Die Melsunger Handballer und die Suche nach Ruhe

Was bei der Premiere des neuen MT-Trainers Heiko Grimm auffiel

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Redebedarf: Der neue MT-Trainer Heiko Grimm (rechts) und der verletzte Abwehrchef Finn Lemke haben nach der ersten Halbzeit gegen Hüttenberg einiges zu besprechen.

Kassel. Ernüchterung. Enttäuschung. Das sind nur zwei Begriffe, um die Gefühlslage rund um die MT Melsungen nach der bitteren Niederlage gegen Hüttenberg zu beschreiben.

Klar ist: Spieler, Fans und natürlich der neue Trainer haben sich den Auftritt gegen den mittelhessischen Abstiegskandidaten ganz anders vorgestellt. Nach turbulenten Tagen ist der heimische Handball-Bundesligist auf der Suche nach Ruhe – im Umfeld und auf dem Spielfeld.

Dafür sprechen mehrere Faktoren. Was bei der Premiere des neuen MT-Trainers Heiko Grimm auffiel:

  1. Der Wille zum Risiko: An Mut hat es dem neuen Trainer nicht gemangelt. Heiko Grimm hatte einen Plan. Er wechselte in der Deckung fleißig durch. Beispielsweise begann Julius Kühn in der Abwehr auf der Halbposition. Phasenweise agierte der Torjäger zudem im Mittelblock neben Youngster Johannes Golla, flankiert von Gabor Langhans und Spielmacher Lasse Mikkelsen. Die beiden Letztgenannten tauchten unter Grimms Vorgänger Michael Roth wenig bis gar nicht in der Verteidigung auf. Kurzum: Grimm zeigte Willen zum Risiko. „Mit ständig frischen Leuten wollten wir den Gegner zermürben“, begründete der 40-Jährige sein Vorgehen. Zumal die Hüttenberger nur mit vier Rückraumspielern auskommen mussten. Nur: Das Rotieren schien eher für Unsicherheit bei den MT-Profis zu sorgen – anders sind die Lücken nicht zu erklären. Vor allem der überragende Halbrechte Ragnar Johannsson profitierte von der Unruhe in der MT-Abwehr. „Wir haben dem Gegner zu viel Raum gelassen“, sagte Kreisläufer Felix Danner.
  2. Die Schwäche in der Mitte: Um die 3:2:1-Deckung der Mittelhessen zu überlisten, wollten die Melsunger das Spiel in die Breite zu ziehen. Das Bemühen war den Hausherren nicht abzusprechen. Allerdings entwickelten sie nicht den Druck aus der Mitte-Position – weder Lasse Mikkelsen noch Timm Schneider gelang es, das Spiel entsprechend zu steuern.
  3. Die Gespräche mit Finn Lemke: Was ist eigentlich mit Finn Lemke? Der MT-Abwehrchef fehlt an allen Ecken. Die Personalie sorgt für zusätzliche Unruhe. Mal heißt es, er sei wieder fit. Dann wieder, er müsse geschont werden. Der Verein macht keine klaren Aussagen. Gegen Hüttenberg trug der 2,10 Meter große Hüne nicht das rote Trikot als Spieler, sondern das schwarze Polo-Shirt als Betreuer. Und mit Grimm tauschte sich Lemke am Sonntag rege aus. Mitunter tobte der 25 Jahre alte Nationalspieler an der Seitenlinie wie ein Vulkan. Dagegen wirkte Grimm beinahe ruhig und schüchtern.
  4. Die fehlende Mentalität: Wie emotional ein Feuer abzubrennen ist, zeigten in der Rothenbach-Halle nicht die Nordhessen, sondern die Hüttenberger. Dabei hatte Grimm im Vorfeld gerade auf die Mentalität wert gelegt. Mit der nötigen Überzeugung gingen aber nur die Gäste zu Werke. Lag es an der Ansprache? Danner sagte: „Jeder Trainer macht es anders. Da kann man nicht sagen, was besser oder schlechter ist.“
  5. Der Druck vor dem Derby: Kommenden Sonntag steigt das nächste Hessenderby: Anwurf zum Gastspiel bei der HSG Wetzlar (Rittal-Arena) ist um 15 Uhr. „Wir müssen dann sehr viel besser machen als gegen Hüttenberg“, stellt Schlussmann Johan Sjöstrand fest, der zusammen mit MT-Torwartkollege Nebojsa Simic zumindest eine ordentliche Leistung gezeigt hatte. „Ich weiß gar nicht, was ich zu unserem Auftritt sagen soll“, bemerkte Sjöstrand ernüchtert. Deutlicher war die Reaktion von Simic, der wutentbrannt zur Kabine stapfte. Es wird Zeit, dass Ruhe einkehrt.

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Quelle: HNA

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