Morgen gegen Kiel

Selbst um den Sieg gebracht? Letzte Szene bei Spiel der MT Melsungen in Lemgo sorgt für Diskussionen

Große Bereicherung für das MT-Team: Elvar Örn Jonsson (rechts, hier gegen Lemgos Andrej Kogut).
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Große Bereicherung für das MT-Team: Elvar Örn Jonsson (rechts, hier gegen Lemgos Andrej Kogut).

Nach dem 26:26 der MT Melsungen in der Handball-Bundesliga beim TBV Lemgo Lippe waren die Ereignisse in der Schlussminute ein großes Thema.

Lemgo – Eigentlich wären der Stromausfall und der drohende Spielabbruch die wichtigsten Themen gewesen. Doch dass sich bei der Handball-Begegnung zwischen dem TBV Lemgo Lippe und der MT Melsungen der Anwurf zur zweiten Hälfte um eine halbe Stunde verzögerte, geriet letztlich zur Randnotiz. Weil sich die beiden Bundesligisten nach einer Pause mit Überlänge einen erbitterten Kampf lieferten und sich schließlich nach einem wahren Handball-Krimi beim 26:26 die Punkte teilten.

Zwar war die Arena nicht einmal zur Hälfte gefüllt, Lemgos Trainer Florian Kehrmann stellte aber klar: „Wenn wir jedes Mal solche engen, krassen Spiele haben, dann haben die Zuschauer irgendwann keine andere Wahl mehr, als zu kommen.“ Die Besucher, die da waren, kamen voll auf ihre Kosten. „Es war ein sehr gutes Handballspiel“, sagte Melsungens Coach Gudmundur Gudmundsson. Die Freude bei seiner Mannschaft hielt sich allerdings in Grenzen.

Zum einen hatten die Melsunger genügend Möglichkeiten, den Sack frühzeitig zuzumachen. Die Chance wurde aber vertan. Und in den letzten Sekunden lief so ziemlich alles schief, was aus MT-Sicht nur schief laufen konnte.

Lemgo operierte auch in seinem letzten Angriff mit dem siebten Feldspieler – und war erfolgreich. Das erste Bundesliga-Tor des Österreichers Lukas Hutecek war ausgerechnet das 26:26. Melsungens geschlagener Schlussmann Nebojsa Simic beförderte den Ball daraufhin sofort in Richtung Mittellinie, um Kapitän Kai Häfner anzuspielen – Stichwort: Schnelle Mitte. Häfner traf dann auch ins verwaiste TBV-Gehäuse. Doch Gudmundsson hatte bereits eine Auszeit beantragt. Das Tor zählte nicht. Die Hallenuhr zeigte dann nur noch zwei Sekunden an. Nicht wirklich ausreichend, um noch etwas Vernünftiges zu entwickeln. Der starke Neuzugang Elvar Örn Jonsson probierte es noch einmal aus der Distanz – allerdings vergebens.

Einige Melsunger Fans sind der Überzeugung, dass Gudmundsson sein eigenes Team um den Sieg gebracht hätte. So formulierten sie es jedenfalls in den Sozialen Netzwerken. Häfner betrachtet die Szene so: „Wenn ich neben das Tor geworfen hätte, hätte jeder gefragt, warum der Trainer keine Auszeit mehr genommen hat.“

Zur ganzen Wahrheit gehört auch, dass erst zwei Sekunden vergingen, bis die Zeitnehmer das Spiel für die Auszeit unterbrachen. „Ich musste in Sekundenbruchteilen entscheiden. Es ärgert mich selbst“, erklärt Gudmundsson. „Wir hatten im ganzen Spiel zuvor auch keine Schnelle Mitte gespielt.“ Der Isländer muss sich dann aber den Vorwurf gefallen lassen, dass er nicht frühzeitig mit seiner Mannschaft geklärt hat, wie sich das Team in den Schlusssekunden in den verschiedenen Situationen verhalten soll.

So war es für die MT drei Tage vor dem Heimspiel-Knüller gegen den THW Kiel (Samstag, 20.30 Uhr) kein Punktgewinn, sondern ein -verlust. „Es ist sehr schade“, resümierte Kreisläufer Marino Maric, „dass wir das Spiel nicht für uns entschieden haben.“ Zumal sich die Nordhessen besser präsentierten, als es nach der durchwachsenen Vorbereitung zu erwarten war. „Kampf, Wille, Leidenschaft – das war alles besser“, betonte Spielmacher Domagoj Pavlovic. Neun verschiedene Torschützen waren ein Beleg dafür, dass Gudmundsson die Breite im Kader mehr nutzte. Insbesondere die Deckung stand über weite Strecken prächtig. Jonsson bewies in Abwehr und Angriff, dass er eine Riesenverstärkung für die Mannschaft ist. „Wir haben eine gute Konkurrenzsituation“, stellt Pavlovic mit. Allerdings fehlte bei der MT phasenweise die Unterstützung von den Torleuten Silvio Heinevetter und Nebojsa Simic.

„Melsungen hat bärenstark agiert“, lobte Kehrmann die Gäste. „Am Ende war das Unentschieden für uns etwas glücklich, aber auch nicht unverdient.“ Er hatte in der Schlussminute eine Auszeit genommen, die den erhofften Erfolg brachte. Für die MT galt das nicht. (Björn Mahr)

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