Handball

MT Melsungen: Ignatow geht nicht so ganz

So lässt es sich aushalten: Dimitri Ignatow genießt den Sonnenschein und die Aussicht bei einer Auszeit auf der Kasseler Dönche.
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So lässt es sich aushalten: Dimitri Ignatow genießt den Sonnenschein und die Aussicht bei einer Auszeit auf der Kasseler Dönche. Foto: Andreas Fischer

Dimitri Ignatow, der junge Handballer aus Fuldabrück, verlässt die MT Melsungen und geht nach Essen. Eine Reise mit Rückfahrschein gewissermaßen. 

Ein Träumchen. Die Luft. Der Himmel. Das Wetter. Dimitri Ignatow lässt den Blick über die Kasseler Dönche schweifen. Im Naturschutzgebiet geht der Rechtsaußen von Handball-Bundesligist MT Melsungen regelmäßig spazieren. Wenn er mal raus muss, wie er sagt – und fügt hinzu: „Das wird mir schon fehlen. Das Grüne hier in Nordhessen.“ Für den 21-Jährigen geht es in eine Region, die nicht gerade für ihre naturbelassene Schönheit bekannt ist. Ab nächster Saison spielt der Handballer für Tusem Essen.

Allerdings gilt für Ignatow das, was einst die Kölner Schauspielerin und Sängerin Trude Herr zum Besten gab: Niemals geht man so ganz. Denn Ignatows Engagement im Ruhrgebiet ist eines auf Zeit. Spätestens nach zwei Jahren soll er zur MT zurückkehren – so sieht der Plan aus (siehe Hintergrund). „Mir geht es jetzt vor allem darum, dass ich viel spielen kann“, sagt der junge Profi.

Und das sogar weiter in der ersten Liga. Infolge des Corona bedingten Saisonabbruchs hat der Traditionsklub aus Essen den Aufstieg ins Oberhaus perfekt gemacht. Ignatow nennt es ein Geschenk. Seine Eltern, die in Fuldabrück-Dennhausen leben, haben vorsorglich den Bezahlsender Sky bestellt, um auch ja kein Spiel des Sohnes zu verpassen. Der blickt dem Abschied mit gemischten Gefühlen entgegen: „Es ist schwer, Familie, Freunde und die Freundin zu verlassen“, sagt Ignatow. Erstmals wird er allein wohnen.

Eine Wohnung mitten in Essens Innenstadt hat er bereits gefunden, Ende Juni möchte er umziehen, und die Sache mit seinem Ritual ist ebenfalls geklärt. Vor Heimspielen isst Ignatow immer ein russisches Gericht, von der Mama zubereitet. Nun geht er davon aus, „dass ich nach Heimatbesuchen mit ganz viel Tupperdosen zurück nach Essen fahre“.

Auf seine zukünftigen Kollegen freut er sich. Die hätten ihm bereits Hilfe angeboten. Das Einleben in der Fremde sollte also kein Problem darstellen. Gleichwohl werde er die MT vermissen, gesteht Ignatow. Vor zwei Jahren wechselte er zu den Profis, spielte international und schaffte den Einzug ins Final Four des DHB-Pokals: „Die Spiele in Griechenland und Portugal und auch das Pokal-Viertelfinale gegen Berlin vor eigenem Publikum – das war überragend.“ Dass er das Finalturnier in Hamburg verpasst, habe ihn richtig geärgert. Jetzt müsse der Punkt Final Four eben wieder auf seine persönliche Checkliste.

Wenn Ignatow über die MT-Jahre spricht, fällt oft das Wort „dankbar“. Er sei dem Verein dankbar für die Chance, Bundesliga zu spielen. Und er sei vielen Spielern dankbar. Kapitän Finn Lemke zum Beispiel, mit dem er tolle Gespräche führte. Rechtsaußen-Kollege Tobias Reichmann, mit dem er das Zimmer teilte, von dem er viel gelernt hat und der für Ignatow ein Vorbild ist: „Das hört Tobi aber nicht gern.“ Und er nennt auch die Müller-Zwillinge, die ihn immer unterstützt und ihn gedrängt haben, eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann zu beginnen. „Als wären sie meine Eltern.“

Ignatow erzählt von einem Foto, das er kürzlich bei Facebook gepostet hat. Es entstand vor etlichen Jahren nach einem Spiel der MT Melsungen und zeigt den Teenager Dimitri, wie er sich ein Autogramm vom damaligen und heutigen Linksaußen Michael Allendorf holt. „Ich war Fan, und jetzt ist er Freund und Kollege.“

Den Zusammenhalt im Team werde er sehr vermissen, sagt Ignatow. Seinen Kumpel Yves Kunkel. Die Stimmung in der Rothenbach-Halle. Er nimmt sich vor, den Kontakt zu halten. Außerdem freut sich der Rechtsaußen auf die Duelle und das Wiedersehen in der kommenden Saison. Und überhaupt: Ignatow geht ja nicht so ganz. HINTERGRUND: Erst mal ein Jahr ins Ruhrgebiet

Dimitri Ignatow hat bei der MT Melsungen einen Vertrag bis 2024. Der 21 Jahre alte Rechtsaußen sollte mit einem Zweifach-Spielrecht in der nächsten Saison für Tusem Essen in der 2. Liga auflaufen. Nach dem Aufstieg der Essener in die 1. Liga ist das nicht mehr möglich. Deswegen wird Ignatows Vertrag bei der MT erst einmal für ein Jahr unterbrochen. Das sei lediglich eine formale Vorgehensweise, sagt MT-Vorstand Axel Geerken. Wie es zur Saison 2021/22 weitergeht, stehe jetzt noch nicht fest.

lip

Quelle: HNA

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