Ein ungewöhnliches Interview

MT-Spieler Finn Lemke zu seinem EM-Aus: "Traf mich ohne Vorahnung"

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So lieben ihn die Fans: MT-Abwehrchef Finn Lemke ist derzeit aber nicht zum Jubeln zumute.

Kassel. Der Fall Lemke wird zum Politikum. Nach der EM-Ausbootung gibt der Handballprofi der MT Melsungen nur noch Antworten über den Verein.

Einfach ist es nicht, Finn Lemke in diesen Tagen ans Telefon zu bekommen. Nach der überraschenden EM-Ausbootung häuften sich die Interviewanfragen. Gerade weil die Entscheidung des Bundestrainers, den Abwehrchef der MT Melsungen nicht mit nach Kroatien zu nehmen, für Fassungslosigkeit sorgt. Dementsprechend groß ist das Interesse an einer Stellungnahme des 25 Jahre alten Handball-Profis. Angesichts der Tragweite und der anhaltenden Diskussion hat sich der Fall sogar zu einem kleinen Politikum entwickelt.

Und Lemke? Der schwieg erst mal. Was ja durchaus nachvollziehbar ist. Der Trubel um seine Person führte schließlich nach Rücksprache mit der MT zu dem Entschluss, Fragen nur noch über den Verein zu beantworten.

Für eine Zeitung ist das keine optimale Lösung. Aber besser als nichts. Also haben wir unsere Fragen an MT-Pressesprecher Bernd Kaiser geschickt. Der hat sie an Lemke weitergeleitet. Die Antworten landeten wieder als E-Mail in der Sportredaktion - ein Interview über drei Ecken:

Herr Lemke, haben Sie den Paukenschlag schon verdaut? 

Finn Lemke: Jetzt, nachdem einige Tage vergangen sind, eigentlich schon. Ich schaue nach vorn.

War die Entscheidung in irgendeiner Form abzusehen? 

Lemke: Nein, für mich zumindest nicht. Sie traf mich ohne Vorahnung.

Wie haben Sie von Ihrer Ausbootung erfahren?

Lemke: Der Bundestrainer hat es mir nach dem Länderspiel am Sonntag mitgeteilt.

Was ging Ihnen unmittelbar danach durch den Kopf?

Lemke: Nach solch einer Entscheidung ist man natürlich enttäuscht. Was an der Entscheidung selbst bekanntlich nichts ändert. Deshalb ist es am besten, sie abzuhaken.

Hat Ihnen Bundestrainer Christian Prokop eine Begründung geliefert? 

Keine Antwort 

Können Sie die Nicht-Nominierung nachvollziehen? 

Keine Antwort 

Wie haben Team- und Vereinskollegen reagiert? 

Lemke: Es gab tröstende Worte von allen Seiten.

Was machen Sie jetzt? Suchen Sie nach Ablenkung? 

Lemke: Ich konzentriere mich auf die zweite Saisonhälfte in der Bundesliga. Am Montag starte ich mit der MT ins Trainingslager nach Fuerteventura.

Existiert die Hoffnung, zur EM nachzurücken, und hätten Sie darauf überhaupt Lust? 

Lemke: Eine Nach-Nominierung käme wohl nur infrage, wenn sich ein Spieler verletzt - und das wünsche ich natürlich keinem. Insofern hoffe ich auch nicht darauf. Wenn ein Anruf käme, wäre ich natürlich bereit zu helfen.

Ihr Frust sitzt tief, das ist verständlich. Geben Sie den Bad Boys trotzdem gute Wünsche mit auf den Weg? 

Lemke: Natürlich. Schließlich handelt es sich um die Mannschaft, die unser Land bei der Europameisterschaft vertritt und dort möglichst den Titel verteidigen will.

Zur Person

Finn Lemke  (25), gebürtig aus Bremen, begann mit dem Handball bei der HSG Schwanewede/Neuenkirchen. Bevor er in diesem Sommer zum Bundesligisten MT Melsungen wechselte, spielte er für die Klassenkameraden TBV Lemgo und SC Magdeburg. Mit dem SCM wurde er 2016 Pokalsieger. Im selben Jahr gewann er mit der DHB-Auswahl EM-Gold und Olympia-Bronze. Lemke ist mit Jacqueline verheiratet.

Quelle: HNA

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