Starker Torwart, kluges Spiel

Das bleibt vom MT-Sieg über Kiel

Er riss die Zuschauer förmlich von den Sitzen: MT-Torwart Nebojsa Simic war für sein Team ein fantastischer Rückhalt. Foto: Schachtschneider

Kassel. Ausführliche Berichte in der ARD-Sportschau und im Hessen-Fernsehen, längere Zusammenfassungen bei Sky Sport News HD – wer am Sonntag sein TV-Gerät einschaltete, hatte gute Chancen, ein paar Eindrücke von den Handballern der MT Melsungen zu bekommen.

Denn nach dem umjubelten 29:25-Heimerfolg über den Rekordmeister THW Kiel nahm der ambitionierte nordhessische Bundesligist einen angemessenen Platz in der Welt der Sportnachrichten ein.

„Wir sind überglücklich. Siege über Kiel sind immer etwas Besonderes“, befand MT-Coach Michael Roth. Da einige Konkurrenten patzten, rückte Melsungen auf den zweiten Tabellenplatz vor. Das war nicht unbedingt zu erwarten, nachdem der Start in diese Saison wenig überzeugend war. Zum Auftakt hatte das Team in Stuttgart verloren, ehe drei Siege folgten. Der Triumph über den THW war dabei das erste dicke Ausrufezeichen, das die MT in der noch jungen Spielzeit setzte.

Diese Punkte begeisterten die 4300 Fans ganz besonders:

1.Der Knaller im MT-Tor: Kiel bietet im Gehäuse zwei Ausnahmeerscheinungen auf: Andi Wolff und Niklas Landin. Doch am Sonntag löste ihr Gegenüber Nebojsa Simic wahre Begeisterungsstürme aus. Der Montenegriner zeigte nicht nur fantastische Paraden in Reihe, sondern elektrisierte mit seinem extrovierten Auftreten. Nach jedem gelungenen Reflex baute er sich vor den Fans auf, breitete erst die Arme aus und schlug dann mit der rechten Faust auf die eigene Brust. Um deutlich zu machen: Das Herz schlägt rot-weiß.

„Als Kind habe ich Kiel im Fernsehen geschaut. Meine Motivation war heute besonders groß“, sagte der Melsunger Neuzugang. Der 24-Jährige könnte eines der Gesichter dieser Saison werden. „Er macht viel Alarm, motiviert, reißt die Leute regelrecht von den Sitzen“, lobt Assistenzcoach Mile Malesevic seinen Schützling. Schon gegen Gummersbach hatte der Schlussmann einige Kostproben seines Könnens gegeben. Nun waren wieder „Simo, Simo“-Sprechchöre zu hören. Dabei soll der 115 Kilogramm schwere Simic nicht abnehmen. Sein enormes Gewicht trägt zur nötigen Stabilität bei – er lebt von kurzen, schnellen Bewegungen. Die Kieler haben dies leidvoll erfahren.

2.Die kluge Spielweise: Sie hatten zwar zuvor gegen Gummersbach und in Hüttenberg gewonnen, leicht von der Hand ging den Nordhessen in diesen Vergleichen aber noch recht wenig. Anders gegen den THW: Melsungen trotzte den Ausfällen der Leistungsträger Felix Danner sowie Philipp und Michael Müller und spielte mit Köpfchen. „Wir haben endlich einmal unser Konzept durchgebracht“, bemerkte Finn Lemke zufrieden. Er und seine Mitstreiter in der Deckung übten so viel Druck aus, dass der THW nur reagieren konnte. „Man hat gesehen, wie es funktionieren kann. Jeder hat für Jeden gekämpft“, lobte Michael Allendorf, Vertreter des verletzten Kapitäns Michael Müller.

Zudem führte Lasse Mikkelsen klug Regie. Der Däne wurde von Hallensprecher Bernd Kaiser gefeiert: „Klasse, Lasse!“ Der blonde Neuzugang glänzte als Vollstrecker und Vorbereiter. „Ich bin ruhig geblieben und habe einfach versucht, den Ball laufen zu lassen“, sagte Mikkelsen zu seiner eigenen Leistung.

3.Die moralische Unterstützung: Ein MT-Bundesligaspiel ohne Michael Müller? War bis zum Sonntag noch nicht vorgekommen. Müller war seit seiner Verpflichtung 2013 bei jedem Punktspiel dabei. Nach dem Motorroller-Sturz, bei dem er einen Knöchelbruch erlitt, musste er mit einem Spezialschuh hinter der Ersatzbank Platz nehmen. „Der Fuß sieht fürchterlich aus“, erklärte Müller am Rande des Kiel-Spiels. Dennoch wollte er genauso wie Zwilling Philipp, der als zusätzlicher Verantwortlicher sogar auf der Bank saß, ganz nah am Team sein. Nach dem zwischenzeitlichen 8:7 von Marino Maric stand Michi Müller auf und spendete kräftig Beifall: „Ich versuche, den Jungs den einen oder anderen Tipp zu geben.“

Direkt nach dem Spiel scharte er die Kollegen um sich und sprach ihnen ein dickes Kompliment aus. „Es hilft natürlich, wenn uns Michi aufmuntert“, stellte Johannes Golla fest.

Der verletzte Kapitän plant, auch am kommenden Sonntag ab 12.30 Uhr beim Auswärtsspiel gegen den TBV Lemgo als Motivator vor Ort zu sein. Gegen Kiel tat seine Anwesenheit dem Team sichtlich gut.

Quelle: HNA

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