Bundestrainer hat Kader verkleinert

Letzter Test vor WM: DHB-Auswahl schlägt Argentinien - Reichmann aussortiert

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Generalprobe geglückt: Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat den letzten Test gegen Argentinien gewonnen.

Das war eine Überraschung: Melsungens Tobias Reichmann ist kurz vor WM-Start aus dem Kader gestrichen worden. Den letzten Test vor Turnierstart hat die DHB-Auswahl gewonnen.

Aktualisiert um 17.14 Uhr - Kurz vor Ende des WM-Vorbereitungsspiels in Hannover gegen Tschechien blickte Kapitän Uwe Gensheimer noch einmal kurz zu Tobias Reichmann hinüber. Der Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft wollte dem Rechtsaußen und Strafwurfspezialisten die Chance geben, den letzten Siebenmeter zu werfen. Doch Reichmann schüttelte kurz den Kopf – und Gensheimer traf zum 32:24-Endstand. „Uwe hatte alle Bälle vorher reingemacht. Warum soll ich da noch mal werfen?“, sagte der 30-Jährige.

Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand für möglich hielt: Es wäre der vorerst letzte Wurf von Reichmann im Nationalteam gewesen. Denn bereits vor dem 28:13 (9:6)-Erfolg im letzten Test in Kiel gegen Argentinien wurde der Profi von der MT Melsungen aussortiert – genauso wie Tim Suton. Während der Rückraummann aus Lemgo nur geringe Chancen auf eine Teilnahme bei der Heim-WM hatte, kam die Nicht-Nominierung von Reichmann vollkommen überraschend.

Den 16-köpfigen Kader teilte Bundestrainer Christian Prokop der Mannschaft am Sonntagmorgen bei einer Sitzung im Teamhotel in Hamburg mit. Einziger gelernter Rechtsaußen im Aufgebot wird jetzt beim WM-Auftaktspiel am Donnerstag ab 18.15 Uhr (live im ZDF) in Berlin gegen Korea Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen. Reichmann reiste im Gegensatz zu Suton danach nicht mehr mit zum Spiel in Kiel, sondern kehrte direkt zu seiner Familie zurück. Für eine Stellungnahme war der gebürtige Berliner am Sonntag nicht zu erreichen.

Prokop äußerte sich nach dem Spiel in Kiel zu seinem Entschluss: „Taktische Beweggründe haben eine große Rolle gespielt, die Rechtsaußenposition einfach zu besetzen.“ Zudem sagte der 40-Jährige: „Tobi wird jetzt erst mal frustriert sein. Für ihn ist es wichtig, das habe ich ihm mitgegeben, dass er jetzt trotzdem in Gedanken bei dieser Mannschaft bleibt.“

Das Spiel gegen Argentinien wies einige Parallelen zur Begegnung vom Freitag auf. Speziell im Angriff tat sich die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) teilweise schwer. Gefährlich wurde es vor allem dann, wenn Kreisläufer Jannik Kohlbacher eingesetzt wird. Dafür harmonierten von Beginn an Abwehr und Torwart – wofür nur sechs Gegentreffer im ersten Durchgang ein eindeutiger Beleg waren. „Wir werden noch einige kleine Sachen in der Deckung angehen müssen“, hatte Abwehrstratege Finn Lemke nach dem Sieg über die Tschechen gesagt. Gegen die flinken Argentinier war die Hintermannschaft um Torwart Andreas Wolff deutlich kompakter.

Insbesondere Melsungens 2,10-Meter-Hüne Lemke – er war vor einem Jahr kurzfristig aus dem EM-Kader gestrichen worden – blockte einige Würfe des südamerikanischen WM-Teilnehmers ab. Halbzeitübergreifend ließ das deutsche Team 13 Minuten lang kein Tor der Argentinier zu und setzte sich bis auf 11:6 ab. Zehn Minuten vor Schluss betrug der Vorsprung sogar zehn Treffer.

Kein Wunder also, dass die Zuschauer in der Kieler Sparkassen-Arena schon lange vor dem Abpfiff stehend applaudierten und das Team mit viel Beifall Richtung Weltmeisterschaft verabschiedeten.

Tobias Reichmann

Prokop verzichtet auf Reichmann

Der 30-jährige Tobias Reichmann schien gesetzt zu sein für das 16-köpfige Weltmeisterschafts-Aufgebot. Umso mehr, weil er in den vergangenen Wochen im Dress der Melsunger starke Leistungen gezeigt hatte. 

Im Vorfeld der Europameisterschaft in diesem Jahr in Kroatien war Reichmann schon einmal von Prokop zu einem Lehrgang nicht eingeladen worden. Damals hatte er nach seinem Wechsel aus Kielce/Polen zur MT allerdings ein paar Eingewöhnungsprobleme in der Bundesliga. In dieser Saison war er eine wichtige Stütze.

„Man merkt, dass die heiße Phase vor der WM beginnt. Es kribbelt schon“, sagte Reichmann noch am Freitagabend nach dem 32:24-Testspielsieg in Hannover gegen Tschechien.

Prokop, der vor einem Jahr völlig unerwartet bei der EM zunächst auf Reichmanns Melsunger Kollegen Finn Lemke verzichtet hatte, geht jetzt mit nur einem etatmäßigen Rechtsaußen ins Turnier: Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen.

Eine kleine Hoffnung bleibt dem in Berlin geborenen Reichmann noch. Während der Weltmeisterschaft darf Prokop drei Wechsel vornehmen. Vorausgesetzt: Der Spieler gehört dem 28-köpfigen Kader an, den der Bundestrainer im Dezember dem internationalen Verband mitgeteilt hatte.

Statistik zum letzten Test vor der Handball WM 2019

Deutschland: Heinevetter, Wolff - Gensheimer 8/6, Fäth 3, Strobel 3, Böhm 2, Drux 2, Pekeler 2, Semper 2, Groetzki 1, Kohlbacher 1, Musche 1, Weinhold 1, Wiede 1, Wiencek 1, F. Lemke;

Argentinien: Maciel 1, Schulz - Baronetto 4, Martínez 2, P. Simonet 2, F. Fernández 1/1, Mourino 1, Parker 1, Pizarro 1, Bonanno, Carou, Crivelli, J. P. Fernandez, Fischer, Moscariello, Moyano, S. Simonet, Vieyra;

Schiedsrichter: Kirkholm Madsen/Mortensen (Dänemark) - Zuschauer: 9473 Strafminuten: 10 / 8

Der Kader für die Handball-WM:

Position

Name

Verein

Tor

Andreas Wolff

THW Kiel

Silvio Heinevetter

Füchse Berlin

Linksaußen

Uwe Gensheimer

Paris St. Germain

Matthias Musche

SC Magdeburg

Rückraum links

Finn Lemke

MT Melsungen

Fabian Böhm

TSV Hannover-Burgdorf

Steffen Fäth

Rhein-Neckar Löwen

Rückraum Mitte

Martin Strobel

HBW Balingen-Weilstetten

Paul Drux

Füchse Berlin

Rückraum rechts

Steffen Weinhold

THW Kiel

Franz Semper

SC DHfK Leipzig

Fabian Wiede

Füchse Berlin

Rechtsaußen

Patrick Groetzki

Rhein-Neckar Löwen

Kreis

Patrick Wiencek

THW Kiel

Hendrik Pekeler

THW Kiel

Jannik Kohlbacher

Rhein-Neckar-Löwen

Quelle: HNA

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