Handball-Bundesliga

Interview mit Bob Hanning: Füchse-Geschäftsführer spricht über Spiel gegen MT Melsungen, sein Buch und mehr

Oft im Blickpunkt: Bob Hanning präsentiert sich gern in schrillen Outfits.
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Oft im Blickpunkt: Bob Hanning präsentiert sich gern in schrillen Outfits.

Kassel – Er ist eines der Gesichter des deutschen Handballs: Bob Hanning. In einigen Wochen tritt der 53-Jährige als Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB) ab. Jetzt blickt der Geschäftsführer der Füchse Berlin erst einmal gespannt auf morgen. Dann gastiert der Bundesligist aus der Hauptstadt ab 19.05 Uhr in der Kasseler Rothenbach-Halle bei der MT Melsungen.

Am 1. Oktober erscheint Hannings Buch „Hanning. Macht. Handball.“ Darin gibt es auch ein Kapitel zum ehemaligen Berliner Torwart Silvio Heinevetter, der laut einem Bild-Artikel vom späten Montagabend nicht mehr mit Schauspielerin Simone Thomalla liiert ist.

Zwei wichtige Siege zum Auftakt. Sind Sie mit dem Start rundum zufrieden?

Ich bin zufrieden, aber nicht rundum. Dafür hatten wir in beiden Spielen, gerade in der ersten Halbzeit, eine zu große Fehlerkette gehabt. Und gegen absolute Spitzenteams wäre es sicher noch schwerer gewesen, die Schwächen auszugleichen.

Was klappt bei den Berlinern schon sehr gut?

Unsere Idee war es, im Rahmen der Olympischen Spiele so wenig wie möglich am Kader zu verändern. Damit nicht neue Abläufe trainiert werden müssen und wir auf das bestehende System zurückgreifen können. Das hat man bereits gemerkt, dass das funktioniert. Dazu muss man sagen, dass Marko Kopljar nach dem Weggang von Jakov Gojun den Ausfall von Viran Morros gut kompensiert.

Jetzt geht es für die Füchse nach Kassel. Vor dem letzten Auftritt im Juni haben Sie die MT scharf kritisiert und gesagt, kein deutscher Nationalspieler habe sich in Melsungen verbessert. Das kam nicht bei jedem gut an.

Ich habe das bewusst so gesagt und bewusst so gemeint. Aber das ist jetzt Geschichte. (lacht) Und es wird keine weiteren Ansagen geben, damit sich alle komplett auf den Sport und nicht auf mich konzentrieren können.

Haben Sie mit den betroffenen Akteuren darüber noch mal gesprochen?

Ja, ich stehe regelmäßig mit Spielern im Austausch. Es sind ja keine persönlichen Anfeindungen. Das sind alles super Jungs. Gerade zu Timo Kastening und Tobias Reichmann verbindet mich ein freundschaftliches Verhältnis. Aber auch zu Kai Häfner und Julius Kühn ist die Verbindung absolut okay. Sie ist ja auch von einer erfolgreichen gemeinsamen Zeit geprägt.

Wie sehen Sie die Kräfteverhältnisse vor diesem Duell?

Es ist wie immer das Duell zweier Teams auf Augenhöhe. Man muss schon ans Maximum gehen, wenn man aus Kassel etwas mitnehmen will. Dem THW Kiel ist es gelungen, gegen eine wirklich gute Melsunger Mannschaft doppelt zu punkten. Wir müssen mindestens das Gleiche an Energie reinlegen, um etwas Zählbares mitnehmen zu können.

Mittlerweile sind Sie auch noch Trainer des Drittligisten VfL Potsdam. Wie viele Stunden haben aktuell Ihre Tage?

Es ist alles eine Sache des Zeitmanagements. Das beschreibe ich auch in meinem Buch. Man muss eben immer gerade das tun, was angesagt ist. Und da ich in allen Bereichen Menschen um mich habe, die in ihren Spezialgebieten besser sind als ich, ist das händelbar.

Sie haben das Buch erwähnt. Am 1. Oktober erscheint es: „Hanning. Macht. Handball.“ Worauf dürfen sich die Leser freuen?

Ich möchte nicht zu viel verraten. Ich finde es sehr gelungen. Die Leser können sich sowohl auf Privates, aber auch viele spannende bislang nicht erzählte Geschichten freuen. Das Buch wird definitiv nicht jedem gefallen. Es ist grundehrlich, auch mir selbst gegenüber. Einige Themen werden in einem ganz anderen Licht erscheinen. Es wird um Führung, Erziehung junger Menschen und den respektvollen Umgang miteinander gehen.

Früher Berlin, jetzt Melsungen: Silvio Heinevetter.

In einem Kapitel beschäftigen Sie sich auch mit dem ehemaligen Berliner und jetzigen Melsunger Torwart Silvio Heinevetter. Wie wichtig war er für Sie und die Füchse?

Silvio Heinevetter ist untrennbar mit dem Erfolg der Füchse verbunden. Ich bin immer ein Freund davon, das Ganze zu sehen – und nicht nur Episoden, die vielleicht davon geprägt sind, dass man sich nicht versteht. Und ich bin davon überzeugt, dass viele Dinge im Lichte der Zeit auch anders dastehen werden, als es punktuell wirkt.

Die Fans kennen Sie auch als einen sehr modebewussten Vertreter des Handballsports.

Darum geht es weniger. Im Buch geht es mehr um Inhalte als um Klamotten. Aber gerade das Thema Kleidung und Verwandlung spielte in der Zeit beim HSV eine entscheidende Rolle.

In einigen Wochen beenden Sie Ihre Tätigkeit als Vizepräsident des DHB. Wie schwer fällt Ihnen der Abschied?

Überhaupt nicht schwer. Nachdem wir einiges umgebaut haben, bedarf es nicht mehr Menschen wie mich. Und auch wenn wir hinten raus mit der deutschen Nationalmannschaft nicht so erfolgreich waren, wie wir uns das alle gewünscht hätten, glaube ich, hat der deutsche Handball die Möglichkeit, das goldene Jahrzehnt mit der Junioren-WM, der Heim-EM sowie Heim-WM, nutzen zu können. So bleibt festzuhalten, dass ich mit vielen Dingen sehr zufrieden bin, mir aber sportlich schon einen besseren Abgang erhofft habe. (Björn Mahr)

Zur Person: Bob Hanning

Bob Hanning (53) ist seit mehr als 15 Jahren Geschäftsführer der Füchse Berlin. Seit dieser Saison trainiert er auch den Drittligisten VfL Potsdam, einen Kooperationspartner der Füchse. Vor seiner Zeit in Berlin war der gebürtige Essener als Trainer unter anderem in Hamburg sowie in Solingen tätig, wo er die späteren Weltmeister Torsten Jansen und Florian Kehrmann förderte. Er gilt als ihr Entdecker. Überhaupt macht er sich sehr verdient um die Förderung der Talente. Im Frühjahr gewann er mit der A-Jugend der Füchse zum wiederholten Male die Deutsche Meisterschaft. Seit 2013 ist er Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Anfang Oktober stellt sich Hanning aber für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Wahl. Am 1. Oktober kommt sein Buch „Hanning. Macht. Handball.“ heraus.

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