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Eishockey-Legende Christian Ehrhoff exklusiv: Das traut er dem DEB-Team bei Olympia zu

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Von: Marco Büsselmann

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Christian Ehrhoff ist bei Olympia in Peking als TV-Experte tätig.
Christian Ehrhoff ist bei Olympia in Peking als TV-Experte tätig. © Eurosport/Nadine Rupp

Eishockey-Legende Christian Ehrhoff ist bei Olympia in Peking als TV-Experte tätig. Wie er diese neue Rolle angeht und was er dem DEB-Team zutraut, verrät er im Interview:

Christian Ehrhoff zählt zu den erfolgreichsten deutschen Eishockey-Spielern. Der 39-Jährige hat in seiner Karriere so einiges erlebt. Nachdem er 2003 mit den Krefeld Pinguinen deutscher Meister geworden ist, verschlägt es den gebürtigen Rheinländer nach Nordamerika. Für San Jose, Vancouver, Buffalo, Pittsburgh, Los Angeles und Chicago hat Ehrhoff insgesamt 789 NHL-Spiele absolviert. Zu seinen absoluten Highlights zählt jedoch der sensationelle Silbermedaillen-Gewinn bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang mit der deutschen Nationalmannschaft.

NameChristian Ehrhoff
Alter39 Jahre
GeburtsortMoers
SpitznameIceman

„Die Momente sind mir noch sehr präsent. Ich denke oft und gerne an diese Reise zurück“, erklärt Ehrhoff gegenüber MANNHEIM24*. Obwohl der ehemalige Top-Verteidiger bereits seit vier Jahren seine Karriere beendet hat, ist er auch bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking* mit dabei. Für Eurosport wird der viermalige Olympia-Teilnehmer das Eishockey-Turnier* als TV-Experte begleiten. Wie Ehrhoff diese neue Rolle angeht, was er dem deutschen Team* zutraut und welcher Olympia-Moment bei ihm für absolute Gänsehaut gesorgt hat, verrät er im Exklusiv-Interview mit MANNHEIM24*.

Christian Ehrhoff exklusiv: Über das DEB-Team, Olympia unter Corona-Bedingungen und seine Rolle als TV-Experte

MANNHEIM24: Herr Ehrhoff, welche Erwartungen haben Sie an diese besonderen Winterspiele? Ist ihre Vorfreude durch Corona etwas gedämpft?

Ehrhoff: „Nein, die Umstände dämpfen meine Vorfreude nicht. Die Athleten sind in Top-Form, haben vier Jahre darauf hingearbeitet und werden ein Sportfest abliefern. Wir werden wieder genauso viele tolle Momente erleben, wie bei den vergangenen Spielen. Die Sportler tun mir jedoch ein wenig leid, weil sie nicht das erleben, was Olympia eigentlich immer ausgemacht hat, nämlich die anderen Athleten kennenzulernen oder gemeinsam zu essen. Das wird jetzt alles in eingeschränkter Form ablaufen. Die Wettkämpfe finden aber ganz normal statt, da können wir uns drauf freuen.“

MA24: Bei der Handball-EM gab es zuletzt zahlreiche Fälle, allein 18 Infizierte im deutschen Team. Wie groß ist Ihre Sorge, dass dies nun auch beim Eishockey-Turnier passieren kann und befürchten Sie dadurch auch eine Art Wettbewerbsverzerrung?

Ehrhoff: „Die Sorge ist natürlich vorhanden und sicherlich auch berechtigt, gerade im Mannschaftssport ist das natürlich schwierig. Allerdings glaube ich, dass die ,Bubble‘ bei Olympia besser funktioniert, das ist auch meine Hoffnung. Falls doch Fälle auftreten sollten, wird es die Bedingungen für die einzelnen Teams natürlich erschweren und man muss schauen, wie man dann damit umgeht.“

Christian Ehrhoff im Interview: Das traut er dem DEB-Team bei den Olympischen Spielen in Peking zu

MA24: Letztes Jahr hat Deutschland einen guten vierten Platz bei der WM belegt. Was trauen Sie dem DEB-Team nun zu?

