Vor dem Spiel gegen Ludwigshafen

MT-Melsungen-Trainer Roth: Nach dem Kampf gegen die Eulen fällt der Bart

Kassel. Das letzte Melsunger Spiel im November – und auch der letzte Tag der Aktion Movember: In den vergangenen Wochen hat sich MT-Trainer Michael Roth nicht nur einen Schnurrbart wachsen lassen, um auf das Thema Männergesundheit hinzuweisen. Er hat sich mit dem Handball-Team auch in der Bundesliga-Spitzengruppe festgesetzt.

Wir haben vor dem Heimspiel am Donnerstag (19 Uhr, Sky) in der Kasseler Rothenbach-Halle gegen die Ludwigshafener Eulen über diese und andere Themen gesprochen. Dabei ging es auch um die Personalplanung der MT.

Herr Roth, der Monat neigt sich dem Ende entgegen. Wann kommt der Schnurrbart ab?

Michael Roth: Ich werde ihn direkt nach dem Spiel gegen Ludwigshafen abrasieren. Das mache ich allerdings auch, weil ich am Freitag zwei Weisheitszähne gezogen bekomme. Und ich möchte nicht, dass der Arzt noch ein Instrument im Bart vergisst. Nein, im Ernst, dann ist der Monat ja auch rum. Und den Nikolaus muss ich im Dezember auch nicht spielen.

Sie sind mit dem Bart ein Gesicht der bundesweiten Aktion Movember. Inwieweit ist es Ihnen gelungen, das Thema Männergesundheit in den Fokus zu rücken?

Roth: Das Wichtigste ist, dass darüber gesprochen wird. Ich weiß bereits, dass die Spendenbereitschaft größer war als im vergangenen Jahr. Wie viel zusammen kam, weiß ich nicht. Meine Spieler sind noch nicht in dem Alter, in dem sie eine urologische Untersuchung benötigen. Doch ich kann sie zumindest für dieses Thema sensibilisieren. Und vielleicht erinnern Sie sich später an das, was ihr Trainer mal gesagt hat.

Sportlich können sich die Ergebnisse im November sehen lassen. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Roth: Als im September und Oktober bis zu vier Spieler ausgefallen waren, habe ich gesagt: Wir müssen sehen, dass wir im Dezember nicht mit dem Rücken zur Wand stehen und bis dahin trotzdem unsere Punkte holen. Jetzt liegen wir absolut im Soll, und dieser Monat ist sensationell gelaufen. Wenn wir gegen Ludwigshafen gewinnen, haben wir am 10. Dezember in Berlin ein Topspiel.

Wieso tut sich das Team in den Auswärtsspielen so schwer?

Roth: Das liegt nur an uns. Unser System funktioniert, wir müssen jedoch unsere Chancen nutzen und dürfen die gegnerischen Torhüter nicht warmschießen. Erfüllen wir diese Vorgaben nicht, kommt Nervosität auf. In Erlangen müssen wir einfach früher die Entscheidung herbeiführen. Ich kann die Spieler nur darauf hinweisen, dass sie noch konzentrierter beim Abschluss sind.

Heute wartet allerdings ein Heimspiel. Wie knifflig wird die Aufgabe gegen die Eulen?

Roth: Wir sind der Favorit und nehmen die Rolle auch an. Wenn wir die nötige Konzentration haben, gewinnen wir diese Partie auch. Klar ist aber auch: Jeder Gegner in der Klasse kann gefährlich werden.

Werden bei diesem Gegner noch Erinnerungen wach?

Roth: Ja, sehr positive. Ich erzähle die Geschichte immer wieder gern, dass ich in Ludwigshafen meinen ersten Sieg mit der MT gefeiert habe. Das Spiel im November 2010 mussten wir unbedingt gewinnen. Wenn dies nicht gelungen wäre, dann wäre der Effekt mit mir als neuem Trainer endgültig verpufft. Aber dann hält Mario Kelentric in der Schlusssekunde einen Siebenmeter und sichert uns den Sieg. Da habe ich gespürt, wie wichtig der Sieg für das Team war. Das Spiel werde ich nie vergessen.

Die MT arbeitet hinter den Kulissen am Kader für die nächste Saison. Fast alle Fragen sind geklärt. Was wird aus Johannes Golla und Arjan Haenen?

Roth: Die Aufsichtsratsvorsitzende Barbara Braun-Lüdicke, Axel Geerken und ich arbeiten daran, dass die Mannschaft bestmöglich zusammengestellt ist. Klar ist, wir werden nicht jedes Jahr Topstars holen können. Es geht auch um Kontinuität. Ich bekomme die Diskussionen unter den Fans mit, aber sie sollten uns vertrauen, dass wir alles im Sinne des Vereins machen. Zu den beiden Personalien können wir zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen. Grundsätzlich wollen wir immer auch dort, wo es möglich ist, Jugendliche einbauen.

Es halten sich auch hartnäckig Gerüchte, wonach Sie zukünftig bei der MT nicht mehr Trainer, sondern Sportlicher Leiter werden könnten. Ihr Vertrag gilt bis 2020. Wie sieht die Planung aus?

Roth: Ich werde meinen Vertrag auf jeden Fall erfüllen, wenn man mich so lange haben möchte. Dann wäre ich zehn Jahre hier. Ich möchte bis 60 als Trainer tätig sein. 2020 bin ich 58. Grundsätzlich möchte ich gern in der Region bleiben. Und ich wäre auch für andere Funktionen offen. Wichtig ist jedoch erst mal, dass wir uns bis zum Jahr 2020 unter den besten fünf, sechs Mannschaft etablieren.

Zur Person

Michael Roth (55) ist seit dem Oktober 2010 Trainer des Handball-Bundesligisten MT Melsungen. Zuvor war der frühere deutsche Nationalspieler Coach in Wetzlar, Großwallstadt und bei Kronau/Östringen. Als Spieler holte er mit der DHB-Auswahl die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1984. Mit dem TV Großwallstadt gewann er unter anderem die Deutsche Meisterschaft (1990). Roth ist geschieden, hat zwei Kinder und ist liiert.

Quelle: HNA

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