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Sieg macht Lust auf die EM: Deutsche Handballer gewinnen Test gegen Frankreich 35:34

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Von: Björn Mahr

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Keine Chance: Frankreichs Hugo Descat (Mitte) überwindet Torwart Till Klimpke (rechts) in dessen zweitem Wohnzimmer. Links im Bild: Kai Häfner.
Keine Chance: Frankreichs Hugo Descat (Mitte) überwindet Torwart Till Klimpke (rechts) in dessen zweitem Wohnzimmer. Links im Bild: Kai Häfner. © Sebastian Gollnow/dpa

Die Handball-EM kann kommen – zumindest aus deutscher Sicht. Fünf Tage vor dem ersten Turnierspiel im slowakischen Bratislava gegen Belarus bezwang die deutsche Nationalmannschaft den Olympiasieger Frankreich 35:34 (14:18).

Mit der Schlusssirene war der Leipziger Luca Witzke erfolgreich. Mann des Spiels war allerdings Kai Häfner von der MT Melsungen, der nicht nur das 34. deutsche Tor erzielt hatte.

Bundestrainer Alfred Gislason nutzte das letzte Vorbereitungsspiel, um einiges auszuprobieren. Was sich schon in der Startaufstellung zeigte: Da fehlte ein etatmäßiger Rechtsaußen: kein Timo Kastening, kein Lukas Zerbe. Dafür teilten sich mit Häfner und dem Erlanger Christof Steinert zwei Rückraumspieler durchaus variabel die Arbeit auf der rechten Seite. Der Vorteil dieses Systems: weniger Wechsel beim Umschalten von Angriff auf Abwehr und umgekehrt. Und das Experiment war durchaus ein Erfolg – wie die Treffer Häfners zum 2:3 und 5:6 sowie von Steinert zum 7:9 bewiesen.

Auch sonst hatte das Offensivspiel der deutschen Mannschaft viel Schönes. So setzten ebenfalls Spielmacher Philipp Weber und Linksaußen Marcel Schiller wichtige Akzente. In der Deckung hatten Simon Ernst, Kapitän Johannes Golla und ihre Nebenleute sowie Torwart Till Klimpke von der HSG Wetzlar alle Hände voll zu tun. Zwar bewegten sie sich gut, die eingespielten Franzosen, für die es der erste und einzige EM-Test war, fanden aber trotzdem wiederholt überzeugende Lösungen. Erstmals in seiner langer Karriere führte Handball-Superstar Nikola Karabatic in Abwesenheit des an Corona erkrankten Valentin Porte die Equipe Tricolore auf das Feld.

Optisch war Frankreich besser. Doch die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) hielt vor ein paar auserwählter Zuschauer ordentlich dagegen. Kurz nach seiner Einwechselung legte Julius Kühn für Häfner auf, quasi von Melsunger zu Melsunger (13:16). Das Halbzeitergebnis von 14:18 spiegelte die Kräfteverhältnisse durchaus korrekt wider.

Nach der Pause gab es die erwarteten Umstellungen. Nun bekamen auch Djibril M’Bengue, am Vorabend noch mit Golla zusammen als Interviewgäste im Aktuellen Sportstudio zu Gast, Lukas Mertens sowie Timo Kastening von der MT Melsungen Einsatzzeit. Und der Rechtsaußen nutzte seine erste Chance zum 15:19.

War das Melsunger Trio zwei Tage zuvor beim 30:26 im Test gegen die Schweiz nicht so zur Geltung gekommen, so prägten sie diesmal phasenweise das deutsche Spiel: Kühn (2) und Häfner verkürzten auf 22:23 (40.). Und es kam noch besser: Häfner glich mit seinem siebten Tor zum 26:26 aus, und Kühn besorgte kurz darauf nach einem Tempogegenstoß die erstmalige Führung – 27:26 (45.). Es war sein fünfter Treffer an diesem Abend.

Da mochte der Göppinger Sebastian Heymann nicht nachstehen und traf nach seiner Hereinnahme direkt dreimal in Folge (30:28, 48.). Nach Kastenings 31:28 wurde ein deutscher Sieg im Prestigeduell gegen den Olympiasieger immer wahrscheinlicher. Zumal Andreas Wolff an alter Wirkungsstätte einige starke Paraden einstreute. Solch eine Vorstellung hatten wohl nicht viele Besucher dem DHB-Team zugetraut.

Blieb nur noch eine Frage: Bringt die Mannschaft den knappen Vorsprung ins Ziel? Es wurde richtig spannend. Mit ihrer stärksten Besetzung stellten die Franzosen den 32:32-Ausgleich her (56.). Aber Deutschland hatte immer wieder etwas dagegenzusetzen. In der letzten Sekunde traf Witzke dann mit einem Gewaltwurf zum 35:34.

Die Handball-EM kann kommen. (Björn Mahr)

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