Ehrhoff: „Ich denke, wir sollten keine Medaille erwarten. Jedoch ist es durchaus wieder möglich, für eine Überraschung zu sorgen. Man hat in den letzten Jahren gute Ergebnisse international erzielt und sich weiterentwickelt. Unser großer Vorteil ist, dass wir eine eingespielte Mannschaft haben, die das System verinnerlicht hat und eine gewisse Erfahrung mitbringt. Man wird auf jeden Fall nicht unterschätzt.“

Eishockey: Das DEB-Team will bei Olympia in Peking für eine Überraschung sorgen.
Das DEB-Team will bei Olympia in Peking für eine Überraschung sorgen. © Marius Becker/dpa

Eishockey-Turnier bei Olympia in Peking: Das sind die Top-Favoriten von Christian Ehrhoff

MA24: Wer sind die Top-Favoriten aus ihrer Sicht? 

Ehrhoff: „Russland und Finnland sind für mich favorisiert, aber auch Schweden, die USA und Kanada sind Top-Anwärter. Eine Überraschung würde ich neben Deutschland auch der Schweiz zutrauen.“

MA24: Die NHL-Spieler dürfen erneut nicht an Olympia teilnehmen. Wer sind für Sie die Stars des Turniers?

Ehrhoff: „Wir haben viele Spieler im Turnier, die international erfahren sind und lange in der NHL gespielt haben. Ein absoluter Top-Star ist Eric Staal vom Team Kanada, aber auch im deutschen Team gibt es tolle Jungs, die das Zeug haben, beim Turnier groß aufzuspielen. Marcel Noebels ist mittlerweile einer der Top-Spieler in der DEL. Dominik Kahun müsste von seinen Skills her eigentlich in der NHL spielen und macht in der Schweiz einen tollen Job.“

Christian Ehrhoff (re.) mit Daryl Boyle nach dem Silbermedaillen-Gewinn in Pyeongchang.
Christian Ehrhoff (re.) mit Daryl Boyle nach dem Silbermedaillen-Gewinn in Pyeongchang. © Michael Kappeler/dpa

MA24: Sie haben vier Mal an Olympia teilgenommen. Was ist für Sie das Besondere an den Olympischen Spielen, im Vergleich zu einer Weltmeisterschaft? 

Ehrhoff: „Ganz klar das ganze Erlebnis. Man kann andere Wettkämpfe besuchen und lernt Sportler aus aller Welt beim gemeinsamen Essen in der Mensa kennen. Mir tut es nur leid, dass die Athleten diese Erfahrung nun nicht machen können.“

Christian Ehrhoff blickt auf den Silbermedaillen-Gewinn 2018 in Pyeongchang zurück

MA24: Wie präsent sind Ihnen noch jetzt die Erinnerungen an den Silbermedaillen-Gewinn 2018? Was hat die Mannschaft von damals ausgezeichnet? 

Ehrhoff: „Die Momente sind mir noch sehr präsent. Ich denke oft und gerne an diese Reise zurück. Der emotional schönste Moment war für mich der Halbfinal-Sieg gegen Kanada, als klar war, dass wir uns wirklich eine Medaille gesichert haben. Uns hat vor allem der Teamgeist und der Glaube, dass man was erreichen kann, ausgezeichnet. Jeder einzelne Spieler hat seine Rolle perfekt ausgeführt. Als Beispiel nenne ich Dennis Endras, der dritter Torwart im Turnier war, keine Rolle auf dem Eis gespielt hat aber durch seine positive Ausstrahlung unheimlich wichtig für die Mannschaft war.“

MA24: Haben Sie noch Kontakt zu den alten Teamkollegen?

