Fünf Gründe für die Stärke der norwegischen Handballer

Viele Talente, ein Oldie

Zwei wichtige Stützen im Konzept der Norweger: Routinier und Kreisläufer Bjarte Myrhol (im Vordergrund) sowie Rückraumschütze Kent Robin Tönnesen von den Füchsen Berlin. Foto: afp

Kassel. Als Robert Hedin von 2008 bis 2014 Cheftrainer der norwegischen Handballer war, holte er etliche Spieler in die Nationalmannschaft. Unter der Führung des früheren Melsunger Bundesliga-Coachs debütierten Sandor Sagosen, Christian O’Sullivan, Eivind Tangen und noch einige mehr. Dass die Norweger bei der WM in Frankreich das Halbfinale am Freitag ab 20.45 Uhr gegen Kroatien erreicht haben, liegt auch daran, dass die großen Talente den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung gemacht haben.

„Und sie sind immer noch jung. Sie können immer noch draufpacken“, sagt der Schwede Hedin und prophezeit den Sagosens und Tangens noch viele Triumphe. Da die Norweger bereits in der Runde der letzten Vier stehen, sind sie schon jetzt so erfolgreich wie noch nie zuvor bei einer Weltmeisterschaft. Ein sechster Rang war bislang die beste Platzierung der Skandinavier bei kontinentalen Titelkämpfen – und das war im Jahr 1958.

Fünf Gründe für das erfolgreiche Abschneiden des norwegischen Teams:

1.Die strukturellen Veränderungen. Vor fünf Jahren setzte sich der Schwede Hedin dafür ein, dass sich die Mitglieder der A- und B-Nationalmannschaft sowie der Jugend-Auswahlen alle zwei Monate zu Lehrgängen trafen. Solche Maßnahmen waren zuvor selten. Noch dazu wurde der Betreuungsstab vergrößert. Sogar ein Psychologe wurde dazu geholt. Da sich diese professionelle Vorgehensweise bezahlt machte, verfährt der aktuelle Trainer Christian Berge genauso.

2.Die Erfahrung. Hedin kann sich noch an Zeiten erinnern, als kaum ein norwegischer Handballprofi im Ausland spielte. Mittlerweile ist dies anders: Wer jetzt noch im Land der Fjorde spielt, gehört zu den Ausnahmen. Viele Akteure verdienen ihr Geld in Dänemark und Deutschland. Für Bundesligisten sind der Wetzlarer Torjäger Kristian Björnsen, der Berliner Kent Robin Tönnesen, der Magdeburger Christian O’Sullivan sowie Joakim Hykkerud (Hannover-Burgdorf) tätig.

3.Die Fachleute. Auf der Trainerbank hat nicht irgendwer das Sagen. Christian Berge war zu Beginn dieses Jahrtausends der Lenker und Denker im Spiel der SG Flensburg-Handewitt. „Er hat bewiesen, dass er auch von Außen seine Jungs gut steuern kann“, lobt Hedin den 43-Jährigen. Berge steht seit Beginn der WM ein weiterer Ex-Handballstar zur Seite: Börge Lund. Der 37-Jährige spielte in Deutschland für Kiel, die Rhein-Neckar Löwen und Berlin.

4.Der Unverzichtbare. Er ist inzwischen 34 Jahre alt – doch das Alter merkt man dem ehemaligen Bundesliga-Stratege Bjarte Myrhol nicht an. „Er hat Qualität und ist ein Mann für die besonderen Situationen“, sagt Hedin über den Kreisläufer. Der 34-Jährige ist nach dem Abgang von Erlend Mamelund der letzte Verbliebene aus der alten Garde.

5.Der Nachwuchs. Am meisten beeindruckt hat Hedin bislang der Rückraumstratege Goran Johannessen (22): „Er ist in seiner Entwicklung schon weit.“ Und ein Riesentalent der Norweger bekam in Frankreich auch schon Einsatzzeiten: Der Halbrechte Magnus Rod. Der 19-Jährige, 2,04 m groß, wechselt im Sommer nach Flensburg.

Von Björn Mahr

Quelle: HNA

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