Melsunger Schlussmann wechselt zu Bjerringbro-Silkeborg

Leiser Abgang von MT-Torwart Johan Sjöstrand - seine Gala von Erlangen bleibt unvergessen

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Ein exzellenter Rückhalt: Johan Sjöstrand spielte seit 2015 für die MT. 

Fünf Jahre stand er beim Handball-Bundesligisten MT Melsungen zwischen den Pfosten. Nun wechselt Johan Sjöstrand im Sommer zum dänischen Erstligisten Bjerringbro-Silkeborg. 

Schlechte Nachrichten braucht es nicht – noch weniger in Corona-Zeiten. Johan Sjöstrand, der scheidende Torwart des Handball-Bundesligisten MT Melsungen, musste in den vergangenen Wochen schon zwei bittere Nachrichten verkraften.

Zum einen traf ihn der überraschende Tod des ehemaligen Gummersbacher Profis Fredrik Larsson, der bei einem Radunfall ums Leben kam. „Wir haben früher in derselben Straße gewohnt und haben uns gut gekannt“, sagt Sjöstrand, der wie sein ehemaliger schwedischer Nationalmannschaftskollege aus der Stadt Skövde stammt.

Zum anderen machte zuletzt wieder das linke Knie zu schaffen. Seitdem Sjöstrand 2015 aus Kiel nach Melsungen wechselte, musste er deswegen zweimal operiert werden. „Ich fahre jetzt viel Fahrrad“, sagt der 32-Jährige, der ein individuell abgestimmtes Trainingsprogramm abspulen muss. Zurzeit weilt er in seiner Heimat – in der Nähe von Malmö. Dort kommt seine Freundin Tina her.

Bis Ende Juni ist er noch ein Teil der MT-Familie, danach steht er offiziell im Aufgebot von Bjerringbro-Silkeborg. Sollte das Virus den Planungen des dänischen Erstligisten keinen Strich durch die Rechnung machen, beginnt beim nordeuropäischen Topklub am 20. Juli die Vorbereitung auf die nächste Saison.

Wegen der Pandemie konnte Sjöstrand sich von seinen Melsunger Kameraden nicht mehr richtig verabschieden. Wenn er jetzt für seine Zeit in Nordhessen Bilanz zieht, dann blickt er mit gemischten Gefühlen zurück. Natürlich erinnert er sich gern an die Serie 2015/16. „Das war eine super Saison. Wir haben in diesem Jahr unter anderem in Flensburg gewonnen und zu Hause Kiel und die Rhein-Neckar Löwen geschlagen“, sagt Sjöstrand. Damals erreichte er mit der MT den vierten Tabellenplatz – bis heute die beste Platzierung der Melsunger in der 1. Bundesliga. Der Schlussmann wurde von den MT-Fans sogar zum Spieler der Saison gekürt. In dieser Zeit entwickelte sich auch eine Freundschaft zu Linksaußen Michael Allendorf, den Müller-Zwillingen Philipp und Michael und Patrik Fahlgren

„Johan ist ein absoluter Profi“, lobt MT-Kapitän Finn Lemke den Schweden. „Du siehst es ihm nicht an, wenn er brodelt. Mich hat er im Training regelmäßig platt gemacht“, sagte der Rückraum-Hüne ehrfurchtsvoll über den erfahrenen Rückhalt. Im Mannschaftsbus saßen die beiden hintereinander und verdrehten immer die Augen, wenn sie auf den Laptop-Bildschirm des jeweils anderen schauten. Sjöstrand sieht gern Pferderennen, Lemke anderen Menschen beim Krafttraining zu.

„Die letzten beiden Jahre verliefen leider sportlich enttäuschend“, resümiert Sjöstrand. Er bekam wenig Gelegenheit sich auszuzeichnen – der Montenegriner Nebojsa Simic war die Nummer eins zwischen den Melsunger Pfosten. Es war spürbar, dass Sjöstrand, der zu Zeiten eines René Villadsen und eines Svetislav Verkic noch gesetzt war, die Rolle als Ersatzmann nicht sonderlich behagte.

Dabei konnten sich die Nordhessen beim Schweden bedanken, dass sie sich 2019 zum dritten Mal für den Europapokal qualifizierten. Denn am vorletzten Spieltag der Serie 2018/19 leitete der Torwart in Nürnberg gegen den HC Erlangen die Wende ein. Sieben Minuten vor Schluss lag die MT 21:24 zurück – dann krönte der eingewechselte Sjöstrand seine Gala-Vorstellung mit einem gehaltenen Siebenmeter von Nico Büdel. Damit war der Skandinavier Wegbereiter eines knappen 25:24-Auswärtserfolges, durch den die Melsunger den wichtigen fünften Tabellenrang verteidigten.

In diesem Februar tat sich Sjöstrand beim Auftritt im EHF-Cup in Silkeborg hervor. Zwar verlor er mit der MT 31:35, seinem kommenden Arbeitgeber zeigte er aber schon einmal, welche Qualität in ihm steckt.

Hintergrund

Mit dem Abgang von Johan Sjöstrand verabschiedet sich nun auch der letzte schwedische Handball-Profi von der MT Melsungen. Mehr als ein Jahrzehnt lang war der Kader des nordhessischen Bundesligisten mit Spielern aus dem skandinavischen Land geprägt. Los ging es mit Linksaußen Daniel Tellander und Angreifer Anders Jacobson, die gemeinsam 2007 bei den Nordhessen anheuerten. Zu dieser Zeit wurde die Melsunger Mannschaft von einem ihrer Landsleute trainiert: Robert Hedin. Später setzte die MT immer mehr auf die schwedische Karte – vor allem wegen der guten Torwartschule der Skandinavier. So durften sich zunächst Robert Lechte und der Ex-Hamburger Per Sandström zwischen den MT-Pfosten beweisen. Und vor Sjöstrand glänzte ein gewisser Mikael Appelgren, inzwischen die Nummer eins bei den Rhein-Neckar Löwen. Einen bleibenden Eindruck bei den Melsungern hinterließen zudem Kreisläufer Anton Mansson, Spielmacher Patrik Fahlgren und Rückraumstratege Jonathan Stenbäcken. 

Quelle: HNA

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