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Yves Kunkel von der MT Melsungen im Interview: „Es war für uns eine super Zeit“

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Von: Björn Mahr, Manuel Kopp

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Er verlässt die MT im Sommer: Nach vier Jahren in Nordhessen wechselt Yves Kunkel, der heute 28 Jahre alt wird, im Sommer in seine Heimat zum TV Homburg.
Er verlässt die MT im Sommer: Nach vier Jahren in Nordhessen wechselt Yves Kunkel, der heute 28 Jahre alt wird, im Sommer in seine Heimat zum TV Homburg. © Andreas Fischer

Für Yves Kunkel stehen noch fünf Partien im Trikot der MT Melsungen bevor. Im Sommer verlässt der Linksaußen, der heute seinen 28. Geburtstag feiert, den Handball-Bundesligisten und geht zurück in seine Heimat Saarland zum TV Homburg. Vor dem Auswärtsspiel am Sonntag (13 Uhr) beim Spitzenreiter SC Magdeburg haben wir mit Kunkel über seine Zeit bei der MT und seine Zukunft gesprochen.

Was wünschen Sie sich denn zum Geburtstag?

(lacht) Gute Frage, das wurde ich jetzt schon öfter von meiner Familie gefragt. Ich wünsche mir Gesundheit und dass wir uns nach dem Umzug im Sommer wohlfühlen. Außerdem wünsche ich mir, dass ich mit meinem neuen Verein TV Homburg die gesteckten Ziele erreiche und ich dort etwas bewirken kann. Ich hoffe natürlich auch auf einen schönen Abschluss mit der MT.

Inwiefern ist der Wechsel im Sommer für Sie eine Abkehr vom Profisport?

Ich habe schon mit vielen darüber gesprochen, und viele haben gesagt: Vielleicht muss man erst mal einen Schritt zurückmachen, bevor man zwei oder drei nach vorn gehen kann. So ähnlich sehe ich das auch. Der TV Homburg mit dem Sponsor Dr. Theiss will noch viel erreichen mit der Handballabteilung. Ich habe jetzt den ersten Schritt gemacht, ein paar Spieler müssen natürlich noch dazu kommen, und dann bin ich mal gespannt, wo die Reise hingeht.

Es wäre also eine Wunschvorstellung, mit dem TV Homburg in den Profibereich hochzukommen?

Auf jeden Fall. Erst einmal muss der Schritt in die 3. Liga funktionieren, derzeit steht der Verein in der Oberliga auf Platz zwei. Dann muss man mal sehen, wie es weitergeht. Ich bin sehr gespannt auf das Projekt und freue mich darauf.

Die MT ist Ihre vierte Profistation. Wie fällt die Bilanz nach vier Jahren in Nordhessen aus?

Es war für uns hier eine super Zeit. Wir haben viele Freunde gefunden. Mit der MT haben wir im zweiten Jahr den fünften Platz erreicht und dann international gespielt, auch wenn wir da recht früh ausgeschieden sind. Aber die Erfahrungen, die ich dort gemacht habe, waren sehr schön. Mit ein bisschen mehr Glück hätten wir letztes Jahr den DHB-Pokal gewonnen. Daher schaue ich auf eine positive Zeit zurück. Natürlich hätte ich mir aber auch gewünscht, dass ich meine Leistungen noch konstanter gezeigt hätte. Das hatte allerdings auch viel mit Gudmi (früherer Trainer Gudmundur Gudmundsson, Anm. der Red.) zu tun, der einige Spieler nicht gefördert hat.

Welche Höhepunkte gab es?

Ein Höhepunkt war das Spiel im Europapokal bei Benfica Lissabon. Das war eine coole Erfahrung, dort hinzufliegen und zu spielen. Ein schönes Erlebnis war auch das Heimspiel im Europapokal gegen Piräus. Damals habe ich neun Tore geworfen – so etwas bleibt natürlich in guter Erinnerung. Und in den vergangenen Monaten unter Roberto (Trainer Roberto Garcia Parrondo, Anm. der Red.) hatte ich ja ein paar Spiele hintereinander, die durchweg gut waren. Mit so einem guten Eindruck will ich die MT auch verlassen.

Und die Tiefpunkte?

Wie gerade schon angesprochen: In der Zeit unter Gudmi habe ich sehr gelitten. Er hatte keinen Draht zur Mannschaft und wollte mit manchen Spielern gar nicht arbeiten.

Wie sehr bedauern Sie es, dass Sie jetzt nicht mehr mit Rückkehrer Dimitri Ignatow zusammenspielen können?

Sehr. Dimi hat mir auch gleich geschrieben, als er von meinem Wechsel gehört hat, dass er traurig ist. Wir haben uns immer gut verstanden, er war einer meiner besten Freunde bei der MT. Mit ihm hätte ich gern noch mal zusammengespielt und vor allem auch trainiert. Das war immer lustig mit ihm, auch danach in der Kabine zu sitzen und zu sprechen.

Wie kam es, dass Sie so schnell einen guten Draht zu ihm hatten?

Wir sind fast immer zusammen ins Training gefahren. Vor Corona hatten wir ja noch eine Fahrgemeinschaft. Na klar, da redet man viel und so haben wir ein gutes Verhältnis zueinander aufgebaut.

Aber haben Sie auch denselben Musikgeschmack?

(lacht) Er hört ja fast ausschließlich Deutsch-Rap. Von dem, was er hört, finde ich vereinzelte Lieder ganz gut. Aber wenn es tiefer in die Materie geht, wird es für mich zu speziell.

Inwieweit war der Wechsel zwischen Außen und Mitte für Sie zuletzt eine besondere Herausforderung?

Meine Teamkollegen wissen ja, dass ich auch mal gerne im Rückraum spiele. Ich habe mich gefreut, dass ich im Spiel mehr Aktionen habe. Man hat dort einfach mehr zu tun. Als ich nach einem Training meinte, dass die Woche ja anstrengend war, sagte Kai (Häfner, Anm. der Red.) zu mir: Da siehst du mal, wie das ist als Rückraumspieler, da musst du auch mal was tun für dein Geld und nicht nur in der Ecke auf den Ball warten. (lacht)

Was erwarten Sie von den restlichen Saisonspielen?

Beim Tabellenführer Magdeburg am Sonntag hängen die Trauben hoch, da können wir befreit aufspielen. Dann empfangen wir Lemgo, da haben wir natürlich noch das Pokalfinale und das Viertelfinale in dieser Saison im Hinterkopf. Wir wollen dort zeigen, dass wir die bessere Mannschaft sind. Der Bergische HC ist immer eine Wundertüte. Dann steht mit der Partie gegen Wetzlar ein Derby an. Keine einfache Aufgabe, aber das letzte Heimspiel will man immer gewinnen. Zudem wollen die Spieler, die den Verein verlassen, sich mit einem Sieg von den Fans verabschieden. Und beim letzten Spiel in Stuttgart wollen wir natürlich punkten. Keiner will die Saison mit einer Niederlage beenden.

Wenn Sie im Sommer in Ihre Heimat Saarland zurückkehren, was erwartet Sie dort?

Wir haben glücklicherweise direkt ein Haus mit großem Garten gefunden – so wie wir uns das vorgestellt haben. Wir freuen uns auf die Zeit, denn ich habe neun Jahre lang nicht in der Heimat gelebt und wohne dann nur 20 Minuten von meiner restlichen Familie entfernt. (Manuel Kopp und Björn Mahr)

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