen Vorderradbremse griff. Das passierte bei einer Geschwindigkeit von über  200 Kilometern pro Stunde, laut Manzi waren es 217 km/h. Der Angegriffene verlor kurz die Balance, hielt sich aber auf seiner Maschine. Fenati wollte sich mit der Aktion offenbar für eine leichtere Kollision zuvor rächen.

Der Übeltäter wurde daraufhin mit der schwarzen Flagge aus dem Rennen geholt. Die Rennleitung stufte den Zwischenfall als „verantwortungslose Fahrweise“ ein.

Moto2: Fenati nach unglaublichem Vorfall für zwei Rennen gesperrt

Im Nachhinein wurde der Italiener vom Motorrad-Weltverband FIM für zwei Rennen (Aragon und Buriram) gesperrt. Im offiziellen Statement zur Sperre heißt es: "Die Piloten müssen in einer verantwortungsvollen Art und Weise fahren, die für die anderen Wettbewerber und Teilnehmer keine Gefahr darstellt, weder auf der Strecke, noch in der Boxengasse." Mit der Sperre ist Fenati allerdings noch gut bedient. Kurz nach dem Rennen waren Stimmen laut geworden, die eine deutlich härtere Bestrafung gefordert hatten. 

Der noch aktive britische MotoGP-Veteran Cal Crutchlow forderte gar eine lebenslange Sperre. "Ich denke, er sollte nie wieder ein Motorradrennen bestreiten", sagte der 32-Jährige: "Das kann man nicht machen mit einem anderen Motorrad-Racer. Wir riskieren so schon unser Leben. Es gab vorher Kontakt, aber den gibt es immer, das ist Rennsport. Aber wenn jemand an deine Bremse greift, hat er es verdient rausgeworfen zu werden."

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Fenati: Nicht der erste Skandal

Fenatis Verbleib im italienischen Marinelli-Snipers-Team ist ungewiss. Bereits vor zwei Jahren hatte der 22-Jährige für Schlagzeilen gesorgt, als er während des Rennens in Spielberg (Österreich) von Valentino Rossi aus dem Moto3-Team geworfen wurde. Insider berichteten damals, dass es innerhalb des Teams zu Handgreiflichkeiten gekommen sei.

SID/dpa

  

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