Beim Handball-Bundesligisten lief nicht alles gut 

Die Saison der MT Melsungen im Rückblick: Auf die Fans war Verlass

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Gewohntes Bild: Die Fans in der ausverkauften Rothenbach-Halle sorgen für eine tolle Stimmung: 

Das war sie also, die Saison in der Handball-Bundesliga. Für den heimischen Vertreter, die MT Melsungen, verlief die Spielzeit eher durchwachsen. Ein Rückblick.

Mitreißenden Siegen wie etwa in Mannheim und gegen Kiel stehen peinliche Pleiten wie in Stuttgart und gegen Hüttenberg gegenüber. Darüber hinaus gab es da noch das unrühmliche Ende der Ära Michael Roth. Keine Frage, rund um die MT war einiges los – Gutes und Schlechtes:

Das war gut

• Die Neuzugänge: In Finn Lemke, Julius Kühn und Tobias Reichmann stießen drei Leistungsträger der Nationalmannschaft zur MT, dazu Spielmacher Lasse Mikkelsen und Torwart Nebojsa Simic. Vor allem der Schlussmann aus Montenegro hatte schnell den Spitznamen Simo weg und begeisterte mit Glanzparaden das Publikum. „Alle Fünf sind Top-Spieler. Engagiert und hungrig“, sagt MT-Kapitän Michael Müller. Neben den sportlichen Aspekten hätten sich die Neuzugänge „ohne lange Anlaufzeit super integriert“. Besonders vor Simic zieht Müller den Hut. Ruckzuck habe der Keeper die deutsche Sprache gelernt. Der MT-Kapitän ergänzt augenzwinkernd: „Simo hat ja auch die größte Klappe. Da muss er alles verstehen und mitreden können.“ Der Hochgelobte selbst nimmt sich für die nächsten Jahre noch einiges vor. „Ich habe jetzt meine ersten wichtigen Erfahrungen in der Bundesliga gesammelt. Das ist die Basis, um noch besser zu werden“, betont Simic.

• Die Bilanz gegen die Löwen: Das kann sich sehen lassen. Dem Deutschen Meister 2016 und 2017 wies die MT zweimal die Grenzen auf. In der eigenen Rothenbach-Halle gelang das Künststück gegen die Rhein-Neckar Löwen zuvor schon einmal. Aber dass die Nordhessen im Saisonfinale sogar in Mannheim gewinnen und damit entscheidend zum Titelgewinn der Flensburger beigetragen haben, war dann eine kleine Sensation. Nun hat die MT in allen Hallen der Top-Klubs Siege gefeiert.

Torwart Nebojsa Simic. 

• Der Zuschauerzuspruch: Fast alle Heimspiele ausverkauft, zahlreich in fremden Hallen vertreten – auf die MT-Fans war Verlass. „Sobald das Spiel beginnt, sind die Fans sofort da“, sagt Simic begeistert. Die Unterstützung sei phänomenal gewesen, ergänzt Müller: „Obwohl wir zwischendurch immer wieder Grütze gespielt haben.“

MT-Trainer Heiko Grimm

• Die Verpflichtung von Heiko Grimm: Plötzlich war er Cheftrainer. Anfang April übernahm Heiko Grimm für den freigestellten Michael Roth. Eine undankbare Aufgabe. Und anfangs lief es erst mal nicht. Doch der 40-Jährige, der zur Rückrunde als Co-Trainer kam, schaffte es, neue Impulse zu setzen und vor allem die Köpfe der Spieler frei zu bekommen. Der Mann hat einen Plan. Die Verpflichtung Grimms könnte sich als Glücksgriff herausstellen.

• Der Schlussspurt: Vier Siege in den letzten fünf Saisonspielen, darunter mitreißende Partien – das war zum Teil großer Sport und eine Entschädigung für manch dürftigen Auftritt. „Die Saison war wirklich holprig. Aber dank der letzten Spiele gehen wir mit einem guten Gefühl in die Sommerpause“, sagt Müller.

Das ging so

• Der Abschied von Dener Jaanimaa: Der Este bat im Winter darum, vorzeitig den Verein verlassen und zum Liga-Konkurrenten TuS N-Lübbecke wechseln zu können. Diesem Wunsch entsprach die MT. Allerdings hätte der Linkshänder einen größeren Bahnhof bei seinem Abgang verdient gehabt. Speziell im Herbst, als die MT personell arg dezimiert war, zeigte er im Rückraum seine Klasse. So schnell und druckvoll wie mit Mikkelsen und Kühn war das Positionsspiel danach nie wieder.

• Die Torwart-Interimslösung Mathias Lenz: Simic? Verletzt. Johan Sjöstrand? Angeschlagen. Anfang Februar war die Not bei den Melsungern groß. MT-Manager Axel Geerken holte den ehemaligen Ludwigshafener Lenz aus dem Handballer-Ruhestand. Zumindest in einigen Spielen war er eine gute Hilfe.

Das war schlecht

Ex-Coach Michael Roth

• Der Umgang mit Michael Roth: Was die Personalie Roth anbelangt, versagte die MT auf menschlicher Ebene. Für viele Experten war klar, dass ein neuer Trainer der Mannschaft guttun würde, damit sie eine neue Entwicklungsstufe erreicht. „Vielleicht hatte es sich in der langen Zeit abgenutzt“, sagt Müller über die fast acht Jahre Dienstzeit von Roth. Nur: Der Zeitpunkt der Freistellung war mehr als unglücklich gewählt. „Nach allem, was Schorle für den Klub getan hat, hätte er wirklich einen anderen Abschied verdient gehabt. Es tut mir leid für ihn“, sagt Müller.

• Die Bilanz gegen Frisch Auf Göppingen: Die Schwaben waren so etwas wie die Anti-Rhein-Neckar-Löwen. Kurz vor Weihnachten gab’s für die MT einen Dämpfer in eigener Halle, in der Rückrunde setzte es eine bittere, weil vermeidbare Niederlage in der EWS-Arena.

• Der Tabellenplatz: Fernab aller Nebengeräusche steht am Ende einer Saison der Tabellenplatz. Und mit dem siebten Rang blieb die MT Melsungen hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Oder anders ausgedrückt: Da gibt’s noch sehr viel Luft nach oben.

Das ist die Abschlusstabelle der Handball-Bundesliga

Quelle: HNA

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