Ex-Nationalspieler sieht sein Team auf gutem Weg

MT-Trainer Heiko Grimm im Interview: "Die Jungs folgen mir"

Kassel. Nach der Saison ist vor der Saison. Heiko Grimm, der Trainer des Handball-Bundesligisten MT Melsungen, blickt im Interview dieser Zeitung nicht nur nach vorn, sondern auch noch einmal zurück. Seine wichtigste Erkenntnis: „Wir haben zueinander gefunden.“

Die Saison ist abgeschlossen. Wie dringend brauchen Sie den Urlaub?

Heiko Grimm: War doch locker (schmunzelt). Im Ernst, ich freue mich schon auf den Urlaub. Ich habe nach dem letzten Spiel zur Mannschaft gesagt, dass ich niemand bin, der gern Krisen heraufbeschwört. Aber wenn es eine gibt, dann freue ich mich, wenn man zusammenhält und sich gemeinsam da herausarbeitet. Und ich finde, dass wir das sehr gut gemacht haben. Aber klar hat das auch Energie gekostet.

Trotzdem bieten Sie bereits ein paar Tage vor dem offiziellen Start in die Vorbereitung ein freiwilliges Training an - wieso?

Grimm: Die ersten Tage gehen für Foto-Shootings drauf, ich würde aber gern länger trainieren. Allerdings wollte ich den bereits bestehenden Plan nicht ändern. Einige Spieler haben ja auch entsprechend Urlaub gebucht. Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich die Atmosphäre einfach super finde, wenn jemand freiwillig trainiert. Davon bin ich Fan.

Glauben Sie, dass da alle erscheinen werden?

Grimm: Ich bin keinem böse, wenn er nicht da ist. Es ist alles freiwillig.

Blicken wir aber erst noch mal auf die abgelaufene Saison zurück. Wie fällt ihr Fazit aus?

Grimm: Nach meinem Beginn als Cheftrainer gingen die ersten beiden Spiele verloren. Das war hart für alle Beteiligten. Aber wenn man sieht, wie wir da herausgekommen sind, ist klar, dass die Leistung nur der allgemeinen Situation geschuldet sein konnte. Die Freistellung von „Schorle“ Roth hat zweifelsohne hohe Wellen geschlagen. Und gerade für die Spieler, die jahrelang unter ihm gespielt haben, trat plötzlich eine ganz neue Situation ein.

Ich kann nur eines sagen: Wir haben immer weiter gut zusammengearbeitet. Die dreiwöchige Wettkampf-Pause ist optimal gelaufen. Durch das Laufen und durch das Boxtraining haben wir die Köpfe freibekommen. Es freut mich, dass die Mannschaft auch ungewöhnliche taktische Dinge umgesetzt hat. Das zeigt mir: Die Jungs folgen mir.

Können Sie sagen: Ja, ich bin angekommen als Trainer in der Bundesliga?

Grimm: Ich muss schon sagen: Es ist doch noch mal etwas anderes, Cheftrainer zu sein. Wenn ich nur mal das Spiel am Sonntag in Magdeburg nehme: Da ging einiges ab. Etwa 40 Grad unterm Dach, 6000 fanatische Fans in der Halle und dann ist auch bei uns auf der Bank noch einiges los – ich bin unter anderem auch für die Wechsel zuständig. Früher habe ich alles selbst gemacht. Nun wächst bei mir die Erkenntnis: Das geht gar nicht und ist auch nicht sinnvoll. Ich bin mega-froh, nächste Saison Ari Haenen als Co-Trainer an meiner Seite zu haben.

Der Startschuss für Sie als Chefcoach kam plötzlich und unerwartet. Hätten Sie sich einen sanfteren Übergang gewünscht?

Grimm: Es war sicher auch eine Gefahr da. Ich weiß nicht, was gewesen wäre, wenn ich noch drei Spiele verloren hätte. Im Nachhinein lässt sich sagen, dass der Plan von Manager Axel Geerken aufgegangen ist. Wir haben im April schon begonnen, einige Sachen, beispielsweise im taktischen Bereich, zu verändern. Wir haben uns besser kennengelernt. Einige haben kritisiert, die MT habe für mich eine unnötige Drucksituation geschaffen. Ich sehe das nicht so. Im Sommer wäre der Druck nicht anders gewesen.

Was waren für Sie die positiven Erkenntnisse seit dem Beginn ihres Engagements im Winter?

Grimm: Wir haben zueinander gefunden – das war das Wichtigste. Der Sieg bei den Rhein-Neckar Löwen war eine schöne Sache.

Und die negativen?

Grimm: Dazu sage ich nur so viel: Wir können uns noch in allen Bereichen verbessern.

Welcher Spieler hat Sie besonders überrascht?

Grimm: Finn Lemke. Ich kannte ihn ja nicht, aber – unabhängig von seinen sportlichen Qualitäten – er hat es in kürzester Zeit geschafft, dass er im Team unheimlich anerkannt ist. Er ist im Umgang mit den Kollegen sehr sozial und kein Lautsprecher. Hervorheben muss ich auch Julius Kühn – der ist eine echte Maschine. Und obwohl er diese Klasse hat, ist er auf dem Boden geblieben. Der wirft heute zwölf Tore und gibt sich am nächsten Tag trotzdem sehr bescheiden.

Inwieweit stehen Sie noch mit Michael Roth in Kontakt?

Grimm: Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und wollen uns im Juli mal wieder treffen.

Worauf freuen Sie sich am meisten in der nächsten Saison?

Grimm: Zuerst einmal auf die Vorbereitung. Schon als Spieler fand ich diese Zeit gut. Da ist der Druck nicht so groß und du kannst mit einer guten Planung sukzessive ein Team aufbauen. Ich freue mich auch auf die Neuzugänge Domagoj Pavlovic, Simon Birkefeldt und Yves Kunkel. Wir haben uns mit diesen Spielern definitiv verstärkt.

Heiko Grimm (40) fungiert seit Anfang April als Chefcoach des Handball-Bundesligisten. Zuvor war er Co-Trainer von Michael Roth, bis dieser freigestellt wurde. Der gebürtige Miltenberger war bis Dezember 2017 Trainer und Sportlicher Leiter beim Schweizer Erstligisten Kriens-Luzern. Während seiner Karriere als Aktiver spielte Grimm bei folgenden Bundesliga-Klubs: Großwallstadt, Wallau-Massenheim, HSV Hamburg, Melsungen. Er bestritt 48 Länderspiele und wurde unter anderem 2004 mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister. Grimm ist verheiratet.

Weitere Nachrichten zur MT Melsungen finden Sie in unserem Spezial zur Bundesliga-Mannschaft.

Der voraussichtliche MT-Kader für die Saison 2018/19

Tor: Johan Sjöstrand, Nebojsa Simic 

Rückraum: Michael Müller, Philipp Müller, Timm Schneider, Lasse Mikkelsen, Finn Lemke, Julius Kühn, Simon Birkefeldt, Domagoj Pavlovic, Gabor Langhans. 

Linksaußen: Yves Kunkel, Michael Allendorf, Finn Backs. 

Rechtsaußen: Tobias Reichmann, Dimitri Ignatow. 

Kreis: Felix Danner, Marino Maric.

Quelle: HNA

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