Spiel gegen Aufsteiger

MT Melsungen will gegen Bietigheim ihr wahres Gesicht zeigen

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Sichtlich unzufrieden: Michael Müller will am Sonntag gegen Bietigheim unbedingt eine bessere Abwehr spielen.

Kassel. Die Auftaktpleite gegen Magdeburg ist abgehakt, nun geht es für Handball-Bundesligist MT Melsungen zum Aufsteiger nach Bietigheim. Anwurf ist am Sonntag um 16 Uhr.

Lang ist es her. Genau vor elf Jahren, am 1. September 2007, standen die Zwillinge Michael und Philipp Müller erstmals gemeinsam in einem Bundesliga-Spiel auf dem Feld. „Das muss mit Großwallstadt gewesen sein gegen den THW Kiel“, erinnert sich Michael Müller. Groß feiern werden die beiden Handballer der MT Melsungen dieses kleine Jubiläum nicht – es steht Wichtigeres auf dem Programm: das Auswärtsspiel des heimischen Bundesligisten am Sonntag bei Aufsteiger SG Bietigheim (16 Uhr/Sky).

Nach der dürftigen Vorstellung zum Auftakt gegen Magdeburg freut sich Heiko Grimm auf die Aufgabe. Der MT-Trainer sagt: „Jetzt können wir unser wahres Gesicht zeigen.“ Wie das aussieht? Zumindest nicht so wie in der ersten Hälfte gegen die Magdeburger. Da enttäuschten die ambitionierten Nordhessen vor allem in der Deckung. Michi Müller war genervt. „Das war Handball wie in den 60er-Jahren. Ohne Kontakt“, sagt der 33-Jährige. Das sei nicht die Art von Abwehr, die er spielen möchte: „So verschaffen wir uns keinen Respekt.“

Leidenschaft und Aggressivität fehlte

Sein Bruder Philipp sieht es ähnlich: „Bei uns fehlte Leidenschaft und Aggressivität.“ Und das im ersten Heimspiel. Seit 2013 tragen die beiden das MT-Trikot – und niemand verkörpert bei den Nordhessen das robuste Abwehrspiel so wie die Müller-Zwillinge. „Die MT hat sich einen Ruf erarbeitet. Die Deckung war stets unser Trumpf“, sagt der um wenige Minuten ältere Michael. Kein Wunder, dass dem ehemaligen MT-Kapitän gegen Magdeburg ab und an der Kamm schwoll.

Nach 2016 und 2017 hat die MT nun zum dritten Mal in Folge „den Saisonstart verkackt“, wie es Michi Müller ausdrückt. Der Druck vor dem Gastspiel in Württemberg steigt. Wobei für Philipp Müller kein Unterschied besteht. Er bedient sich eines Zitats aus dem Hollywood-Film „Moneyball – die Kunst zu gewinnen“. Der Spruch geht so: „Mein Hass zu verlieren, ist größer, als die Gier zu gewinnen.“ Mit anderen Worten: „Ich kann nicht verlieren, selbst in Trainingsspielen nicht“, gesteht Philipp Müller. Von daher spüre er immer Druck, egal an welchem Spieltag.

Für Sentimentalitäten kein Platz

Was diesen Ehrgeiz anbelangt, stehen sich die Brüder in nichts nach. Wo Müller draufsteht, steckt eine ordentliche Portion Einsatz drin. Und manchmal darf es etwas mehr sein – zum Leidwesen der Gegner. Aber so sind sie, die Müllers. Seit elf Jahren. „Schon Wahnsinn“, sagt Philipp. Er wisse noch genau, wie sie damals von zu Hause weggezogen sind und dann in Großwallstadt in einer WG gelebt hätten. „Und mehr als ein Jahrzehnt später zum Ende unserer Karriere spielen wir wieder in einer Mannschaft. Das ist krass.“ Und definitiv etwas Besonderes.

Für Sentimentalitäten ist vorerst kein Platz. Was zählt, ist Bietigheim. Neben den Müllers hat Grimm alle Spieler dabei. Der MT-Trainer erwartet einen bissigen Gegner. „Das ist das erste Heimspiel des Aufsteigers. Da wird eine enorme Euphorie herrschen“, sagt Grimm. Die Partie werde nicht über die Taktik, sondern über die Bereitschaft, das Spiel anzunehmen, entschieden. Und natürlich habe die MT die höhere Qualität in ihren Reihen. Aber sie muss ein anderes Gesicht zeigen.

Quelle: HNA

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