MT profitierte von Spielern mit DDR-Vergangenheit 

30 Jahre Mauerfall: Die ersten Melsunger Helden kamen aus dem Osten

+
Erst Magdeburg, später Melsungen: Jörg Förderer (hier 2011 beim Jubiläum 150 Jahre Melsunger Turngemeinde).

Heute vor 30 Jahren fiel die Berliner Mauer - und ausgerechnet heute empfängt die MT Melsungen Leipzig zum Bundesligaduell (20.30 Uhr).

Von in Ostdeutschland ausgebildeten Handballern profitierte nach der Wende auch die MT. 

Wenn die Handballer der MT Melsungen heute ab 20.30 Uhr in der Kasseler Rothenbach-Halle auf den SC DHfK Leipzig treffen, dann ist es eigentlich ein ganz normales Bundesligaspiel. Da aber vor exakt 30 Jahren die Grenze fiel, erstrahlt dieses Duell in einem besonderen Licht. Umso mehr, als zur Erfolgsgeschichte der Melsunger auch etliche Spieler und Trainer gehören, die in den Jugendsportschulen der DDR ausgebildet wurden. Ein Blick in die MT-Geschichte.

Die Anfänge

Kurz nach der Grenzöffnung verstärkte sich die MT, die zu dieser Zeit noch Melsunger TG hieß, mit zwei hervorragenden Außen vom SC Magdeburg: André Sperl und René Krüger. „Bei beiden haben wir sofort gespürt, dass sie eine sehr gute Ausbildung genossen haben“, erklärt Herbert Rausch rückblickend. Der frühere Manager baute in den 90er-Jahren zusammen mit Albin Schicker und dem inzwischen verstorbenen Karl Reinbold ein starkes Zweitliga-Team auf. 1996 erreichte Melsungen im DHB-Pokal sogar das Final Four in Hamburg.

„Es gab in der DDR kein Profitum. Aber Beruf und Schule wurden dem Sport untergeordnet“, erläutert Sperl. Wer es in eine der Handball-Hochburgen schaffte, der trainierte fortan zwei- bis dreimal pro Tag.

Der Sonderfall

Ein Spieler mit DDR-Vergangenheit bereicherte die Melsunger TG bereits sechs Jahre vor der Grenzöffnung. DDR-Handballer Udo Hentschke hatte sich 1983 nach einem Freundschaftsspiel von Stahl Eisenhüttenstadt in Baunatal abgesetzt. Hentschke war später sogar als Trainer bei den Melsungern tätig.

Die Hoch-Zeit

„Wir hatten die Chance, den Spielern gute Arbeitsplätze bieten“, verdeutlicht Rausch. Einige bekamen Jobs bei B.Braun, andere bei der Firma Linss in Malsfeld. Nach Sperl und Krüger wechselten noch mehr als ein halbes Dutzend Spieler mit Ost-Vergangenheit in die nordhessische Kleinstadt.

Jörg Förderer und Markus Pregler spielten in Magdeburg. Mario Lubadel, Uwe Findeisen und Martin Schmidt stammten aus der Kaderschmiede von Dynamo Berlin. René Croy und Mirko Tajzich machten beim SC Leipzig wichtige Entwicklungsschritte. Und Karsten Lehmann durchlief genauso wie der später verpflichtete Karsten Wöhler die Jugendsportschule in Frankfurt/Oder. Seine Wurzeln in Eisenach hatte Torwart Stefan Scheidt. In der Reihe nicht fehlen dürfen die Trainerlegenden Karl-Heinz Richter (Leipzig) und Hans-Joachim Ursinus (Eisenach).

Das kuriose Erlebnis

Mitte der Neunziger musste Zweitligist Melsungen immer mal wieder bei Ostklubs antreten. An ein Spiel hat Sperl besondere Erinnerungen. „Wir waren in Eisenach zu Gast“, sagt der frühere Magdeburger, „und die Fans haben uns immerzu als Wessis beschimpft. Dabei kam die Hälfte der Mannschaft aus dem Osten.“

Quelle: HNA

Kommentare