Ehrhoff: „Wir haben noch immer unsere Whatsapp-Gruppe, die ist mittlerweile aber ziemlich ruhig. Zu einzelnen Spielern wie Marcel Noebels besteht noch Kontakt. Moritz Müller habe ich zuletzt auch öfter gesehen. Ansonsten tauscht man sich hier und da mal Nachrichten aus. Ich hoffe, dass man sich irgendwann nochmal mit der ganzen Mannschaft treffen kann.“

Christian Ehrhoff spricht über „Gänsehaut-Moment“ bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang

MA24: Sie haben bei der Abschlussfeier 2018 die deutsche Fahne getragen. In diesem Moment schaut die ganze Welt auf einen. Sind Sie nervös gewesen, eventuell zu stolpern?

Ehrhoff: (lacht) „Nein, solche Gedanken hat man da überhaupt nicht. Das war einfach nur ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Ich bin die ganze Zeit mit dem breitesten Grinsen im Gesicht rumgelaufen. Für mich war es die größte Ehre, die mir in meiner Sportlerkarriere zuteil geworden ist - ein absoluter Gänsehaut-Moment.“

Christian Ehrhoff trägt die deutsche Fahne bei der Olympia-Abschlussfeier.
Christian Ehrhoff trägt die deutsche Fahne bei der Olympia-Abschlussfeier. © Hendrik Schmidt/dpa

MA24: Wenn sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken: Inwiefern hat sich das Eishockey in Deutschland mit Blick auf die DEL und die Nationalmannschaft weiterentwickelt?

Ehrhoff: „Nach Olympia 2018 gab es ein kleines Fragezeichen. Marco Sturm hat seinen Bundestrainer-Posten aufgegeben, um nach Nordamerika zu gehen. Zudem sind viele erfahrene Spieler zurückgetreten und man wusste nicht so richtig, wie es nun weitergeht. Toni Söderholm (neuer Bundestrainer, Anm. d. Red.) hat aber einen super Job gemacht und das fortgeführt, was Marco Sturm aufgebaut hat. Zudem haben sich Talente wie Tim Stützle und Moritz Seider zu zwei Top-Spielern in der NHL entwickelt und es scheint so, dass immer mehr junge Spieler nachkommen, was für das deutsche Eishockey eine super Entwicklung ist. Zudem haben wir bei der WM im letzten Jahr auch international gute Ergebnisse erzielt. Das ist eine schöne Entwicklung, auf der wir weiter aufbauen können. Ich blicke der Zukunft im deutschen Eishockey positiv entgegen.“

Christian Ehrhoff ist bei den Olympischen Spielen in Peking als TV-Experte tätig.
Christian Ehrhoff ist bei den Olympischen Spielen in Peking als TV-Experte tätig. © Eurosport/Nadine Rupp

MA24: Sie haben kurz nach Olympia ihre Karriere beendet. Wie sehr vermissen Sie den Eishockey-Alltag?

Ehrhoff: „Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich ihn nicht vermisse. Ich blicke gerne auf meine Karriere zurück, insbesondere auf die lange Zeit in der NHL. Als Kind war das für mich immer ein Traum, dort zu spielen und dass ich diesen Traum letztendlich gelebt habe, macht mich rückblickend stolz. Es war einfach eine super Zeit. Ich muss aber auch sagen, dass ich zum richtigen Zeitpunkt aufgehört habe, weil ich einfach genug hatte. Deshalb bereue ich die Entscheidung auch nicht.“

Christian Ehrhoff verrät: So geht er seine neue Aufgabe als TV-Experte bei Eurosport an

MA24: Zum Abschluss: Sie begleiten Olympia nun in einer neuen Rolle als TV-Experte. Wie gehen Sie diese an?

Ehrhoff: „Für mich ist das eine komplett neue Aufgabe, auf die ich mich sehr freue. Ich möchte den Zuschauern bei Eurosport natürlich die Freude am Eishockey mitgeben, weil es einfach eine tolle Sportart ist. Zudem will ich meine Erfahrung und mein Hintergrundwissen in die Rolle mit einbringen.“

IPPEN.MEDIA berichtet umfassend von den Olympischen Spielen 2022. Zudem gibt es auf den Seiten des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes Liveticker, Interviews, Hintergrundberichte und Ergebnisse von Olympia 2022 in Peking. (mab) *MANNHEIM24 und Rosenheim24 sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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