Handball: Bundesligist MT Melsungen will in fünf Jahren die Voraussetzungen für Jugend-Zertifikat erfüllen

Vision mit selbst gesetzten Fristen

Aktuelle Melsunger Hoffnungsträger für die Zukunft: Maximilian Pregler (links) und Marc Lauterbach. Talente aus der Region, die bald Verstärkung aus dem eigenen Lager bekommen sollen. Foto: Schachtschneier/Kasiewicz

Melsungen. Der Traum mancher Fans der MT Melsungen ist so alt wie ihr Einzug in die Handball-Bundesliga. Dass sich nämlich das Rückgrat der Mannschaft eines Tages aus Spielern der Region zusammensetzt, aus solchen, die zwischen Fulda und Eder ausgebildet wurden. Was angesichts einer jahrelang vernachlässigten Jugendarbeit sowie dem harten Konkurrenzkampf im Profihandball wie eine Utopie anmutet, hat sich zu einer Vision mit klaren zeitlichen Fristen gewandelt. Der Grund: In fünf Jahren wollen die Bartenwetzer die Anforderungen an das Jugendzertifikat der Handball-Bundesliga (HBL) erfüllen.

„Ein ambitioniertes Ziel“, weiß Jugendkoordinator Ulzheimer, „weil wir noch weit davon entfernt sind.“ Aber auch ein „gewollter Druck“, um in der Jugendarbeit endlich voranzukommen. Die Stelle des 28-Jährigen wurde für diese Mission eingerichtet, um die Weichen für eine mittelfristige Rekrutierung aus den eigenen Reihen zu stellen.

Für MT-Aufsichtsratsvorsitzende Barbara Braun-Lüdicke eine „notwendige Investition in die Zukunft“, die auch Trainer Michael Roth mit angeschoben hat: „Mittelfristig müssen wir es schaffen, heimische Spieler einzubauen, was einen entsprechenden Unterbau erfordert.“

Nur zwei aus der Region

Jugendlichen Lokalkolorit geben dem Kader derzeit nur der gebürtige Homberger Marc Lauterbach (Zweitspielrecht für die HSG Gensungen/Felsberg) sowie der A-Jugendliche Max Pregler, der bei den Profis mittrainiert. Roth will das Projekt mit Rat und Tat unterstützen. Sehr zur Freude von Tim Ulzheimer, der um die „Strahlkraft“ des Vize-Olympiasiegers bei den Jugendlichen weiß. Roths Co-Trainer Mile Malesevic und Sandor Balogh sind als übergreifende Athletik- bzw. Torwarttrainer im Gespräch. Ein weiterer potenter Verbündeter: die Jugendspielgemeinschaft Körle/Guxhagen, die in der kommenden Saison um die MT erweitert wird. Ein durchaus übliches Verfahren bei Handball-Bundesligisten.

Bei der hochgelobten Nachwuchsarbeit des TBV Lemgo etwa sind drei Vereine am Werk, beim TuS N-Lübbecke, der das Jugendzertifikat noch anstrebt, vier. Somit wären bei der JSG Melsungen/Körle/Guxhagen künftig alle Altersklassen mit zwei Teams besetzt. Laut HBL-Richtlinie müsste die A-, B- und C-Jugend in der höchsten Spielklasse des Hessischen Verbandes spielen, was Tim Ulzheimer bis 2013 für „durchaus erreichbar“ hält.

Kooperation mit Schulen

Bei den weiteren Anforderungen sind die Defizite größer. Die zweite Mannschaft muss mindestens in der Oberliga spielen (derzeit Bezirksoberliga) und bei den Trainingszeiten (zehn Wochenstunden für A- und jeweils acht für B- und C-Jugend) klafft eine große Lücke. Ein Grund mehr, um die von der HBL geforderte Kooperation mit interessierten Schulen zu suchen. Hilfreich dabei ist Ex-Zweitliga-Spieler Dirk Wetekam, der die Trainer-Lehrer-Stelle des Schwalm-Eder-Kreises besetzt und drei Talentfördergruppen betreut. „Die Strukturen sind da, sie müssen nur ausgebaut werden“, erklärt Tim Ulzheimer.

Schnellstmöglich, denn die HBL will bei der Antragstellung Ergebnisse sehen. Zwei Spieler, ausgebildet beim Antragsteller, sollten einem Bundesliga-Kader angehören. Wen könnte die MT da, möglichst bei sich, präsentieren? Eine spannende Frage, nicht nur für die Fans.

Von Ralf Ohm

Quelle: HNA

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