Handball-Bundesliga

Sensation statt Hurra-Stil: MT Melsungen siegt 24:23 bei Rhein-Neckar-Löwen

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Jaaaaa! Die Melsunger Julius Kühn, Gabor Langhans, Michael Müller, Johannes Golla und Timm Schneider (von links) bejubeln den Sieg.

Welche eine Sensation! Die MT Melsungen wird im Kampf um die Deutsche Handball-Meisterschaft zum Zünglein an der Waage. 24:23 (13:15) gewannen die Nordhessen bei den Rhein-Neckar Löwen.

Die Löwen können nach der ersten Heimpleite seit 2016 (!) nun den Titel nicht mehr aus eigener Kraft holen. Den Live-Ticker zum Nachlesen finden Sie hier.

Hatten beide Teams ihre Besten auf der Platte?

Bei den Löwen fehlten die langzeitverletzten Momir Rnic und Gedeón Guardiola, bei der MT Tobias Reichmann und zunächst Finn Lemke. Der kam zur zweiten Halbzeit, ebenso wie Langhans und Schneider.

Wie verlief das Spiel in Mannheim?

Konzentriert, kontrolliert und abgeklärt wie selten zuvor trat diese MT auf. Emotionen? Fehlanzeige! Fehler? Selten! Hurra-Stil? Von wegen! Die Melsunger zwangen den Mannheimern ihr (Gedulds-) Spiel auf, ließen keine Gegenstöße zu, verzichteten aber auch selbst auf dieses Mittel. Und: Die Nordhessen liefen nur zweimal kurz Gefahr, abgeschossen zu werden. Zunächst beim Stand von 8:12 (23.), als sie für wenige Minuten in alte Muster verfallen waren. Und ein zweites Mal beim 17:20 (41.), als plötzlich RNL-Torwart Appelgren fünf Würfe abwehrte und Kanonier Julius Kühn ein paar Fahrkarten schoss.

Beide Male aber kämpften sie sich heran. Gestützt auf Nebosja Simic, der die Löwen immer mehr zur Verzweifllung trieb. Weltklasse seine Paraden gegen Baena und Co, die frei vor ihm auftauchten. Und vorn, wo lange Zeit alles allein auf Kühn zugeschnitten war, da tauchte am Ende plötzlich Finn Lemke auf. Angespielt auf höchster Ebene, im dritten Stock, traf der Lange erst zum 22:22 (55.), dann zur ersten Führung (23:22/58.). Und für Totenstille in der Halle bei der geschockten Löwen-Familie sorgte schließlich Lasse Mikkelsen mit dem Tor zum 24:23, nur 32 Sekunden vor Schluss.

Der Kanonier nimmt Maß: Julius Kühn beim Sprungwurf gegen Kim Ekdal du Rietz.

Hatten sich die Nordhessen etwas Besonderes einfallen lassen bei ihrem Auftritt in der Kurpfalz?

Ja! Grundsätzlich taten sie alles, das Tempo rauszunehmen, die Spielfreude des Favoriten zu rauben. Der war tatsächlich genervt, kam kaum auf Touren gegen die MT, die im Angriff gaaanz lang den Ball hielt und mit zwei Kreisläufern agierte. Und selbst als Felix Danner mit einem Eisbeutel am rechten Fuß auf der Bank blieb (9.), setzte Trainer Heiko Grimm noch einen drauf und ließ sogar drei Mann am Kreis spielen – Maric, Golla und Michael Müller, später Lemke.

Das ging zwar zunächst in die Hose. Von 7:7 (17.) zogen die Löwen auf 10:7 (21.) und 12:8 (23.) fort. Am Ende aber stellte diese Variante die Löwen vor unlösbare Probleme.

Wer waren die Besten in der Höhle der Löwen?

Nebosja Simic und Julius Kühn. Der eine wehrte 15 Würfe sensationell ab, der andere wuchtete das Runde neunmal ins Eckige.

Wer hatte die größten Schmerzen?

Nicolai Jacobsen. Der Löwen-Trainer bekam an der Seitenline unglücklich einen Fuß von Sigurdsson in den Unterleib und krümmte sich.

Wie war die TV-Übertragung bei Sky?

Bestens informiert und launig wie gewohnt berichteten Markus Götz und Stefan Kretzschmar. Sinnierten lange über den Druck der Löwen. aber auch über die ausgeprägten Muskel-„Beulen“ von Johannes Golla und beurteilten das Kreisläuferspiel der MT gar als spanische Schule. Olé. Kretzsches Wort des Tages aber war das: Kniescheibenraussprungproblem. Da haben die Löwen jetzt ein ganz anderes.

Wie geht es weiter für die Nordhessen?

Am Sonntag um 12.30 Uhr bestreitet die MT in der Kasseler Rothenbach-Halle ihr letztes Heimspiel in dieser Saison. Und wieder verheißt die Ansetzung einen Knüller: Zu Gast sind die Füchse aus Berlin, die nun sogar noch Meister werden können. Nach der Partie gibt es Verabschiedungen und die Abschlussfeier der Melsungen, auch wenn sie am 3. Juni noch im Magdeburg antreten müssen.

Spieltag und Tabelle in der Handball-Bundesliga

Quelle: HNA

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