Torwart Villadsen nimmt seine Ex-Klubs unter die Lupe

Teamvergleich: „Leipzig hat großen Respekt vor MT“

+
Eine Szene aus dem Pokalspiel Anfang Oktober: Melsungens Kai Häfner (links) bekommt es am Samstag wieder mit Maximilian Janke zu tun.

Sie trennt in der Tabelle nur ein Punkt. In der Handball-Bundesliga erwartet die MT Melsungen am Samstag ab 20.30 Uhr in der Kasseler Rothenbach-Halle den Verfolger SC DHfK Leipzig.

Ein spannendes Duell ist garantiert. Der frühere Melsunger und Leipziger Torwart René Villadsen hat beide Teams verglichen.

Tor: Melsungen verfügt mit Nebojsa Simic und Johan Sjöstrand über zwei erfahrene Torhüter – für mich ist es eines der besten Duos der Liga. Leipzigs Jens Vortmann besticht durch sein gutes Stellungsspiel – er ist zudem im Team eine echte Führungspersönlichkeit. Neuzugang Joel Birlehm ist ein großes Talent. Seine guten Leistungen in dieser Saison sprechen für sich. Dabei fällt es auf, dass er sich so bewegt wie Torhüter der skandinavischen Torwartschule. Er ist sehr explosiv und beweglich.

Abwehr: Beide Seiten favorisieren eine 6:0-Formation. Die Deckung der Leipziger ist unheimlich schnell auf den Beinen. Sie gehen gern noch einen Schritt mehr raus, um zu verhindern, dass die Distanzschützen der Gegner in gute Wurfpositionen kommen. Die Melsunger bleiben etwas defensiver. Das können sie sich auch erlauben, weil sie eine extrem starke Blockarbeit haben. Speziell Felix Danner ist in seiner Blockarbeit vorbildlich. Du weißt als Torwart fast immer, in welche Ecke der Ball kommt.

Rückraum: Die Leipziger gehen hohes Tempo. Mit ihren ständigen Kreuzbewegungen reißen sie Löcher in die gegnerische Abwehr. Mittelmann Maximilian Janke ist ein großartiger Allrounder. Er müsste im Spiel allerdings noch mehr von dem zeigen, was er im Training so vollbringt. Man mag es nicht so recht glauben, aber er hat ein tolles Wurfrepertoire. Philipp Weber gibt auf Halblinks immer 100 Prozent. Auf Halbrechts steht Nationalspieler Franz Semper für Explosivität. Ihm gehört die Zukunft.

Melsungen hat mit Julius Kühn und Kai Häfner zwei Topspieler. Dazu hat das Team mit Lasse Mikkelsen einen fantastischen Handballer: Er wird nie hektisch, hat eine tolle Übersicht und: Er hat mit 31 Jahren noch einmal seinen Schlagwurf verbessert.

Außen:Wenn man die Rechtsaußen vergleicht, sehe ich Leipzig im Vorteil: Das Duo Patrick Wiesmach/Lucas Krzikalla ist besser als Tobias Reichmann und Dimitri Ignatow. Zwar ist Reichmann ein exzellenter Spieler, der junge Ignatow muss aber noch Erfahrungen sammeln. Auf der linken Seite ist dagegen Melsungen mit dem erfahrenen Michael Allendorf und Yves Kunkel stark besetzt. Die Leipziger haben zwar Lukas Binder, ich weiß aber nicht, wie es bei Raul Santos aussieht. Der Österreicher war lange verletzt. Wenn er topfit ist, dann ist er ein ausgezeichneter Spieler.

Kreis: Die Leipziger suchen oft den Weg über den Kreis – sie haben nicht nur Alen Milosevic, sondern auch Maciej Gebala – und der Junge hat sich unglaublich gut entwickelt. Da Melsungen vor allem seine Stärke aus dem Rückraum ausspielt, läuft über den Kreis nicht mehr ganz so viel. Dabei sind Danner und Marino Maric hervorragende Kreisläufer.

Trainer: Bei SC-Trainer André Haber weißt du vor dem Spiel genau, was von dir erwartet wird. Seine taktische Spielvorbereitung ist top. Da ich unter MT-Coach Heiko Grimm nicht trainiert habe, fällt es mir schwer, seine Arbeit zu beurteilen. Bei den Auszeiten fällt mir auf, dass er auf die Taktik achtet. Sein Vorgänger Michael Roth kam mehr über Emotionen.

Fazit: Die MT ist Favorit. Ich erwarte aber ein enges Spiel. Die Leipziger haben immer großen Respekt vor Melsungen. Doch sie wissen auch, dass die Aufgabe in Kassel keine unmögliche ist. Mitentscheidend wird die Frage sein, ob ihre Torhüter besser sind als die der MT. Ich könnte mir ein 29:27 oder 28:28 gut vorstellen.

Quelle: HNA

Kommentare