Abschied vom Linksaußen 

Publikumsliebling Jeffrey Boomhouwer: Wie er die MT-Herzen eroberte

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So bleibt er in Erinnerung: Jeffrey Boomhouwer jubelt euphorisch nach einem Treffer.

Kassel. Vier Jahre spielte Jeffrey Booumhouwer für die Melsungen. Nun wechselt der Publikumsliebling zum Bergischen HC. Wir blicken auf seine Zeit in Nordhessen zurück.

Langeweile? Fehlanzeige. Wenn Jeffrey Boomhouwer auf dem Feld steht, geht die Post ab. Mit seinen Turboläufen sorgt der Linksaußen der MT Melsungen nicht nur für schnelle Tore, sondern reißt die Zuschauer in der Kasseler Rothenbach-Halle förmlich mit. „Tore müssen gefeiert werden. Die Leute müssen raus aus den Sitzen“, sagt der Handballer. Dank seiner positiven Art erobert er die Fanherzen im Eiltempo.

Nach vier Jahren ist nun Schluss. Am Sonntag in Magdeburg trägt er zum letzten Mal das Trikot des heimischen Bundesligisten. Nach dem letzten Heimspiel gegen Berlin sagt die MT-Aufsichtsratsvorsitzende Barbara Braun-Lüdicke über den Publikumsliebling: „Jetzt wissen wir, dass nicht alles Käse ist, was aus Holland kommt.“ Ein Lacher. Und irgendwie passt diese Aussage zu dem 29 Jahre alten Niederländer. Miese Laune kommt bei ihm selten vor. „Ich bin jemand, der versucht, die Stimmung hochzuhalten“, sagt Boomhouwer, der mit seinem Lausbuben-Charme ruckzuck für eine lockere Atmosphäre sorgen kann.

Beim Sparkassencup im Sommer 2013 nähern sich der Handballer und die MT erstmals an. Der Mann vom TV Emsdetten fällt auf. Es wird ein Bierchen mit dem damaligen MT-Trainer Michael Roth geschlürft. „Dann ging’s ganz schnell“, erinnert sich Boomhouwer. Kurz nach Saisonbeginn erhält er einen Anruf aus Nordhessen, ein Jahr später wird er als MT-Neuzugang vorgestellt. „Ich blicke auf vier schöne Jahre zurück“, sagt er.

Dabei denkt der wieselflinke Außen zuerst an die Sensationssiege in Flensburg und zuletzt in Mannheim. In positiver Erinnerung behält er zudem die Reisen im Europapokal. Unter den Ereignissen, die er gern vergessen würde, steht an erster Stelle die Verletzung des Innen- und Außenbandes im rechten Fuß, die Boomhouwer im Herbst 2016 zu einer zehnwöchigen Pause zwingt. „Das war der Tiefpunkt“, sagt Boomhouwer. Zumal er in jenen Tagen drauf und dran ist, den Stammplatz von Michael Allendorf zu erobern.

Dann beginnt eine Durststrecke. „Die ersten zwei Jahre sind super gelaufen. Danach lief es nicht mehr so gut“, fasst er zusammen. Boomhouwer erhält wenig Spielzeit. Und im vergangenen November verkünden die MT-Melsungen-Verantwortlichen, dass der Vertrag nicht verlängert wird, was dem Niederländer überhaupt nicht schmeckt. Das äußert er auch so. Der Konflikt mündet in einer Suspendierung für die Partie in Leipzig. „So bin ich. Ich sage immer, was ich denke.“ Inzwischen sei das Thema längst abgehakt.

Und Boomhouwer wäre nicht Boomhouwer, wenn er nicht schnell seine positive Einstellung gefunden hätte. Der fliegende Holländer zieht sich aus dem kleinen Loch – auch dank der Hilfe der Teamkollegen und Fans. „Die Zuschauer werde ich vermissen“, sagt der Linksaußen. Nicht zuletzt sei ihm die Melsunger Clique unter den MT-Spielern ans Herz gewachsen. „Es herrscht ein toller Zusammenhalt in der Truppe.“

Insofern geht Boomhouwer mit einem weinenden Auge. Gleichwohl ist er froh, dass er beim Bergischen HC einen neuen Arbeitsplatz gefunden hat. Mit Ehefrau Sharelle und dem sieben Monate alten Töchterchen Djem zieht er demnächst in die Nähe von Solingen um. „Das wird stressig“, sagt er. Aber auch diese Aufgabe löst Boomhouwer garantiert mit guter Laune.

Quelle: HNA

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