Melsungen: Ex-Nationalspieler ziehen WM-Bilanz - „Dieses Debakel nicht erwartet“

Zwei Melsunger, die das Trikot der deutschen Handball-Nationalmannschaft bereits getragen haben: Andrej Klimowets (links) wurde 2007 im eigenen Land Weltmeister. Michael Allendorf (rechts) lief zweimal für Deutschland auf. Fotos: dpa

Melsungen. Als der Melsunger Handball-Profi Andrej Klimowets das letzte Mal das deutsche Nationaltrikot trug, verpasste er mit der DHB-Auswahl knapp den Einzug ins Viertelfinale bei den Olympischen Spielen in Peking 2008.

Eine kleine Enttäuschung, die aber mit dem respektablen fünften Rang der Deutschen bei der WM einige Monate später in Kroatien verflog. Aber kein Vergleich zu dem Abschneiden bei der derzeitigen Weltmeisterschaft in Schweden, wo es für Deutschland heute gegen Argentinien das Spiel um den elften Platz gibt.

„Die Entwicklung ist ganz schlecht für den deutschen Handball“, sagt Klimowets, immerhin 71 Mal im DHB-Dress aufgelaufen. Tief getroffen zeigt sich auch sein 24 Jahre alter MT-Teamkollege Michael Allendorf, der bereits zweimal für Deutschland auf Linksaußen aufgeboten wurde: „Ich wusste vor der WM, dass dieser Mannschaft etwas fehlt. Aber solch‘ ein Debakel hätte ich nicht erwartet, das Bild hierzulande von unserem Sport wurde doch arg getrübt.“

Michael Allendorf

Wie bei anderen Bundesligisten auch wurde am Tag nach der deutschen Pleite gegen Norwegen intensiv über die Ursachen und die Wege aus der Krise diskutiert. War es richtig, den Routinier Torsten Jansen vom HSV Hamburg nicht zu berücksichtigen? Wo ist die Hierarchie in der Mannschaft?

„Ich wusste vor der WM, dass dieser Mannschaft etwas fehlt. Aber solch‘ ein Debakel hätte ich nicht erwartet, das Bild hierzulande von unserem Sport wurde doch arg getrübt.“

Klimowets, 2007 noch mit Leuten wie Hens, Kraus, Roggisch, Preiß und Bitter Weltmeister geworden, meint, dass die Erwartungshaltung im Vorfeld zu hoch gewesen ist: „Da sind einige junge Spieler dabei, die Zeit brauchen. Und die Erfahrenen mussten es dann mit Gewalt und der Brechstange versuchen, anstatt das Mannschaftsspiel zu suchen.“

Führungspieler fehlen

Einigkeit herrscht in der Einschätzung, dass der Auswahl ein, zwei echte Führungsspieler (Strategen) fehlen. Weil Michael Kraus und Kapitän Pascal Hens offenkundig zu sehr mit sich selbst und ihren eigenen Formschwankungen beschäftigt sind. „Bei der WM 2007 kehrte Christian Schwarzer zurück“, erinnert sich Allendorf, „das war der Spieler, an dem sich der Rest des Teams orientieren konnte.“ Seinerzeit liefen de Kombinationen zwischen Kehrmann, Glandorf und Co. praktisch wie von selbst. Da hatte Bundestrainer Heiner Brand leichtes Spiel. Jetzt in Schweden konnte er machen was er wollte - es wurde nicht besser. Und steht in der Kritik.

„Natürlich wird Brand sich die Frage stellen, wie es mit seiner Person weitergeht“, erklärt Klimowets, „aber ich denke, dass er weitermachen wird. Er lässt eine Mannschaft, einen Verband nicht im Stich.“

Quelle: HNA

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