105. Frankeich-Rundfahrt

Deutsche Bescheidenheit bei der Tour - "Rundherum gelungen"

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Sorgte für den bis dato einzigen deutschen Etappensieg der Tour 2018: John Degenkolb. Foto: Yorick Jansens/BELGA

Die deutschen Radprofis üben sich bei der Tour 2018 in Bescheidenheit. Nach der Erfolgsserie der Vorjahre konnte nur Etappensieger Degenkolb ein "rundherum" zufriedenes Fazit ziehen.

Paris (dpa) - Die Tour d'Allemagne fiel diesmal aus. Abgesehen vom Gesamtklassement war die Frankreich-Rundfahrt in den vergangenen Jahren ziemlich fest in deutscher Hand: 31 Etappensiege gab es seit 2011. Der totalen Ernüchterung konnte bei der 105. Auflage nur John Degenkolb entgegenwirken.

Bei seiner sechsten Tour-Teilnahme gelang dem Radprofi aus Oberursel endlich der erste Etappenerfolg. Und was für einer: Im Staub der Buckelpiste in Nordfrankreich triumphierte er auf der 9. Etappe wie 2015 beim Frühjahrs-Klassiker Paris-Roubaix.

"Der Sieg in Roubaix spricht für sich selbst. Ich habe zwei schwere Jahre hinter mir. Die Tour ist für mich rundherum gelungen", lautete das Fazit von Degenkolb, dessen Karriere nach einem bösen Trainingssturz 2016 fast ein abruptes Ende gefunden hätte. Der 29-Jährige setzt die Saison bei der EM in Glasgow fort, muss danach aber auf die wiederlebte Deutschland-Tour (23. bis 26. August) verzichten. Er startet zu dieser Zeit in Kanada.

Neben der Lichtgestalt Degenkolb blieben die deutschen Profis, die in den Vorjahren Etappensiege wie am Fließband produzierten, unter den Erwartungen: Marcel Kittel, der 2017 fünfmal erfolgreich war, war außer Form und fiel in La Rosière dem Zeitlimit zum Opfer. André Greipel gab einen Tag später bei der nächsten Alpenetappe auf.

Tony Martin blieb vom Pech verfolgt: Der viermalige Zeitfahr- Weltmeister stürzte auf dem achten Tagesabschnitt, brach sich einen Rückenwirbel und musste die Tour ebenfalls vorzeitig verlassen. Hinter seiner WM-Teilnahme im September in Innsbruck steht weiter ein dickes Fragezeichen. "Wir haben Federn gelassen", urteilte der Berliner Sunweb-Profi Simon Geschke.

Das Tour-Fachorgan "L'Équipe", das Kittel 2017 "Le Kaiser" taufte, urteilte hart über den Kurzarbeiter: "Ein Schatten seiner selbst". Zu mehr als Rang drei in Fontenay-Le-Compte zum Auftakt hatte es diesmal nicht gereicht. Nach heftiger teaminterner Kritik war der Sonnyboy aus Arnstadt sehr verärgert. Trotz eines laufenden Millionenvertrags bis 2019 schien er Mutmaßungen über einen möglichen Wechsel mit der Mitteilung zerstreuen zu wollen: "Ich fahre zu 100 Prozent im nächsten Jahr weiter bei Katusha-Alpecin."

Den Bielefelder Sponsor, der Kittel schon einmal 2015 im Team Giant-Alpecin verloren hatte, wird es freuen. Trotzdem ist nach der misslungenen Tour in dem Schweizer Team, das mit Geldern aus Deutschland und Russland unterhalten wird, wohl ein Krisengipfel fällig. Kittels nächstes großes Ziel ist die Deutschland-Tour, die am 23. August in Koblenz beginnt.

Sechs von elf deutschen Startern überstanden die Tortur bis Paris, die meisten als treue Kapitäns-Helfer wie Paul Martens bei Lotto NL, Nils Politt bei Katusha oder Routinier Marcus Burghardt an der Seite des von einem Sturz gezeichneten Sprintkönigs Peter Sagan bei Bora-hansgrohe.

Kletterspezialist Geschke, wertvoller Helfer des niederländischen Tour-Zweiten Tom Dumoulin, war stolz auf seinen Kapitän und ein wenig auch auf sich. "Von der Stabilität über die drei Wochen gesehen bin ich noch nie eine bessere Tour gefahren", sagte der Berliner, der 2015 in Pra Loup eine Etappe gewann. Der 32-Jährige fuhr am Sonntag als bester Deutscher auf Rang 25 Richtung Paris.

Strecke Tour de France 2018

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