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Viele Hotelzimmer storniert - Biathlon-Weltcup in Ruhpolding wieder ohne Zuschauer?

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Von: Roland Kroiss

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18. Januar 2020: Die Fans in der Chiemgau-Arena feuern die Herren-Staffeln an. 2022 sollen die Zuschauer nach Ruhpolding zurückkehren.
18. Januar 2020: Die Fans in der Chiemgau-Arena feuern die Herren-Staffeln an. Das war kurz vor Beginn der Corona-Pandemie © Sven Hoppe/dpa

Die Warnungen vor der neuen Covid-Variante „Omikron“ und der offenbar erhöhten Ansteckungsgefahr hat das Hotel- und Gaststättengewerbe in eine neue Flaute getrieben. Deren Verband DEHOGA fordert daher zu staatlichen Hilfen auf. Unterdessen berichtet Chiemgau Tourismus von guter Auslastung im Hotelbereich in der Wintersaison. Nur der Wirrwarr um den Biathlon-Weltcup in Ruhpolding wirft einen Schatten auf die Branche. Eine Analyse von chiemgau24.de.

Ruhpolding - Bis Weihnachten 2021 hatte man Hoffnungen, dass der traditionsreiche Biathlon-Weltcup in Ruhpolding mit Zuschauern stattfinden kann. „Die drohende Absage hat allein bei einem Hotel in Grassau 500 Übernachtungen weniger als geplant verursacht“, so Claudia Kreier von Chiemgau Tourismus. Dennoch sei die „Auslastung in der Beherbergung in der Region um Reit im Winkl, Inzell und Grassau zufriedenstellend. Die Belegung von Hotels und Pensionen bzw. von Ferienwohnungen ist derzeit vergleichbar mit früheren Jahren, in manchen Gemeinden sehr gut.“

Claudia Kreier weiter: „Die neue Covid-Variante Omikron hat auf Stornierungen fast keinen Einfluss genommen.“ Die Storno-Problematik sieht sie eher „im Rückblick auf die Weihnachts- und Silvester-Veranstaltungen in der Gastronomie“. Denn in Hotels gab es über Silvester viele kurzfristige Buchungen.

Das bestätigt die Sichtweise der DEHOGA - dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, Sektion Bayern. „Allein die Diskussion über Omikron hat über Silvester eine extreme Storno-Welle verursacht, zugleich fehlen der Branche Planungssicherheit und Perspektiven für das neue Jahr“, so Bayerns DEHOGA-Präsidentin Angela Inselkammer in einer Pressemitteilung vom 1. Januar. Die Buchungslage sehe aktuell „für das gesamte erste Quartal sehr schlecht aus“.

Viele Stornierungen an Weihnachten und Silvester

Die Befragung von über 1.000 Mitgliedsbetrieben ergab - laut DEHOGA Bayern - dass es zum  Jahreswechsel in 91 Prozent aller befragten Betriebe Corona-bedingte Stornierungen gab. Hierbei wurden in diesen Betrieben nahezu zwei Drittel aller reservierten Silvesteressen und Zusammenkünfte, konkret 62 Prozent, wieder abgesagt.

Ähnlich hoch fallen die Zahlen offenbar im Beherbergungsbereich aus: Hier gaben über 92 Prozent aller Hoteliers an, dass es zu Absagen von Übernachtungen im Betrieb gekommen sei, dabei wurden insgesamt 59 Prozent aller geplanten  Übernachtungen storniert.

DEHOGA Bayern-Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert sieht die Politik in der Pflicht: „Wenn rund ein Drittel der Betriebe ihre Lage als ´mehr denn je existenzbedrohend´ ansehen, ist dies ein deutlicher Hilferuf, bei den Wirtschaftshilfen nicht nachzulassen.“ Finanzielle Hilfen sollen nicht gekürzt, das Kurzarbeitergeld verlängert werden.

Wenige Tage vor dem Start keine Klarheit beim Biathlon-Weltcup 2022 in Ruhpolding

Ob der Biathlon Weltcup in Ruhpolding vom 12. bis 16. Januar 2022 mit Zuschauern, ohne Zuschauer, mit weniger Zuschauern bzw. mit Abstand und 2G(-Plus) ausgetragen wird, ist wenige Tage vor dem Start noch völlig unklar. Die Entscheidung der obersten bayerischen Behörden bezüglich Covid und Großveranstaltungen steht immer noch aus, was chiemgau24.de auf Nachfrage erfuhr.

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Biathlon in Ruhpolding: Alle Termine und Ergebnisse zum Weltcup 2022

Dieser Schwebezustand belastet alle Beteiligten. Doch der sportliche Wettbewerb in der Chiemgau Arena soll auf jeden Fall stattfinden. In normalen Jahren ohne Pandemie werden dort beinahe 80.000 Zuschauer an fünf Wettkampftagen erwartet. Für Hotels und Gaststätten ist das ein enormes Potenzial. Doch nach den Wettkämpfen ohne Zuschauer im Januar 2021 und vor dem Hintergrund der fehlenden Planbarkeit 2022 sind potenzielle Sport-Touristen zurückhaltend.

Busunternehmen fährt nur noch Linie - Stellen von Fahrern auf der Kippe

Alfred Fuschlberger vom gleichnamigen Busunternehmen in Ruhpolding will „unter der Hand“ gehört haben, „dass beim Biathlon wahrscheinlich keine Zuschauer dabei sein werden“. Seine Firma fährt normalerweise viele Schulklassen und Gruppen von Skifahrern. Auch ein Flughafen-Transfer nach München und Salzburg ist im Programm. „Doch das ist alles momentan gestrichen, wir fahren nur noch Linie“, so Fuschlberger.

Reihenweise würden Buchungen erst angefragt, dann abgesagt. Für den Tourismus in der Region Berchtesgadener Land sieht es für ihn „momentan nicht gut aus“. Das Dorf sei „leer wie man es sonst nicht kennt“. In 40 Jahren am Markt hat er mit seinem Busunternehmen „so eine Situation noch nie erlebt“. Er verkaufe einzelne Busse, wenn diese nicht eingesetzt werden können - und müsse „sogar Stellen von Fahrern streichen, wenn ich sie nicht beschäftigen kann“.

Wechselnde Vorschriften wie Gift für Tourismus

Die Vorschriften für das Mitfahren im Bus seien - ähnlich wie bei Gaststätten und Beherbergung - „total unübersichtlich“ und „sie ändern sich täglich bis wöchentlich“. Für Unternehmen wie Touristen sei das ein unerträglicher Zustand. „Mein Eindruck ist auch, dass viele Eltern ihre Kinder gar nicht mehr gerne mit dem Bus mitfahren lassen wollen“, so Fuschlberger. Maskenpflicht und Abstandsgebot seien „schwierig umzusetzen und beeinträchtigen das Wohlbefinden der Gäste.“

Quelle: chiemgau24.de

*chiemgau24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

-rok-

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