Lemke: Das tut nur weh

MT Melsungen muss nach Debakel gegen Hannover am Sonntag beim TBV Lemgo Lippe ran

Fassungslos: die MT-Spieler Finn Lemke (von links) und Felix Danner sowie Chefcoach Gudmundur Gudmundsson und Co-Trainer Arjan Haenen.
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Fassungslos: die MT-Spieler Finn Lemke (von links) und Felix Danner sowie Chefcoach Gudmundur Gudmundsson und Co-Trainer Arjan Haenen. Rechts im Hintergrund: die Aufsichtsratsvorsitzende Barbara Braun-Lüdicke.

Nach dem schwachen Auftritt gegen die TSV Hannover-Burgdorf muss Handball-Bundesligist MT Melsungen am Sonntag beim TBV Lemgo Lippe ran.

Kassel – Gudmundur Gudmundsson verschwand rasch in der Kabine. Bis sie der Trainer des Handball-Bundesligisten MT Melsungen aber wieder verließ, dauerte es einige Zeit. Als die Verantwortlichen der siegreichen TSV Hannover-Burgdorf und ihr Torjäger Ivan Martinovic schon längst den Raum der Pressekonferenz betreten hatten, war von Gudmundsson und Kapitän Finn Lemke noch lange nichts zu sehen.

Es gab „Redebedarf“, wie der Isländer später bestätigte. Kurzum: Die 20:28-Heimschlappe gegen die Hannoveraner war der nächste heftige Kratzer am Nervenkostüm der geprügelten Gastgeber.

„Wir haben das zweite Mal in dieser Saison mit acht Toren Unterschied gegen Hannover verloren. Wir sind dann einfach auch nicht besser. Die Zahlen lügen nicht“, erklärte Gudmundsson. Bei Lemke saß offenkundig der Stachel der Enttäuschung besonders tief: „Wir hätten heute ein besseres Paket liefern müssen. Das tut nur weh. Wir laufen den eigenen Ansprüchen meilenweit hinterher.“ Wenn sich das Team nicht berappelt, dann droht ihr schon am Sonntag ab 16 Uhr (Sky) beim TBV Lemgo Lippe die nächste Pleite. Wir blicken zurück und nach vorn:

Die Niederlage: Zwei Statistiken sprechen für sich: Die MT leistete sich neun technische Fehler und 18 Fehlwürfe. „Die technischen Fehler sind eine ewige Aufgabe für uns. Wir lagen in dieser Saison schon häufiger im Bereich von neun oder zehn. Das ist eine zu hohe Quote“, sagte Gudmundsson und fügte hinzu: „18 Fehlwürfe sind nicht akzeptabel.“ In der Schlussphase brach die MT völlig ein. Die 21:19-Führung in der 48. Minute bauten die Gäste noch zum 28:20-Endstand aus – ein 7:1-Lauf in den letzten zwölf Minuten.

Mit dem besten Torschützen Martinovic, der 2022 zur MT wechselt und acht seiner neun Tore in der ersten Hälfte erzielte, und Torhüter Urban Lesjak hatte Hannover zwei Garanten für den Sieg. „Wir hatten noch eine Rechnung offen. Man hat gemerkt, dass wir viel motivierter ins Spiel gegangen sind“, sagte Martinovic, der damit auf die Niederlage im Pokal-Halbfinale anspielte. Gerade in der zweiten Halbzeit war es beeindruckend, wie die junge Garde der Recken um Veit Mävers (20), Martin Hanne (20) und Vincent Büchner (23) wirbelte. „Am Ende der sehr langen Saison sind alle Teams müde. Wir waren vielleicht ein bisschen frischer, weil wir mehr Spieler einsetzen“, sagte TSV-Trainer Carlos Ortega. Gudmundsson wechselte wie so häufig im Rückraum kaum, ließ Julius Kühn und Kai Häfner fast durchspielen.

Klar ist: Mit der Leistung gegen Hannover wird es für die MT schwer, in den letzten drei Partien überhaupt noch etwas Zählbares zu holen. Im schlimmsten Fall könnten die Melsunger, die auf dem achten Platz stehen, noch von Göppingen und Wetzlar überholt werden und auf den zehnten Rang zurückfallen.

Die Chance: Der Auftritt in Lemgo ist die Neuauflage des Pokalendspiels von vor zwei Wochen, in dem die MT in Hamburg klar das Nachsehen hatte. Bei einem Sieg im Lipperland würden sich die Mienen der Spieler zumindest etwas aufhellen. Allerdings muss Gudmundsson dafür über seinen eigenen Schatten springen, noch mehr wechseln und Spieler wie Lasse Mikkelsen, Ole Pregler und Stefan Salger nicht nur für ein paar Augenblicke auf das Feld beordern.

Die vergangenen Partien haben gezeigt, dass speziell Kühn und Häfner in dieser besonders langen und kräftezehrenden Saison nun ihre Pausen benötigen. Seit Anfang Januar absolvierte Rückraumschütze Kühn 37 Spiele (!) – Auftritte mit der Nationalmannschaft eingerechnet. Und wenn der Halbrechte Häfner nicht im März kurzzeitig ausgefallen wäre, dann hätte er genauso viele Einsätze vorzuweisen. Nach der Saison haben sie voraussichtlich nur ein paar Tage frei – dann beginnt schon die Vorbereitung auf das olympische Handball-Turnier in Tokio.

Zuvor stehen aber noch ein Heimspiel gegen die Füchse Berlin (Mittwoch) und der Saisonabschluss beim TVB Stuttgart (27. Juni) an. Der Auftritt vom Donnerstag macht wenig Hoffnung auf weitere überzeugende Leistungen. (Manuel Kopp und Björn Mahr)

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