Schneiders Traumtor mit der Pausensirene

Müller-Festspiele: Melsunger Handballer drehen nach der Pause auf

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Stark in Abwehr und Angriff: Philipp Müller.

Kassel. Beim 31:27 (13:14)-Heimsieg der MT Melsungen in der Handball-Bundesliga gegen GWD Minden tat sich vor allem Philipp Müller hervor. 

Irgendwann Mitte des zweiten Abschnitts baute sich Philipp Müller vor der Haupttribüne in der Kasseler Rothenbach-Halle auf, drückte seine Brust raus und breitete die Arme aus. Was der Handballer der MT Melsungen dabei den Zuschauern zurief, war nicht zu verstehen. Aber die Fans wussten auch so, was der erfahrene Bundesliga-Profi der MT von ihnen wollte: raus aus den Sitzen und Stimmung machen.

Es war kein Zufall, dass Müller die Atmosphäre unterm Dach anheizte. Der 33-Jährige war für GWD Minden ein ständiger Gefahrenherd, an dem sich die Gäste längst die Finger verbrannt hatten. Mit acht Treffern führte Rückraumschütze Müller die Nordhessen schließlich zu einem hart erkämpften 31:27 (13:14)-Heimsieg. Dabei sahen die 4168 Zuschauer eine abwechslungsreiche Partie:

Der Mann des Abends: „Ich freue mich natürlich, dass ich auch mal wieder im Angriff spielen durfte. Noch mehr freue ich mich aber, dass ich unserem gebeutelten Team heute so helfen konnte“, erklärte der etatmäßige Abwehrstratege. Müller war nach der Schlussirene ein gefragter Mann: Interview hier, Interview da – und zwischendurch noch von unzähligen Autogrammjägern umlagert. Durch den kurzfristigen Ausfall von Top-Torjäger Julius Kühn war er besonders gefordert – und nutzte seine Chance. Seinen Auftritt kommentierte er in typischer Müller-Manier: „Es sieht nicht schön aus, wenn ich meinen geschundenen Körper über das Feld schleppe, aber so lange es erfolgreich ist, ist es ja gut.“

In seinem Schatten schwang sich auch sein Zwillingsbruder und Kapitän Michael Müller zu einer überzeugenden Vorstellung auf. Was Mindens Sportlichen Leiter Frank von Behren zu der Erkenntnis trieb, dass „wir hier heute nur ein Teil der Müller-Festspiele waren“

Das Tor des Tages: Erzielte kein Müller, obwohl auch ihre Co-Produktion zum zwischenzeitlichen 6:8 (13.) den Beifall des Publikums förmlich herausforderte. Michael Müller hatte den Kempa-Trick abgeschlossen. Übertroffen wurde ihr Abschluss noch von Timm Schneiders direkt verwandeltem Freiwurf in der Schlusssekunde der ersten Hälfte. Erst wollte keiner werfen, dann nahm sich der Mittelmann das Leder. „Ein Knicker geht immer“, jubelte Schneider. Mit einem raffinierten Knickwurf am Abwehrblock vorbei überlistete er Torsteher Kim Sonne-Hansen.

„Das war gut für unser Selbstvertrauen“, ergänzte der Torschütze. Und auch Trainer Michael Roth wusste, dass dieser Treffer zum 13:14 immense Bedeutung hatte: „Für die gegnerische Mannschaft ist so etwas immer sehr ärgerlich. Ich wusste aber bislang noch nicht, dass Timm so beweglich ist.“

Lässt sich nach seinem direkt verwandelten Freiwurf von den eigenen Fans feiern: Melsungens Timm Schneider. 

Das Aufbäumen: Moralisch gestärkt durch diesen Anschlusstreffer vor der Pause legte die MT im zweiten Durchgang noch einmal einen Zahn zu. Die Mindener, die ebenfalls personell geschwächt waren und sich speziell im ersten Abschnitt teuer verkauft hatten, waren nun der Wucht der Hausherren kaum gewachsen. „Wir haben uns sehr kämpferisch präsentiert“, bemerkte Roth stolz. Auch Marino Maric, im ersten Durchgang noch nicht stabil genug, trug nun zur Sicherheit in der Deckung bei.

Die Entscheidung: 14:15 lagen die Melsunger noch zurück. Dann übernahmen sie das Kommando: 18:15 (39.). „Die Müllers gewannen gefühlt jeden zweiten Zweikampf“, bedauerte GWD-Coach Frank Carstens. Mit der nötigen Leidenschaft kehrte auch das Glück zur MT zurück. So landete in der 51. Minute ein Abpraller bei den Hausherren, den Jeffrey Boomhouwer sofort zum 26:22 verwertete.

Hier lesen Sie unseren Spielbericht. Die Fotos vom Spiel finden Sie an dieser Stelle.

Quelle: HNA

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