MT-Kapitän Finn Lemke im Interview

MT-Kapitän Finn Lemke: „Ich übernehme gern Verantwortung“

Kassel. Für Handball-Bundesligist MT Melsungen geht es wieder los. Vor dem Pokal-Wochenende haben wir mit dem neuen Kapitän Finn Lemke gesprochen.

Wenn die MT Melsungen am Samstag in der ersten Runde des DHB-Pokals startet, wird Finn Lemke erstmals in einem Pflichtspiel den heimischen Handball-Bundesligisten als Kapitän aufs Feld führen. Überhaupt hat sich beim 2,10 Meter großen Abwehrchef einiges getan in jüngster Zeit. Vor gut einem Monat kam sein Sohn zur Welt.

Herr Lemke, wie sieht es mit Ihrem Schlaf aus?

Finn Lemke: Ich kann nicht klagen. Ich habe das Glück, dass meine Frau viel übernimmt. So bekam ich während der Vorbereitungszeit ganz gut meine Regenerationsphasen. Die Vaterrolle macht mir viel Spaß. Wenn der Kleine bei mir auf der Brust liegt, setzt das Energie frei. Diese Momente entschädigen für alles.

Was hat die Geburt bei Ihnen ausgelöst?

Lemke: Wenn die Leute sagen, ein Kind verändere alles, kann ich nur sagen: Stimmt! Die Prioritäten verschieben sich komplett. Ich freue mich tierisch, nach Hause zu kommen – also noch mehr als früher. Mein Sohn ist ständig in meinem Kopf, ich will alles wissen. Meine Frau meckert schon, dass ich zu oft anrufe.

Nicht nur privat hat sich einiges verändert – seit dieser Saison sind Sie Kapitän...

Lemke: Aber so viel ändert sich da nicht. Okay, ich werde als Erster einlaufen, und für die neuen Spieler bin ich Ansprechpartner Nummer eins. Aber sonst? Ich hatte mich schon früher damit auseinandergesetzt, ob ich mir die Aufgabe vorstellen kann. Jetzt bin ich bereit dafür. Ich übernehme gern Verantwortung.

Der Trainer lobt vor allem Ihre sozialen Kompetenzen. Hört sich gut an, oder?

Lemke: Mit Trainer Heiko Grimm und auch mit Michi Müller, unserem ehemaligen Kapitän, habe ich mich viel unterhalten. Es ging bei der Entscheidung nicht darum, irgendeinen abzusägen. Grundsätzlich bin ich sehr harmoniebedürftig. In meiner Gegenwart sollen sich alle wohlfühlen. Ich versuche, den Menschen respektvoll zu begegnen, dann bekomme ich in der Regel den Respekt zurück.

Zuletzt bei der Teamvorstellung glänzten Sie mit lockeren Sprüchen. Ist das die andere Seite des Finn Lemke?

Lemke: Nun ja, normalerweise halte ich mich lieber im Hintergrund auf. Schließlich falle ich schon genug auf. Aber ich kann auch anders.

Apropos anders: Tobias Reichmann ist neuer Co-Kapitän. Ist bei der MT alles neu?

Lemke: Es geht darum, die verantwortungsvollen Aufgaben noch mehr zu verteilen. Wir haben ein bisschen umstrukturiert, mehr nicht. Die Vorgänger haben ihre Aufgaben hervorragend gemacht. Und es wäre fatal, wenn ein Michi Müller nichts mehr sagen würde. Wir brauchen seine direkte und ehrliche Art.

Trotzdem: Steht die MT nach der verkorksten Vorsaison vor einem Neustart?

Lemke: Jede Saison ist doch ein Neustart. Zumal wir in der vergangenen Spielzeit unsere Ziele nicht erreicht haben. Ich bin guter Dinge und von unseren Neuzugängen positiv überrascht. Simon Birkefeldt spricht richtig gut deutsch, Domagoj Pavlovic versteht zumindest alles, und Yves Kunkel – der kommt zwar aus dem Saarland, versteht aber trotzdem unsere Sprache. Nein, im Ernst: Die Jungs, auch Dimitri Ignatow, sind super integriert.

Ist die Mannschaft in der Lage, im nächsten Juni auf einem der ersten fünf Tabellenplätze zu landen?

Lemke: Das ist unser Ziel. Aber ich blicke nicht gern so weit voraus. Für mich zählt das erste Saisonspiel gegen Magdeburg vor eigenem Publikum. Am Ende der Saison wollen wir vor denen stehen. Also können wir gleich ein Zeichen setzen. In der Vorbereitung haben wir viel im physischen Bereich gearbeitet. Sind zusammengewachsen. Alle haben das Training durchgezogen. Jetzt fehlt spielerisch der letzte Feinschliff.

Geht zuversichtlich in die Saison: Finn Lemke.

Dafür kommt der Pokal doch gerade recht, oder?

Lemke: Na klar, wir sind klarer Favorit – das ist eine Pflichtaufgabe. Das Final Four ist zwar noch weit weg, aber das Ziel müssen wir im Kopf haben. Das Turnier in Hamburg ist einmalig auf der Welt. Mit Magdeburg durfte ich erleben, wie schön es ist, dort zu gewinnen.

Auf was dürfen sich die MT-Fans in der Kasseler Rothenbach-Halle freuen?

Lemke: Wir werden schneller spielen, und wir wollen mit den Fans wieder eine tolle Einheit bilden. Dafür müssen wir gerade in den Heimspielen alles reinlegen.

60 Minuten Vollgas?

Lemke: Natürlich. Wir wollen maximal professionell auftreten. Das geht aber über die reine Spieldauer hinaus und fängt viel früher an. Wie gut bin ich vorbereitet, wie gut habe ich geschlafen und gegessen, wie intensiv habe ich das Video angeschaut? Darauf kommt es auch an.

Gibt’s Schallschutz-Kopfhörer für den Sohnemann?

Lemke: Die hat er schon bekommen. Ich hoffe, er ist beim ersten Heimspiel als Glücksbringer dabei.

Zur Person

Finn Lemke (25) kam im Sommer 2017 vom SC Magdeburg zur MT Melsungen. Zuvor spielte der gebürtige Bremer für den TBV Lemgo und seinen Heimatklub HSG Schwanewede/Neuenkirchen. Der 2,10 m große Rückraumspieler gewann mit der deutschen Nationalmannschaft 2016 den EM-Titel und Olympia-Bronze. Lemke hat mit seiner Frau Jacqueline einen Sohn. Die Familie lebt in Kassel.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Andreas Fischer

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