Interview

MT Melsungens Manager Axel Geerken: "Wir treten auf der Stelle"

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Fragender Blick: MT-Kapitän Michael Müller schaut in der Rothenbach-Halle auf den Ergebniswürfel an der Decke.

Kassel. Handball-Bundesligist MT Melsungen läuft derzeit den eigenen Ansprüchen und Saisonzielen hinterher. Über den Zustand der Mannschaft äußert sich MT-Manager Axel Geerken.

Wenig überzeugende Auftritte, nur 5:7 Punkte aus sechs Spielen, auf Platz sieben im Niemandsland der Tabelle - bei der MT Melsungen läuft es seit der Winterpause alles andere als rund. Dabei hatte sich der heimische Handball-Bundesligist so viel vorgenommen und wollte sich erneut für den Europapokal qualifizieren. Darüber sprachen wir mit Manager Axel Geerken.

Herr Geerken, das Wort Krise ist vielleicht übertrieben. Haben Sie einen passenderen Begriff für den aktuellen Zustand der MT?

Axel Geerken: Der Begriff Stagnation trifft es am besten. Wir sind nicht gefährdet, aber wir treten auf der Stelle.

Können Sie das etwas näher erläutern?

Geerken: Klar ist, wir haben mehr erwartet. In den vergangenen Jahren haben wir stets einen Schritt nach vorn gemacht. Und angesichts der Qualität dieser Mannschaft sollte nun die nächste Entwicklungsstufe folgen. Aber wir haben Schwierigkeiten, die Form zu finden. Die unnötigen Punktverluste haben den Druck zusätzlich erhöht. Womöglich macht sich der eine oder andere zu sehr einen Kopf. Unsere Spieler sind ja keine Holzklötze. Sie wissen, dass unser Anspruch und der der Spieler ein anderer ist. Das führt womöglich zur Verunsicherung.

Gerade im Hinblick auf die hochkarätigen Neuzugänge fragen sich nicht nur die Fans: Warum läuft es nicht?

Geerken: Ich bin kein Freund von Ausreden. Aber sicherlich warf uns die prekäre Verletzungssituation zurück. Am Sonntag gegen Lübbecke wird Michael Roth wohl erstmals der komplette Kader zur Verfügung stehen. In den Monaten zuvor mussten die Trainer stets improvisieren. Es ist nie gut, in ständig wechselnden Besetzungen antreten zu müssen.

Aber warum kam mit den neuen Spielern noch nicht der erhoffte Schub?

Geerken: Damit wir uns richtig verstehen: Die neuen Spieler funktionieren für sich sehr gut. Aber selbstkritisch muss ich sagen, dass wir die Situation falsch eingeschätzt hatten. Fünf Neue zu integrieren, fast alle auf zentralen Positionen, braucht doch mehr Zeit, als wir es uns wünschen. Die Automatismen sind noch nicht da.

Spieler und Trainer beklagen sich über den luftigen Spielplan, dass so kein Rhythmus entstehen könne. Haben Sie dafür Verständnis?

Geerken: Ich teile diese Ansicht nicht. Der Spielplan ist, wie er ist. Wir wollen uns doch nicht beklagen, dass wir weniger Spiele in einem bestimmten Zeitraum haben. Ich sehe die Situation nicht als Nachteil, sondern als Chance. Jetzt können wir an unseren Defiziten arbeiten.

Apropos Defizite: Die MT ließ es zuletzt in der Deckung an Aggressivität vermissen.

Geerken: Uns fällt es zurzeit leichter, Tore zu erzielen als zu verhindern. Das war in der Hinrunde noch anders. Sicherlich lief es zuletzt auch auf der Torwartposition nicht so gut. Nebojsa Simic ist nun wieder fit. Und klar ist: Von Johan Sjöstrand erwarte ich mehr. Gleichwohl muss die Abwehr besser spielen. Zum Restrunden-Auftakt gegen Leipzig war die Intensität da. Warum wir zuletzt so passiv waren, kann ich mir nicht erklären. Und die Ausrede, dass Finn Lemke fehlte, lasse ich nicht gelten.

MT Melsungen - der Kader der Saison 2017/2018

Stellt das Trainerteam die Mannschaft nicht richtig ein?

Geerken: Spieler und Trainer haben Fehler gemacht. Und wir beschäftigen uns damit, dass Michael Roth schon eine lange Zeit bei uns ist. Deswegen haben wir Co-Trainer Heiko Grimm geholt. Für neue Impulse. Auch das braucht Zeit. Aber die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Wir blicken ja schon auf die kommende Saison. Da werden wir Dinge neu justieren.

Personeller Natur?

Geerken: Ich kenne auch die Gerüchte. Roth werde Sportdirektor. Ich kann Ihnen versichern: Es sind keine personellen Veränderungen an der Seitenlinie geplant. Wir sind halt an einem Punkt angekommen, an dem die Erwartungen steigen, die Entwicklungsschritte aber kleiner werden. Ich traue dieser Mannschaft in der Zukunft vieles zu - also auch viel Gutes.

Und nun, welche Ziele hat die MT in dieser Saison noch?

Geerken: Von Medien und Experten wurden wir ja als Titelkandidat gehandelt. Wir haben das übrigens nie gesagt. Die Spitze in der Liga ist breit, wir gehören momentan leider nicht dazu, haben aber das Potenzial. Jetzt gibt es die Herausforderung, sich reinzuhängen und die Saison nicht einfach so austrudeln zu lassen. Klar ist aber, aktuell brauchen wir über den EHF-Cup nicht reden.

Haben Sie die Befürchtung, dass nicht mehr so viele Zuschauer in die Halle kommen?

Geerken: Die Gefahr ist da, klar. Die Entwicklung in dieser Saison ist ja phänomenal. Umso wichtiger, dass wir uns gerade zu Hause richtig gut präsentieren und die Fans mitnehmen. Wir brauchen jetzt eine Partie, in der wir uns regelrecht freispielen. Am besten gleich am Sonntag gegen Lübbecke (wir übertragen das Spiel per Liveradio).

Zur Person

Axel Geerken (45) arbeitet seit 2012 als Manager beim Handball-Bundesligisten MT Melsungen. Zuvor war er Geschäftsführer beim VfL Gummersbach und bei der HSG Wetzlar. Als Profi stand der gebürtige Oldenburger bei Wetzlar, Kiel und Großwallstadt zwischen den Pfosten. Nach einer Weiterbildung an der Sporthochschule in Köln trägt er den Titel „European Handball Manager“. Geerken ist verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohnes.

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Quelle: HNA

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