Bundesligist am Sonntag in Wetzlar zu Gast

Julius Kühn, die MT Melsungen und ein Hessenderby

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Nicht nur in der Abwehr eine wichtige Option: Melsungens Julius Kühn möchte im Derby in Wetzlar seine Durchschlagskraft unter Beweis stellen. 

Wenn es der Spielplan zulässt, haben die Handballer der MT Melsungen immer am vierten Tag vor dem nächsten Bundesliga-Wettkampf trainingsfrei. Julius Kühn hatte aber einen offiziellen Termin.

In dieser Woche bekamen sie deshalb logischerweise den Mittwoch zur freien Verfügung. Julius Kühn hatte vor dem Hessenderby am Sonntag ab 16 Uhr (Sky) in der Rittal-Arena bei der HSG Wetzlar dennoch einen offiziellen Termin – in Dortmund.

Kühn war beim Länderspiel der deutschen Fußball-Elf gegen Argentinien Teil des Rahmenprogramms. Als Handball-Nationalspieler plauderte er vor dem Anstoß im Fan-Club-Zelt des DFB sowie in der Pause beim Fanradio aus dem Nähkästchen. „Als Fan von Borussia Dortmund hat dieser Job gut für mich gepasst“, erklärt der 26-Jährige.

Für die Vorbereitung auf das Derby konnte der Halblinke nicht viel mitnehmen. „Die Stimmung im Stadion war nicht herausragend, und es war auch nur ein Freundschaftsspiel“, sagt Kühn, „uns erwartet am Sonntag aber ein heißes Duell: Wetzlar ist ein harter Brocken.“

Ganz entscheidend für den Ausgang des Prestigeduells wird sein, ob Kühn und seine Mitstreiter im Melsunger Rückraum genauso viel Durchschlagskraft entwickeln wie bei ihren vergangenen fünf Pflichtspielsiegen. Die Gegner hatten sich dabei zunächst verstärkt auf Kühn konzentriert und dementsprechend einen Abwehrspieler etwas weiter aus dem Deckungsverbund nach vorn gezogen. Doch daraus ergaben sich dann Freiräume, die insbesondere Lasse Mikkelsen und Domagoj Pavlovic auf der Mitte sowie Kai Häfner und Stefan Salger auf Halbrechts nutzten.

„Wir haben unterschiedliche Spielertypen. Das ist unsere Stärke“, stellt Kühn fest. Trainer Heiko Grimm ergänzt: „Wir sind mit der Zusammenstellung sehr zufrieden.“ Zumal die MT noch den Hünen Finn Lemke und den dynamischen Roman Sidorowicz in der Hinterhand hat.

„Melsungen wird immer stärker. Ich habe größten Respekt davor, was dort geleistet wird“, betont Wetzlars Coach Kai Wandschneider. Er hofft dennoch, dass sein Team den Favoriten stoppen kann. Dafür müsse seine Mannschaft aber an die Leistungsgrenze gehen. Dass den Mittelhessen dies nicht selten gelingt, zeigte sich in den ersten Wochen der Saison: 27:27 gegen Meister Flensburg, 29:28 gegen Magdeburg. Im Pokal verlor die HSG Anfang Oktober erst nach großem Kampf gegen Titelfavorit THW Kiel 25:26.

„Wir wissen sehr wohl, was die Wetzlarer bislang so gezaubert haben“, sagt Torjäger Kühn. Der Gast aus Nordhessen rechnet fest damit, dass sich Wandschneider für das Deckungsspiel seiner Mannschaft einiges überlegt. Normalerweise verteidigt die HSG in einer kompakten 6:0-Formation. Möglich aber, dass die Wetzlarer mit Blick auf den starken Rückraum besonders offensiv decken.

„Wir haben bewiesen, dass in unserem Kader eine besondere Qualität steckt“, erklärt Kühn. „Jetzt kommen aber Spiele, in denen du zeigen kannst, dass du ein Topklub bist. Gegen Wetzlar darfst du dir keine Nachlässigkeiten erlauben.“ Was alles passieren kann, wenn eine Mannschaft nicht mehr so konsequent agiert, hat Kühn gesehen – beim 2:2 der DFB-Elf in Dortmund.

Hintergrund

Devor die HSG Wetzlar und die MT Melsungen am Sonntag zum Derby antreten werden, wird es in der Arena erst noch eine Gedenkminute geben – für den nach schwerer Krankheit gestorbenen Jens Tiedtke. Der Ex-Nationalspieler trug von 2012 bis 2015 das Trikot der Wetzlarer. Doch nicht nur die Gastgeber, sondern auch die Melsunger werden die Partie in Trauerflor bestreiten. Zumal einige MT-Profis eine besondere Beziehung zu „Tito“ hatten, wie Tiedtke von Kollegen gerufen wurde. Michael Allendorf gehörte zu den Mannschaftskameraden bei der SG Wallau-Massenheim. Noch enger war die Bindung zu Heiko Grimm. Zusammen wechselten sie 2005 aus Wallau nach Großwallstadt. „Tito war ein guter Freund“, sagt MT-Coach Grimm. Die Melsunger können voraussichtlich in Bestbesetzung antreten. Die angeschlagenen Yves Kunkel, Stefan Salger, Kai Häfner, Felix Danner und Marino Maric dürften bis zum Sonntag fit sein. Bei der HSG fehlt der verletzte Torwart Tibor Ivanisevic. Fraglich ist der Einsatz von Rückraumschütze Lenny Rubin – ein Schweizer Landsmann des MT-Profis Roman Sidorowicz. 

Schon gewusst?

- Viele Handballer waren für die HSG Wetzlar und für die MT Melsungen im Einsatz: Giorgos Chalkidis, Zoran Djordjic, Daniel Valo und Fabian Schomburg spielten erst bei der MT und danach bei der HSG. Den umgekehrten Weg gingen Michael Allendorf, Timm Schneider, Philipp und Michael Müller, Tobias Reichmann, Christian Hildebrand, Dusko Bilanovic sowie Manager Axel Geerken und die Ex-Trainer Michael Roth und Mile Malesevic. 

- Wetzlars Torwart Till Klimpke ist der Neffe des MT-Managers und früheren Kieler Keepers Axel Geerken. Klimpke bestritt im Juni seine ersten beiden A-Länderspiele für die DHB-Auswahl. . MT-Geschäftsstellenmitarbeiter Markus Groß hat am Sonntag eine kurze Anreise. Er wohnt in Wetzlar – 20 Gehminuten von der Arena entfernt

Quelle: HNA

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