MT empfängt morgen SG

Für zwei Flensburger Jungen ist Melsungens Nationalspieler Timo Kastening das große Idol

MT-Fans in Flensburg: Felix (8) und Justus (6) schwärmen nicht für die heimischen SG-Stars, sondern für den Melsunger Timo Kastening. Sogar bei frostigen Temperaturen nahe der Flens-Arena.
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MT-Fans in Flensburg: Felix (8) und Justus (6) schwärmen nicht für die heimischen SG-Stars, sondern für den Melsunger Timo Kastening. Sogar bei frostigen Temperaturen nahe der Flens-Arena.

Das für morgen angesetzte Heimspiel der MT Melsungen in der Handball-Bundesliga gegen die SG Flensburg-Handewitt fällt zwar wegen der Coronafälle beim Gast aus. Wir blicken aber dennoch auf zwei junge Kastening-Fans - aus Flensburg.

Kassel/Flensburg – Felix ist acht Jahre alt, sein Bruder Justus gerade sechs geworden. Beide Jungs sind Handball-Fans und spielen auch selbst. Natürlich. Beides ist nicht ungewöhnlich in ihrer Heimatstadt Flensburg, Deutschlands nördlichster Handball-Hochburg. Und dennoch: Felix und Justus fallen auf an der Förde. Denn das Duo trägt im Training seines TSV Lindewitt und im Schulsport keineswegs Trikots der heimischen SG Flensburg-Handewitt, wie die meisten anderen Jungs, sondern von der MT Melsungen.

Nicht weiß-blau, sondern schwarz-rot ist angesagt bei den beiden Burschen. Denn: Ihr Lieblingsspieler ist nicht der dänische Weltmeister Simon Hald von der SG, auch nicht Lasse Svan oder Franz Semper. Nein! Ihr Idol ist Timo Kastening, Rechtsaußen der Nordhessen und der Nationalmannschaft.

„Es ist toll, wie der Timo die Tore wirft. Und er fängt jeden Ball, auch die schweren, und lässt keinen fallen“, schwärmt Felix. Und auch Justus sagt: „So gut will ich auch mal werden.“ Klar, auch Niklas Landin, Johannes Golla, Marian Michalczyk und Julius Kühn stehen beim kleinen Brüderpaar hoch im Kurs. „Aber Timo ist einfach der Beste.“

Noch nie haben sie Kastening, die MT oder die SG live erlebt, das letzte MT-Gastspiel in Flensburg war Corona zum Opfer gefallen. Aber wenn er im Fernsehen zu kinderfreundlichen Zeiten zu sehen ist, „dann sitzen und zappeln die beiden mit stolz geschwellter Brust im MT-Trikot mit Nummer 73 auf dem Sofa“, erzählt Mutter Katharina. So habe das Ganze ja auch begonnen.

Bei der EM 2020 war das, als Kastenings Stern auf der internationalen Bühne aufging. Natürlich wäre darum auch ein Nationaltrikot des Rechtsaußen interessant, weil neutraler in Flensburg. „Aber das gefällt uns nicht so gut“, sagt die Mama. Sie hat bis zur Jugend selbst gespielt und mit den Jungs wieder angefangen. Ihr Herz schlägt mehr für den THW Kiel. „Aber das zeige ich hier lieber nicht so konsequent wie die Jungs ihr Faible für Timo und die MT.“

Rechtsaußen der MT: Timo Kastening.

Immer wieder ist sie überrascht, wie gut die Kinder Bescheid wissen im Handball. Das Bundesliga-Saisonheft ist binnen weniger Tage ziemlich zerfleddert, eingekauft wird da, wo es Sammelbilder gibt. „Wenn sie von anderen Jungs in Golla-Shirts oder Svan-Trikots angesprochen werden, dass sie eigentlich Flensburg-Fans sein sollten, dann stört sie das ebenso wenig wie blöde Sprüche“, weiß Katharina. In den eigenen vier Wänden drehe sich alles um Timo Kastening. An der Pinnwand, wo sie oft am Tag vorbei gehen, hängen signierte Bilder und ein lieber Brief, den der Melsunger ihnen kurz vor Weihnachten geschrieben hat. Eine Nordhessin, die an der Förde lebt und der die roten Trikots aufgefallen waren, hatte über die HNA den Kontakt vermittelt und Kastening den Autogrammwunsch fix erfüllt.

„Das hat mich total angerührt, als die Jungs mir einen Brief und ihre Fotos geschickt haben“, sagt der 25-Jährige. „Dass sie in Flensburg, ausgerechnet, mit meinem MT-Trikot herumlaufen, das ist toll und sehr speziell.“ Und es erinnert ihn an seine eigene Jugend. Aufgewachsen vor den Toren Hannovers, „war ich totaler Fan von Tomas Axner, Michael Haaß, Dmitri Kuselew und Jan-Fiete Buschmann bei GWD Minden, in der Kampa-Halle habe ich mir Autogramme aufs weiße T-Shirt geholt“.

Darum „ist es Ehrensache, nun die Fanpost selbst zu beantworten und auch bei einer Niederlage sich nicht schnell in der Kabine zu verstecken, wenn Jugendliche Autogramme haben möchten“. Und vielleicht, sagt das Idol, treffen wir uns irgendwann einmal. Timo, Felix und Justus, seine kleinen, großen Fans aus dem fernen Flensburg. (Gerald Schaumburg)

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