Spiel endet 28:25 

MT-Handballer Reichmann nach Heimsieg: "Die Erleichterung ist groß"

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Gestoppt: Die Melsunger Simon Birkefeldt (links) und Tobias Reichmann (rechts) hindern Hannovers Pavel Atman am Torwurf. 

„Die Erleichterung ist groß“, sagte Tobias Reichmann nach dem wichtigen 28:25-Heimsieg der MT Melsungen in der Handball-Bundesliga gegen die TSV Hannover-Burgdorf.

Aber selbst wenn es der Rechtsaußen nicht explizit erwähnt hätte, wäre es ein Leichtes gewesen, die Stimmung im MT-Lager zu analysieren.

Ja, es herrschte kollektive Freude – die Spieler waren nur so zu Späßen aufgelegt. Angesprochen auf das nachträgliche Geburtstagsgeschenk seiner Mannschaft, antwortete der starke Spielmacher Lasse Mikkelsen lachend: „Ich muss ja den Jungs etwas mitbringen.“ Bei der MT ist es üblich, dass nach einem Geburtstag in der Kabine aufgetafelt wird – und Mikkelsen wurde zu Beginn dieser Woche 31 Jahre alt. Allerdings muss er sich nicht allein den Kopf zerbrechen. Im Mai wurde schon Yves Kunkel ein Jahr älter, und am Montag hat auch noch Reichmann Jubeltag.

Naturgemäß etwas nüchterner betrachtete Trainer Heiko Grimm die Leistung seines Teams. So verschloss er nicht die Augen davor, dass bei seiner Mannschaft anfangs „eine gewisse Verunsicherung“ zu spüren war. Andererseits lobte er sie für eine verbesserte Mentalität: „Es war ein richtig intensives Spiel, es wurde sich nichts geschenkt. Deshalb freue ich mich noch mehr über diesen Sieg.“

Starker MT-Torwart: Nebojsa Simic.

Nach 15 Minuten, in denen die Melsunger viel liegenließen und einem Rückstand hinterherlaufen mussten, fanden sie über den Kampf ins Spiel. Es waren Kleinigkeiten, die den Nordhessen die Sicherheit zurückgaben: Felix Danner packte sich TSV-Spielmacher Pavel Atman, Kapitän Finn Lemke und Danner versperrten Timo Kastening den Weg zum Kreis, und der eingewechselte Michael Allendorf schob den ballführenden Nejc Cehte sehr energisch fast ins Seitenaus. „Es ging ein Ruck durch unser Team“, befand Allendorf. 

Und Mikkelsen ergänzte: „Wir hatten viel zu verlieren. Es war ein Spiel für die ganze Saison. Nun nehmen wir viel Schwung mit.“ Erkennbar war das daran, dass Timm Schneider, Domagoj Pavlovic und Simon Birkefeldt nach Anlaufschwierigkeiten für die verletzt fehlenden Roman Sidorowicz und Michael Müller in die Bresche sprangen.

"Es geht um Willen" 

Die Melsunger Hintermannschaft gab den Niedersachsen zusehends mehr Rätsel auf. Kein Wunder, dass die MT mit einem 5:1-Lauf den zweiten Durchgang eröffnet hatte. Zudem war Schlussmann Nebojsa Simic ein fantastischer Rückhalt. „Er hat uns in einigen Situationen den Allerwertesten gerettet“, stellte Reichmann fest. „Danke Tobi für das Kompliment“, sagte der Montenegriner schmunzelnd, „mir ist es heute ganz gut gelungen, Kontinuität in mein Spiel zu bringen.“ 

Sein Gegenüber Urban Lesjak hatte stark angefangen, aber im Gegensatz zu Simic, der allein drei Siebenmeter parierte, das hohe Niveau nicht gehalten.

„In dieser Phase der Saison geht es nicht mehr so sehr um Taktik, in erster Linie um Willen – und den haben wir bewiesen“, erklärte Allendorf. Im Kampf um die Ränge fünf und sechs, die eine Teilnahme am Europacup ermöglichen, hält Melsungen jetzt weiterhin alle Trümpfe in der Hand. 

Am kommenden Mittwoch tritt die MT ab 20.30 Uhr beim HC Erlangen an. „Die Energie aus dem Spiel gegen Hannover müssen wir auch in die Partie in Nürnberg mitnehmen“, stellen Simic und Reichmann klar. Wenn dies gelingen sollte, dürfte die Erleichterung bei den Melsungern noch größer sein als am Donnerstag.

Geerken und Grimm 2004 gemeinsam im Allstarteam

Was viele Handball-Fans nicht wissen: Lange bevor Axel Geerken und MT-Trainer Heiko Grimm damit begannen, Seite an Seite bei der MT Melsungen zu arbeiten, waren sie Teamkollegen in der Bundesliga. In der Saison 1997/98 erreichten sie mit dem TV Großwallstadt den neunten Platz. Zum damaligen Team der Franken gehörten so bekannte Spieler wie Jackson Richardson, Andreas Dörrhöfer, Nenad Kljaic und Bernd Roos.

Was aber noch deutlich weniger Melsunger Anhänger wissen dürften: Exakt heute vor 15 Jahren standen Torwart Geerken und Spielmacher Grimm noch einmal gemeinsam auf dem Feld – beim Allstarspiel der Handball-Bundesliga in Braunschweig. Die späteren MT-Verantwortlichen spielten mit der Mannschaft Süd/Ost gegen Nord/West. Der Endstand: 42:42. 7000 Zuschauer erlebten viele Topstars in Aktion: Neun spätere Weltmeister waren dabei – von Florian Kehrmann über Johannes Bitter bis hin zu Pascal Hens.

Quelle: HNA

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