Melsungens serbischer Handball-Nationalspieler Nenad Vuckovic im Interview: WM-Generalprobe gegen Ägypten ging daneben

„Wir wissen um unsere hohe Qualität“

Will bei der WM in Spanien seine Erfahrung in die Waagschale werfen: Melsungens serbischer Nationalspieler Nenad Vuckovic (links, hier gegen den Algerier Saci Boultif). Foto: dpa

Melsungen/Belgrad. Er hält wieder die MT-Fahne hoch: Nenad Vuckovic. Der Kapitän des Handball-Bundesligisten MT Melsungen ist bei der heute beginnenden Weltmeisterschaft in Spanien der einzige Spieler aus dem Roth-Team. Wir sprachen mit dem 32-Jährigen über die WM-Ambitionen der Serben und seine Vertragsverlängerung beim nordhessischen Erstligisten.

18:34 im letzten Test gegen Ägypten – droht Ihnen und dem serbischen Team ein kurzes WM-Vergnügen?

Nenad Vuckovic: Das war das schlechteste Spiel, seit ich bei der Nationalmannschaft bin. Wir waren anfangs nicht voll konzentriert und haben den Gegner etwas unterschätzt. Dabei sind die Ägypter mit ihrem offensiven Abwehrsystemen richtig gut. Nach dem Spiel haben wir uns in der Kabine gesagt, dass wir die Partie schnell vergessen müssen. Wir sind alle froh, dass uns solch‘ eine Pleite jetzt passiert ist und nicht dann bei der WM.

Wieviel ist noch geblieben aus der Euphorie des Vorjahres, als Serbien Vize-Europameister wurde und sogar bei den Olympischen Spielen dabei war?

Vuckovic: Wir reisen zwar nicht nach Spanien mit der Vorgabe, ins Halbfinale einziehen zu wollen. Aber wir wollen einiges erreichen, weil wir wissen, welche hohe Qualität wir im Team haben – auch wenn wir viele junge Akteure mittlerweile in unserem Kader haben.

Vielleicht ein gutes Omen, dass Sie und Ihre Kollegen im vergangenen April das Olympia-Ticket beim Ausscheidungsturnier in Spanien gelöst haben?

Vuckovic: Das denke ich auf jeden Fall. Für uns ist es auch ein Vorteil, dass schon einige Spieler in Spanien aktiv waren und die Hallen kennen.

Wie lautet die Zielsetzung für Ihr Team?

Vuckovic: Erstmal peilen wir das Achtelfinale an. Wir müssen uns bis dahin so steigern, dass wir im Viertelfinale eine Top-Leistung abliefern können. Die wichtigste Aufgabe ist natürlich die Auftaktbegegnung gegen Südkorea. Denn wenn wir die für uns entscheiden, haben wir schließlich das nötige Selbstvertrauen.

Welche Mannschaften sind in der Gruppe hoch einzuschätzen?

Vuckovic: Slowenien und Polen sind mit Sicherheit starke Kontrahenten. Aber auch Weißrussland müssen wir beachten.

Am zweiten Spieltag winkt Ihnen ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten.

Vuckovic: Ja, ich freue mich auf meinen früheren Melsunger Kollegen Ivan Brouko. Kontakt haben wir zwar nicht mehr, ich habe ihn aber auf Video bei einigen Champions-League-Spielen mit Minsk gesehen.

Wie bei so vielen Turnieren zuletzt auch sind Sie wieder der einzige Melsunger Teilnehmer bei dieser WM. Gut für die MT?

Vuckovic: Da muss man zwei Seiten berücksichtigen. Ich denke mal, dass es gut ist, für Melsungen bei der WM Werbung machen zu können. Für die MT ist es aber auch wichtig, dass sich die Mannschaft super auf den weiteren Verlauf der Serie vorbereiten kann – und das geht besser, wenn sie eben nahezu komplett ist.

Sie haben Ihren Vertrag mit Melsungen vorzeitig bis zum Sommer 2017 verlängert. Das klingt so, als würden Sie ihre Karriere an der Fulda beenden wollen.

Vuckovic: Ich hatte zwar auch andere Angebote aus Deutschland und Frankreich, bin aber in Melsungen sehr zufrieden. Das muss aber noch nicht mein letzter Profivertrag gewesen sein. Wenn ich noch Lust verspüre und die Qualität habe, mache ich weiter. Wie es in der Nationalmannschaft weitergeht, kann ich noch nicht sagen.

Von Björn Mahr

Quelle: HNA

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