Kommt Martinovic?

Was die MT Melsungen vom Topteam SC Magdeburg unterscheidet

Zum Verzweifeln: Timo Kastening und die MT Melsungen mussten gegen den SC Magdeburg eine erneute Niederlage in der Handball-Bundesliga einstecken.
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Zum Verzweifeln: Timo Kastening und die MT Melsungen mussten gegen den SC Magdeburg eine erneute Niederlage in der Handball-Bundesliga einstecken.

Sie haben lange mitgehalten. Am Ende standen die Handballer der MT Melsungen nach der 24:27 (12:13)-Heimniederlage gegen den SC Magdeburg aber mit leeren Händen da. Mal wieder.

Kassel - Dabei waren sie mit dem neuen Tabellenzweiten der Bundesliga lange Zeit auf Augenhöhe. Aber die Gäste zeigten in der Schlussphase, warum sie ein Topteam der Liga sind – und was der MT dazu derzeit fehlt.

Der Knackpunkt ereignete sich sieben Minuten vor dem Ende. Nach dem Wurf von Melsungens Domagoj Pavlovic lag der Ball im Netz. 23:23? Nein. Die Schiedsrichter entschieden auf Stürmerfoul. „Das war eine sehr harte Entscheidung“, sagte MT-Trainer Gudmundur Gudmundsson später. Im Spiel beschwerte er sich so energisch bei den Unparteiischen, dass er die Gelbe Karte sah. Es folgte für die MT ein Gegentor, ein Lattentreffer von Kai Häfner und ein weiteres Gegentor zum 22:25. Danach agierten die Melsunger zu hektisch: Zwei Fehlpässe verhinderten es, noch einmal in die Partie zurückzukehren. „Es fehlt uns derzeit ein bisschen die Coolness“, sagte Timo Kastening, der mit sechs Treffern bester MT-Torschütze war. „Ich habe das Gefühl, dass es in jedem Spiel an etwas anderem hapert.“

Ein Unterschied war zwischen den Melsungern und den Gästen: Diese ließen sich von Rückschlägen in der wichtigsten Phase nicht aus der Ruhe bringen. Ein Beispiel? Eine Zwei-Minuten-Strafe bei eigener 23:22-Führung überstanden die Magdeburger ohne Gegentreffer. Auch hier verpassten es die Melsunger, das Ruder herumzureißen. Der SCM vermied es in der Schlussphase, im Gegensatz zu den Gastgebern, eigene Fehler zu machen – und nutzte die der MT aus. „Wir machen es dem Gegner teilweise zu leicht. Es schleichen sich immer wieder Fehler bei uns ein“, sagte Torwart Silvio Heinevetter.

Die Magdeburger nutzten in der entscheidenden Phase zudem ihre Chancen eiskalt. „Wir haben derzeit viel Selbstbewusstsein. Das hilft uns, in kritischen Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen“, sagte SCM-Coach Bennet Wiegert. Dagegen musste sein Trainerkollege Gudmundsson einmal mehr bemängeln: „Wir haben zu viele Fehler im Angriff gemacht, und wir haben zu viele klare Torchancen nicht genutzt – wie zwei Siebenmeter und Möglichkeiten von Außen. Am Ende hat uns auch die Kraft gefehlt.“

Auch MT-Kapitän Finn Lemke wirkte enttäuscht, er sagte aber zudem: „Ich bin auch stolz auf den großen Kampf, den wir hingelegt haben.“ Das stimmte. Schließlich holten die Hausherren einen Vier-Tore-Rückstand in der ersten Hälfte wieder auf. Und ließen sich auch von den vielen Zeitstrafen zu Beginn der zweiten Hälfte nicht abschütteln. Aber sie verpassten es, sich am Ende zu belohnen. Die nächste Möglichkeit dazu haben sie am Donnerstag im Heimspiel gegen Erlangen (19 Uhr).

Eine Spekulation machte in den Medien kurz vor dem Spiel die Runde. Die Bild-Zeitung hatte gemeldet, dass die MT Interesse daran haben soll, für den rechten Rückraum Ivan Martinovic (23) von der TSV Hannover-Burgdorf zu verpflichten. Der kroatische Nationalspieler soll laut dem Bericht entweder im Sommer 2022, nach dem sein Vertrag bei den Niedersachsen ausgelaufen ist, womöglich aber schon nach dieser Saison kommen. Nach HNA-Informationen sind bei den Melsungern neben Martinovic noch zwei weitere Spieler im Gespräch, um Kai Häfner auf dieser Position zu unterstützen. Das ist zum einen der Ungar Dominik Mathé (21), der bei der WM für Furore sorgte. Zum anderen der Isländer Teitur Örn Einarsson (22), der für den schwedischen Klub IFK Kristianstad spielt. (Manuel Kopp und Björn Mahr)

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