„Fokus liegt nur auf Schweden“

Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter vor der Olympia-Qualifikation im Interview

Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter bejubelt bei der WM eine gelungene Aktion seines Teams.
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Das war bei der WM im Januar: Torwart Silvio Heinevetter bejubelt eine gelungene Aktion seines Teams.

Vor dem heutigen Auftaktspiel der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der Olympia-Qualifikation in Berlin gegen Schweden haben wir mit Torwart Silvio Heinevetter von der MT Melsungen gesprochen.

Berlin – Heute ab 15.15 Uhr (ARD) wird es ernst für die deutschen Handballer. Die Nationalmannschaft startet mit dem Spiel gegen Schweden in die Olympia-Qualifikation. Weitere Gegner sind am Wochenende Slowenien (morgen, 15.35 Uhr/ZDF) und Algerien (Sonntag, 15.45 Uhr, ZDF). Deutschland muss einen der ersten beiden Plätze erreichen, um an den Sommerspielen in Tokio teilnehmen zu dürfen.

Wir haben vor dem Viererturnier mit dem Melsunger Torwart Silvio Heinevetter gesprochen.

Eins vorweg: Sind alle Spieler gut frisiert in Berlin angekommen?

Die Friseure haben ja erst seit ein paar Tagen wieder geöffnet. Aber der eine oder andere war, wie es scheint, schon mal dort.

Haben Sie denn Kamm und Schere dabei und können zur Not wie bei der Weltmeisterschaft ein bisschen helfen?

Ein bisschen Lockerheit muss sicher auch dabei sein. Aber das ist aktuell nicht mein Thema. Ich habe gerade ein paar Trainingsklamotten ausgezogen, die nächsten ziehe ich mir gleich wieder an. Wir sind hier, um viel zu trainieren und uns gut auf die erste Aufgabe gegen Schweden vorzubereiten.

Die Weltmeisterschaft verlief alles andere als optimal. Was nehmen Sie in dieses Turnier mit?

Die WM ist Geschichte. Wir haben die Olympia-Quali vor uns. Ich kann es nur wiederholen: Unser Fokus liegt nur auf dem Schweden-Spiel. Alles andere ist nebensächlich.

Die Gegner im Kurzporträt

Die deutschen Handballer treffen auf Schweden, Slowenien und Algerien. Die Gegner im Kurzporträt:

Schweden: Bei der WM überraschte das Team von Trainer Glenn Solberg als Vize-Weltmeister. Die Stars im Team sind Flensburgs Spielmacher Jim Gottfridsson, Torwart Andreas Palicka (Rhein-Neckar Löwen) und Rückkehrer Niclas Ekberg aus Kiel.

Slowenien: Der WM-Neunte wird vom Schweden Ljubomir Vranjes trainiert. Herausragende Akteure sind Miha Zarabec (Kiel), Blaz Janc und Jure Dolenec (beide Barcelona).

Algerien: Bei der WM auf Rang 22. Bundestrainer Alfred Gislason warnt vor der robusten Spielweise: „Sie kassieren viele Zeitstrafen und Rote Karten, stehen sich oft selbst im Weg.“

Dann etwas anders gefragt: Welche persönlichen Erwartungen haben Sie an dieses Turnier?

Die Abwehr-Konstellation ist eine andere. Darauf freue ich mich.

Das heißt, dass es die Rückkehr des Kieler Blocks mit Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold für Sie einfacher macht?

Nein, das meine ich gar nicht personenbezogen. Für mich spielt es erst mal keine Rolle, ob da ein Pekeler, ein Heymann oder ein Firnhaber im Zentrum decken. Mir geht es um unser System als solches. Mir kommt es als Torwart entgegen. Wir müssen uns als Mannschaft nur erst daran gewöhnen.

Der Bundestrainer hat vor einer Woche gesagt, die Melsunger kämen aus einer schweren Phase, würden sich aber deshalb umso mehr freuen, zur Nationalmannschaft reisen zu können. Wie sind Sie es angegangen?

Natürlich ist es schön, mal rauszukommen und die Jungs aus der Nationalmannschaft zu sehen. Aber letztlich zählt nun der Erfolg des Teams. Der Rest ist egal.

Drei Melsunger im Nationaldress: Silvio Heinevetter (von links), Kai Häfner und Julius Kühn.

Wie sehen Sie die Chancen?

Mit Schweden und Slowenien haben wir zwei Top-Nationen als Gegner. Ich halte aber auch die Algerier für nicht so schlecht. So weit sollten wir aber nicht blicken. Unser Hauptaugenmerk gilt nur den Schweden.

In dieser Woche wurde unter anderem im Trainingszentrum der Füchse gearbeitet. Wie besonders hat sich das für Sie angefühlt?

Ich habe dort lange trainiert. Das ist aber dann auch schon alles. Als Nationalspieler trainierst du in so vielen unterschiedlichen Hallen – der Ort? Unwichtig. Nicht einmal für unsere Spieler von den Füchsen hat das wahrscheinlich eine große Bedeutung.

Zur Person: Silvio Heinevetter

Silvio Heinevetter (36) trägt seit dem Sommer 2020 das Torwarttrikot des Handball-Bundesligisten MT Melsungen. Zuvor war er bei den Füchsen Berlin und beim SC Magdeburg tätig. Heinevetter gewann mit der deutschen Nationalmannschaft 2016 Olympia-Bronze. Er stammt gebürtig aus Bad Langensalza. Heinevetter ist mit Schauspielerin Simone Thomalla liiert.

Es dürfen zwar keine Zuschauer dabei sein, aber die Max-Schmeling-Halle ist Ihnen durch Ihre Zeit bei den Füchsen Berlin bestens bekannt. Inwieweit trägt das zu einem kleinen Heimvorteil bei?

Ich freue mich auf jeden Fall, dass wir im eigenen Land spielen dürfen. In welcher Halle wir letztlich spielen – vollkommen uninteressant. Hauptsache, wir bringen unsere Leistung.

Wissen Sie noch, wo sie Mitte Juni 2018 mit der deutschen Mannschaft unterwegs waren?

Keine Ahnung.

Mit dem DHB-Tross auf einer Länderspielreise in Japan.

Bevor wir über Japan reden, müssen wir erst einmal die Quali schaffen. Ich hoffe, dass die Olympischen Spiele stattfinden und unsere Mannschaft dabei ist. Alles andere ist Zukunftsmusik. Wer weiß schon, wie es dann aussieht? Ob man verletzt ist? Das Geschäft ist so schnelllebig. Ich schaue nur auf das Training, und das beginnt gleich. (Björn Mahr)

Melsungens Kai Häfner vor seinem 100. Länderspiel

Mittlerweile 99 Handball-Länderspiele hat Kai Häfner von der MT Melsungen bestritten. Seinen 100. Einsatz hat der deutsche Rückraumspieler heute ab 15.15 Uhr bei der Olympia-Ausscheidung gegen Schweden. Kurios: Schon sein 50. Länderspiel absolvierte er in der Berliner Max-Schmeling-Halle – im Oktober 2017 gab es dort einen 28:24-Testspielsieg gegen Spanien.

„Die Anspannung ist groß. Es geht um viel, das ist auch jedem bewusst“, sagt Häfner. Anders als bei den letzten großen Turnieren trägt er bei der Olympia-Quali nicht die Haupt-Last. Mit den Rückkehrern Fabian Wiede und Steffen Weinhold sind zwei ebenfalls starke Halbrechte dabei. „Diese Spieler bringen viel Qualität mit“, stellt der Ex-Hannoveraner fest.

Nach der Abreise von Paul Drux (Meniskus-OP) hat Bundestrainer Alfred Gislason noch 18 Spieler dabei. „Wir sind gut drauf. Das stimmt mich optimistisch“, erklärte der Isländer. Vor jeder Partie muss er sich auf 16 Akteure festlegen. Da er mit Andreas Wolff, Johannes Bitter und Silvio Heinevetter drei Torhüter zur Verfügung hat, ist davon auszugehen, dass ein Schlussmann immer pausieren muss.

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